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Finale mit napoleonischem Ausmaß
Die Bühne ist von 92 Musikanten nahezu vollständig ausgefüllt: Das Bezirksjugendorchester Yburg-Windeck beim Auftritt im Bürgerhaus. Foto: Ruschmann
07.11.2017 - 00:00 Uhr
Von Ingbert Ruschmann

Bühl - Wenn das Publikumsinteresse ein Parameter für den Stellenwert heimischer Blasmusik ist, darf sich der Bezirk Yburg-Windeck mit seinen 19 Vereine als beliebter Kulturträger fühlen. Beim Jahreskonzert mit dem Musikverein Vimbuch, den Original Burg-Windeck-Musikanten Ottersweier und dem Jugendorchester war das Bürgerhaus Neuer Markt nahezu voll besetzt. Alle drei Orchester punkteten beim Konzerthöhepunkt des Blasmusikbezirks mit einem ausgewogenen Programm klassischer und sinfonischer Blasmusik.

Eingeleitet von kräftigen Fanfarenstößen im hohen Blech beim Konzertmarsch "Salemonia" gaben Alfred Hess und seine Vimbucher Musiker zur Eröffnung eine klare Richtung vor: Kompakt auf die Zählzeiten konzentriert, tonvolumenreich in der Melodieführung und beschwingt im melodischen Teil glückte den Akteuren ein gelungener Einstieg. Waren den Interpretationsmöglichkeiten bei diesem akkurat durchkomponierten Marsch noch relativ enge Grenzen gesetzt, öffneten sich die gestalterischen Schleusen bei Willi Franzsens "Ratafia", insbesondere mit Blick auf mögliche Tempovariationen, ganz weit. Diesen Spielraum nutzten die Vimbucher weidlich aus. Herausgekommen ist eine abwechslungsreiche Vereinigung mittelalterlich angehauchter Tonfolgen mit ruhigen Holbläserpassagen, in denen Edgar Kistner am Saxofon mit gefühlvoll interpretierten Soli träumerisch intonierte. Nach der "Blues Brothers Revue" beendeten die Bläser aus dem Bühler Westen ihren Part mit der "Bodensee-Polka".

Als Beleg der guten Nachwuchsarbeit in den Mitgliedsvereinen wertete Bezirksvorsitzender Sven Wilhelm das erfolgreiche Abschneiden bei den gerade zu Ende gegangenen Prüfungen der Jungmusikerleistungsabzeichen in Gold. Fünf der 13 erfolgreichen Absolventen aus dem Verbandsgebiet stammen aus dem Bezirk Yburg-Windeck. Charmant und mit viel blasmusikalischem Sachverstand agierend, lenkte Marion Simeth danach die Aufmerksamkeit auf die Interpretationen der Burg Windeck Musikanten.

"Sonne geht auf" im Bürgerhaus

Wie Dirigentenkollege Hess hatte auch Friedl Seifert mit dem Konzertmarsch "Die Sonne geht auf" einen traditionellen Einstieg gewählt. Gleich im Anschluss gab es bei einem Medley mit beliebten Titeln wie "Happy Hearth", "Happy Music" oder "Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung" ein Wiederhören mit James Last und seinem unverwechselbaren Sound. Markante Klänge hingegen bestimmten das von Robert Longfield recht opulent arrangierte Finale der "Wilhelm-Tell-Ouvertüre".

Mit jugendlicher Frische, Heiterkeit und dem Stück "Another Ppening - Music for young People" gelang dem Jugendorchester des Blasmusikbezirks ein fulminanter Einstieg ins Bezirkskonzert. Die spritzige Komposition verzichtete auf besonderen Tiefgang, stattdessen bestimmten leichte, mit synkopierten Einwürfen durchsetze Tonfolgen das Geschehen auf der voll besetzten Bürgerhausbühne.

Eine ganz andere Klangwelt erlebten die Zuhörer bei "Southern Hymn", ein an typische Südstaatenmelodien erinnernder Satz von Samuel Hazo. Die 92 Musizierenden entlockten der Komposition einen besonderen Zauber durch einen gekonnten Spannungsaufbau und dessen Auflösung. Es war ein Stück zum Zurücklehnen und Genießen.

Ein feudales Klanggemälde schuf das Jugendorchester mit einer auf dem gleichnamigen Musical basierenden Suite "Im Schatten von Napoleon" von Bert Appermont. Die Kunst bestand darin, sechs eigenständige Sätze so elegant miteinander zu verknüpfen, dass die Übergänge zwischen den einzelnen Liedern nur von Kennern des 2014 uraufgeführten Musikschauspiels wahrnehmbar waren. Monika Gutmann hingegen gelang es, aus dem Orchester eine spielerische Leichtigkeit herauszukitzeln, die es eben braucht, damit die Aufführung eines 16 Minuten dauernden Werks nicht in Langatmigkeit und Langeweile endet. Einem beschwingten Beginn im Dreiviertel-Takt stand ein abrupter Wechsel mit bedrohlicher Kulisse und schrägen Akkorden gegenüber. Im weiteren Verlauf lebte das Stück von Rhythmusvariationen, zahlreichen solistischen Einlagen sowie einer beeindruckenden Klangfülle, die sich insbesondere im opulenten Finale kontrastreich entfaltete.

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