Auf Drogenkauf im Darknet folgt juristische Quittung
Auf Drogenkauf im Darknet folgt juristische Quittung
16.08.2017 - 00:00 Uhr
Bühl (bgt) - Ein 26-jähriger Altenpfleger stand im Amtsgericht Bühl wegen unerlaubten Erwerbs von Betäubungsmitteln vor dem Richter. Gegen einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft hatte er Einspruch eingelegt. Zur Strategie seines Verteidigers Daniel Sprafke gehörte es, seinen Mandanten zur Sache keine Angaben machen zu lassen. Eine gängige Variante der Verteidigung in Fällen, in denen der Nachweis einer strafbaren Handlung so leicht nicht zu erbringen ist, ganz besonders, wenn es sich um Transaktionen im Internet handelt.

Laut Ausführung der Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte in den undurchdringlichen Gefilden des Darknets zwei Bestellungen von insgesamt etwa 30 Gramm Haschisch und zehn Tabletten Ecstasy getätigt und den Geldbetrag auf Bitcoin-Konten überwiesen haben. Die Anklage stützte sich dabei in der Hauptsache auf die Angaben eines Internetdealers, der wegen Handels mit Rauschgift bereits am Amtsgericht in Leipzig verurteilt worden war. Dessen detaillierte Angaben über seine Abnehmer hatten schließlich zum Angeklagten geführt.

Die Auswertung der Computerdaten des Händlers waren zwar teils verschlüsselt, doch für die Staatsanwaltschaft stand, wie sie in ihrem Plädoyer darlegte, außer Frage, dass die Bestellung der Drogen, sowie deren Vertrieb an den Angeklagten, als auch dessen Bezahlung stattgefunden habe. Auch habe man aufgrund seiner Kontoführung die entsprechenden Bitcoin-Überweisungen mit den georderten Rauschgiftmengen zeitlich in Bezug setzen können. Die Staatsanwaltschaft räumte ein, dass die bestellten Mengen der Drogen nur auf einen persönlichen Gebrauch schließen lasse. Auch hielt sie dem Angeklagten zugute, dass er bislang noch nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten war und er somit noch mit einer Geldstrafe davonkommen könne. Diese bezifferte man zunächst auf 110 Tagessätze à 40 Euro€.

Etwas verspätet machte der Anwalt daraufhin geltend, dass sein Mandant seit ein paar Ta-gen wegen eines Bandscheibenvorfalls Krankengeld beziehe, so dass die Staatsanwalt-schaft die Höhe des Tagessatzes auf 20 € Euro korrigierte.

Ohne große Einleitung forderte der Verteidiger Freispruch für den Angeklagten, der im Übrigen das gesamte Verfahren mit stoischer Miene verfolgte und nur hin und wieder ein paar Worte mit seinem Anwalt wechselte. Der tat in seinem Plädoyer zunächst verwundert, dass überhaupt ein Verfahren am Gericht eröffnet worden sei, da doch andere Amtsgerichte sich in vergleichbaren Fällen wegen mangelnder Aussicht auf Erfolg dazu nicht entschließen würden. Der Anwalt begründete seine Forderung nach Freispruch damit, dass im Grunde nichts bewiesen sei. Weder habe man die exakte Adresse seines Mandanten herausfinden, noch dessen Bitcom-Überweisungen zweifelsfrei ihm zuordnen können. Dennoch sei er überzeugt, wie er etwas resigniert bemerkte, dass das Gericht den Angeklagten verurteilen werde, und er stellte schon mal vorsorglich den Gang zum Berufungsgericht in Aussicht. Er hoffe dort auf eine, nach seiner Meinung, grundsätzlich differenziertere Sicht des Gerichts auf Fälle wie den vorliegenden.

Für Richter Hannes Schrägle ließen die konstatierten Abläufe im Internet keine andere Schlussfolgerung zu, als dort dem Beschuldigten den Erwerb des Rauchgifts zuzuordnen. Er verurteilte den Angeklagten entsprechend der Forderung der Staatsanwaltschaft zu 110 Tagessätzen, also 2200 Euro Geldstrafe.

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