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Der schönste Spielplatz liegt auf der Gass
Vertraute Gasse: Günter Neidinger (Zweiter von links) mit Bürgermeister Jokerst, Stadtarchivar Michael Rumpf und Michael Kohler vom Verlag (von links). Foto: Fischer
23.11.2017 - 00:00 Uhr
Bühl (efi) - Ein Leben ohne Schreiben ist für Günter Neidinger kaum vorstellbar. Der pensionierte Rektor, 1943 in Bühl geboren und aufgewachsen, hat in den vergangenen drei Jahrzehnten weit mehr als 400 Bücher verfasst. Zu diesem reichen Fundus gehören auch Geschichten aus seiner Kindheit in der Zwetschgenstadt, die er in zwei Erzählbänden beschreibt. Mit dem jüngst erschienenen Buch "Auf der Gass", das der Autor jetzt im Stadtmuseum vorstellte, vollendet er die Trilogie, die aus der Perspektive eines Heranwachsenden einen Blick auf die Nachkriegszeit in Bühl wirft.

Bereits in seinen früheren Publikationen "Was kostet denn ein Zwanziger-Eis?" und "Bahn frei! Kartoffelbrei!" lässt der 74-Jährige die Leser an den Erlebnissen und Lausbubenstreichen seiner Kindheit und Jugend in den 1950er und 1960er Jahren teilhaben - "einfühlsam, mit viel Humor und Bezügen zur Regional- und Kulturgeschichte", wie Bürgermeister Wolfgang Jokerst anmerkt.

"Damals war der schönste Spielplatz auf der Straße - uf d' Gass", stellt Neidinger fest. Die Gass, das war das Sonnengässle, in dem die kinderreiche Familie seit 1948 in einer Zweizimmerwohnung lebte. Acht Jahre später hatten Zinkbadewanne und Plumpsklo in einem Bretterhäuschen im Hof ausgedient. Ein größeres Domizil in einem Sechsfamilienhaus in der Benderstraße bescherte nicht nur ein Badezimmer und eine richtige Toilette, sondern eine Menge Spielgefährten. "Allein in unserem Haus lebten 21 Kinder", erinnert sich Neidinger, der mit fünf Geschwistern aufwuchs.

Mit Anekdoten und amüsanten Erlebnisberichten hält er in seinem im Silberburg-Verlag erschienenen Buch die Erinnerung an die Spiele seiner Kinderjahre wach. "Es wäre schade, wenn sie verloren gehen", meint der neunfache Großvater. Zum Repertoire gehören etwa "Ochs am Berg", "Häschen in der Grube", "Der Fuchs geht um", Fangen, Verstecken sowie Hüpf- und Murmelspiele. Beliebt waren Reime und Abzählverse wie "Eins, zwei, drei, vier, Eckstein", "Hoppe, hoppe Reiter" oder "Hicke, hacke, Hühnerkacke".

"Ein Auto verirrte sich selten in unsere Wohngegend", erinnert sich Neidinger. "Es gab genügend Platz und wir konnten auf der Gass toben". Zwischen Sonnengässle und Hauptstraße, später in der Benderstraße, mussten Abenteuer und Mutproben bestanden werden, Streiche wurden ausgeheckt. Auch von ihnen berichtet der routinierte Geschichtenerzähler, der häufig auch in Schulen liest.

Ein eigenes Kapitel widmet er der "Kinderzeit im Jahresreigen", in denen er beschreibt, mit welchen - teilweise komischen - Erlebnissen er Fastnacht, Palmsonntag, Martinstag oder Weihnachten verbindet. Als weiteres Zeitzeugnis bereichern alte Schwarz-Weiß-Fotos den neuen Erzählband - sie stammen aus Privatbesitz und dem Stadtgeschichtlichen Institut.

Nach einigen Jahren in Lauf lebt der gebürtige Bühler heute wieder in Sulz am Neckar, wo er jahrzehntelang als Rektor eine Grundschule leitete. Seiner Heimatstadt stattet er öfter einen Besuch ab, manchmal nur, um ein Eis auf dem Johannesplatz zu genießen, erzählt er. Im Frühjahr, kündigt Stadtarchivar Michael Rumpf an, laden Stadtmuseum und Autor zu einer Lesung ein. Bei gutem Wetter bietet sich das Sonnengässle als besonders atmosphärische Kulisse an.

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