Die Poller beschäftigen das Landgericht
Die Poller beschäftigen das Landgericht
Von Thomas Senger

Gaggenau - Eine dauerhafte Lösung soll im neuen Jahr installiert werden, doch zunächst steht der Stadt eine Verhandlung vor dem Landgericht in Baden-Baden ins Haus. Die Poller am Bahnhofsplatz funktionieren nicht zuverlässig, argumentiert der Inhaber des nahegelegenen Asia-Restaurants "Miu Miu". Nicht er habe den Unfallschaden an Poller und an seinem Auto zu verantworten, sondern die Stadtverwaltung.

Im Gaggenauer Rathaus hingegen gibt man sich gelassen: Die Anlage funktioniere ordnungsgemäß, versichert Sprecherin Judith Feuerer. Wenn sie funktioniert: Rund 25 mal in rund zwei Jahren wurden einer oder mehrere Poller beschädigt. Die Stadt ihrerseits fordert Schadenersatz von den Fahrzeughaltern, die für die Schäden verantwortlich seien.

Dies anzuerkennen, dazu ist Imad Yassine nicht bereit. Als Betreiber des Asia-Restaurants hat er mit seinem Auto schon oft die Anlage passiert - und deren Funktionsweise beobachtet. Er schildert den Unfallhergang vom Rosenmontag, 12. Februar 2018, aus seiner Sicht. "An manchen Tagen fahre ich fünf- oder zehnmal rein und raus, ich kenne die Anlage. Ich habe vor den Pollern angehalten und bin erst losgefahren, als die große Ampel nicht mehr Rot zeigte und die kleine Ampel rechts auf Grün stand."

Beim Überfahren habe er dann ein krachendes Geräusch am Fahrzeug gehört und sofort angehalten, "und es war immer noch Grün!" Sein Audi TT habe Kontakt mit dem in Fahrtrichtung rechten Poller gehabt. Umgehend habe er die Polizei angerufen und anschließend die Stadtverwaltung informiert. Deren Mitarbeiter hätten ihm bestätigt, dass nur der besagte Poller beschädigt sei; an den anderen sei kein Schaden erkennbar gewesen.

"Der rechte Poller hakt"

Yassines Folgerung: Nur der rechte Poller habe beim Überfahren aus dem Boden geragt - "der rechte Poller hakt." Yassine will auch nicht hinnehmen, dass er zu lange gewartet habe und dass deshalb die Poller wieder hochgefahren sein könnten. "Erst wenn man rückwärts wegfährt, springen die Lichtzeichen erneut auf Rot." Dies habe er selbst ausgetestet. Der gerissene Stoßfänger an der Front des TT bedeute einen Versicherungsschaden von rund 1 400 Euro. Kein Riesenschaden, "aber ich sehe nicht ein, dass ich das über meine Vollkasko-Versicherung begleichen soll."

Yassines Anwalt, Sebastian Adam von der Kanzlei Riedel in Baden-Baden, bestätigt: "Die Stadt bestreitet, dass die Anlage defekt sei. Sie würde einwandfrei funktionieren. Sowohl außergerichtlich als auch im nun laufenden Prozess will die Stadt Gaggenau den Schaden am Fahrzeug meines Mandanten nicht ersetzen. Die Stadt ist nullkommanull bereit einzulenken" und fordere ihrerseits Yassine auf, ihr den Schaden an der Polleranlage zu begleichen. Nun treffen sich die beiden Parteien im Februar vor Gericht wieder.

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