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Eine Welt, in der Puppen lebendig werden
Bestens aufeinander eingespielt ist das Moskauer Ensemble auf der Bühler Bürgerhaus-Bühne. Foto: Klöpfer
27.12.2017 - 07:22 Uhr
Von Ursula Klöpfer

Bühl - Im Dunkel der Nacht werden Kinderträume wahr: Puppen und Zinnsoldaten erwachen zum Leben, und ein hölzerner Nussknacker verwandelt sich in einen galanten Prinzen, der Jung und Alt mitnimmt auf eine magische Reise in ein verzaubertes Land. Dieses Märchen ist ein Weltklassiker, der bereits seit zwei Jahrhunderten die Menschen verzaubert: der "Nussknacker".

Ob "Der Tanz der Zuckerfee" oder "Der Marsch der Zinnsoldaten" - die Stücke aus der Ballettadaption von Tschaikowsky sind Legende. Am Freitagabend zauberte das Klassische Russische Ballett aus Moskau mit dem "Nussknacker" schon vorab ein wenig Weihnachtsstimmung ins Bürgerhaus Neuer Markt und somit auch in die Herzen des Publikums, allen voran in das der kleinen Besucher. Denn nur in der Kindheit und vielleicht auch nur an Weihnachten sind Traum und Wirklichkeit so untrennbar miteinander verbunden.

Wunderbares Reich der Süßigkeiten

Die Geschichte, die auf einer Erzählung von E.T.A. Hoffmann beruht, kennt nahezu jeder: Im Mittelpunkt des Balletts steht die kindliche fantasievolle Clara, im russischen Original Mascha. Sie bekommt am Weihnachtsabend von ihrem Patenonkel Drosselmeier einen Nussknacker geschenkt. In der Nacht führt er das Mädchen im Traum in eine Märchenwelt. Nach einer Schlacht gegen den Mäusekönig und seine Armee verwandelt sich dieser in einen schönen Prinzen. Er lädt Clara ins wunderbare Reich der Süßigkeiten ein. Unterwegs geraten sie in einen Schneesturm (Tanz der Schneeflocken). Dabei geht es über den Tannenwald zum Schloss Zuckerburg, wo die dort residierende Zuckerfee zu Ehren ihrer Gäste ein Fest veranstaltet. Clara schläft ein, der Palast verschwindet. Zuletzt erwacht Clara unterm Weihnachtsbaum.

Das Spätwerk von Tschaikowsky ist eine Hymne an die romantische Liebe. So bestechen auch das Bühnenbild und die Kostüme des Ballettensembles mit einer unglaublichen Farbenpracht: Die Herren stolzieren in weißen Perücken und engen Beinkleidern, die Damen tragen elegante Abendrobe. Dann wiederum hüpfen kleine Chinesen über die Bühne, oder die Zuckerfee verzaubert in einem atemberaubenden Kleid, während der "Traum" in einem Gewand aus Mond und Sternen sprunggewaltig über die Bühne stobt.

In einem herrlichen Farbenspiel präsentierte so das Moskauer Ballett den spanischen, den arabischen und chinesischen Tanz, der nicht nur viele Lacher, sondern auch spontanen Szenenapplaus erntete. Vor allem die Solisten zeigten eine schwebende Leichtigkeit, gepaart mit ausgefallener Spiel- und Tanzfreude und dargebotener Grazie. Allen voran überzeugte Hassan Usmanov als herausragender Charakter-Tänzer. Aber auch Olga Grigorieva, die als Clara auch den Part der Zuckerfee übernahm und im Danse de la Fée Dragée, dem Tanz der Zuckerfee, das Publikum geradezu verzauberte. Zusammen mit Alexander Butrimovich als Nussknacker-Prinz zeigte sie elegante Pas de deux mit wunderschönen Hebeelementen.

Natürlich war der Valse des fleurs, der Blumenwalzer, einer der absoluten Höhepunkte des Ballettabends. Das gesamte Ensemble, also alle 20 Tänzer und Tänzerinnen, schwebten mit Anmut und einer Leichtigkeit über die Bühne. Ein wunderbares Bild und eine echte Herausforderung, bei dem geringen Platzangebot der Spielfläche.

Trotz allem Prunk und tanztechnisch brillant angelegter Bewegungsabläufe gab es auch einige Schwachstellen. So war es ein Rätsel, weshalb die Bühne in manchen Einzelszenen in Dunkelheit gehüllt wurde, dafür aber die ersten zwei Zuschauerreihen in Licht getaucht waren.

Als Folge davon waren die Tänzer von den hinteren Rängen aus eher zu erahnen als zu erkennen. Auch die Ansagestimme aus dem Off wäre als Moderation schöner und persönlicher gewesen. Ein paar mehr Zuschauer hätten der Aufführung ebenfalls sehr gut getan.

Oder lag es am Preis (Kinder bis vier Jahre waren allerdings frei) oder vielleicht an der Tatsache, dass derzeit im Festspielhaus Baden-Baden der "Nussknacker" vom weltberühmten Mariinsky-Ballett aus Sankt Petersburg, das neben dem Moskauer Bolschoi-Ballett als das bedeutendste Ensemble Russlands gilt, zeitgleich gastierte?

Ein schöner Traum, der verzaubert

Wie auch immer: Beifall erhielt das Klassische Russische Ballett aus Moskau im Bühler Kulturtempel jede Menge. Von einem Publikum, das sich so kurz vor den Festtagen gerne ein wenig verzaubern ließ und von einer Welt, in der Puppen lebendig werden und in der die Prinzessin ihren Prinzen im Zuckerreich heiratet. Es war zwar letztlich nur ein Traum, aber es war ein wunderschöner.

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