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Theaterstück über Boulevardjournalismus polarisiert
Ingolf Lück mimt den skrupellosen Boulevardjournalisten Marco. Nicht allen Zuschauern im Bürgerhaus Neuer Markt gefällt das Stück. Foto: Klöpfer
25.11.2017 - 00:00 Uhr
Von Ursula Klöpfer

Bühl - Ein Mann und ein Smartphone - als Hinterwand fungiert eine garagentorartige graue Lamellenwand - mehr nicht. Später kommt ein Stuhl hinzu. Sonst ist die Bühne praktisch nackt. Reicht das aus, um einen brillanten Theaterabend zu gestalten? Bei Schauspieler Ingolf Lück schon. Denn das Ein-Mann-Stück, von Christian Schäfer inszeniert, bietet Lück eine Paraderolle.

Da stimmt jede Geste, jeder Gesichtszug, jeder Tonfall. Er lacht sarkastisch, skrupellos und belehrt großtuerisch über die Mechanismen des Boulevardjournalismus. Selbst der Klingelton seines Smartphones zeigt sein großes Ego: "Don't stop me now" von Queen. Doch nicht jeder Besucher im Bürgerhaus Neuer Markt war von dem Theaterstück "Seite Eins" begeistert. Zugegeben, es ist schwierig und sehr vielschichtig aufgebaut. Doch jene, die sich darauf einlassen konnten, wurden mit einer grandiosen Leistung von Ingolf Lück belohnt.

Er taucht tief in seine Figur Marco ein - er spielt sie so gut, dass man dem schleimigen Boulevardjournalisten am liebsten den Hals umgedreht hätte. Lück beeindruckt mit vielen Tempowechseln, hochkonzentrierter Leistung, unglaublichem Redefluss und schafft es die Spannung bis zum Schluss zu halten. Schade nur, dass bis dahin rund ein Drittel der Zuschauer den Bühler Kulturtempel schon verlassen hat.

Schon zehn Minuten nach Beginn der Vorstellung herrschte eine ungewöhnliche Unruhe, die ersten Besucher verließen daraufhin den Bürgerhaussaal. Spielte der ununterbrochen telefonierende Lück die Rolle des Marco zu beklemmend? So fernab aller auf Lacher und Brüller setzenden Komik? Dabei macht der Schauspieler, beinahe 60 Jahre alt, immer noch eine gute Figur. Perfekt gibt er den überdrehten, gewitzten und hinterlistigen Boulevardjournalisten, der alles für seine nächste Schlagzeile tun würde. Viele kennen das Gesicht des Schauspielers, Showmasters, Regisseurs und Entertainers aus dem Fernsehen.

Autor Johannes Kram greift mit "Seite eins" ein aktuelles Thema auf: Die Möglichkeit, durch Massenmedien und Internet in kurzer Zeit berühmt zu werden - egal, was es kostet. Die Story ist schnell erzählt: Marco ist Boulevardjournalist mit Leib und Seele und damit ständig auf der Suche nach einer gut verkäuflichen Geschichte. Diese bietet sich mit Lea, einer jungen Sängerin, die gerade ihre erste CD herausgebracht hat. Marco verspricht ihr den großen Karrieresprung. Damit es für die "Seite Eins" reicht, bedarf es allerdings noch einiger möglichst brisanter Details aus ihrem Privatleben. Die Schlagzeile "Der Industrieerbe und das Partygirl" entpuppt sich als Zeitungsente. Marco scheinen die

Felle davonzuschwimmen, doch im letzten Moment reißt er mit einer miesen Erpressung das Ruder gerade noch mal herum.

Eindrucksvoll werden die Graubereiche der Boulevardmedien und ihre mögliche Wirkungen ausgeleuchtet. Es geht um Erpressungen, Korruption, Neid, Verzweiflung und jede Menge Niedertracht. Was Lück dabei in der Rolle des Marco in Bühl präsentiert, ist ganz großes Kino. So fällt auch der Applaus aus - Begeisterung pur mit stehenden Ovationen beim verbliebenen Publikum, das Lück gar nicht mehr gehen lassen will. Dieser ergreift am Ende des Abends noch das Wort, verwundert zwar, ein wenig irritiert vielleicht, aber dennoch charmant: "Ich sage ja normalerweise nie etwas am Ende einer Vorstellung. Aber schön, dass die Richtigen geblieben sind. Wir spielen dieses Stück in vielen großen Städten wie Berlin oder München. Zugegeben, es ist sehr modern. Aber so etwas wie heute habe ich noch nie erlebt."

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