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Sprach- und Laut-Maler mit kreativer Vollmeise
Absolut einzigartig: Volker Heymann setzt im Hoftheater die Sprache auch perkussiv ein.  Foto: Müller
12.02.2018 - 00:00 Uhr
Lichtenau (mmü) - Vögel haben beim Balzen definitiv weniger Probleme als Männer. Das war eine der Erkenntnisse der Kabarett-Abende mit Volker Heymann am Wochenende im Hoftheater Scherzheim.

Viele Kabarettisten sind Quereinsteiger. Heymann macht da keine Ausnahme. Der 58-Jährige hat ursprünglich Biologie studiert, doch schon kurz nach seinem Diplom wechselte er ins Theaterfach. Er absolvierte ein Schauspielstudium in New York und arbeitete an mehreren deutschen Bühnen, unter anderem am Nationaltheater Mannheim. Er war Dialogautor für die Telenovela "Verliebt in Berlin", er hat mehrere preisgekrönte Kurzfilme gemacht, gründete das Kabarett-Trio "Mannheimer Kulturknall" und verfasste Texte für Comedian Bülent Ceylan oder für die ARD-Sendung "Sketch Up".

Doch es ist immer noch sein Ursprungs-Studium, das ihm die Inspirationen für seine Kabarettprogramme liefert. Für sein Solo-Programm "Der Hahn dreht auf", mit dem er sich jetzt im Scherzheimer Hoftheater vorstellte, schlüpft er in die Rolle des Vogelkundlers Wilhelm Scherbeck: "Es kann sein, dass die Leidenschaft mit mir durchgeht - wenn ja, dann müssen Sie mich drosseln." Seine Frau Bernadette hat sich von ihm getrennt und jetzt einen Liebhaber - "so einen Ober-Kranich von der Lufthansa".

Das ist die Ausgangssituation, und in den folgenden rund zwei Stunden sinniert er darüber, wie das schieflaufen konnte, lässt einige Episoden der gemeinsamen Zeit Revue passieren und streift noch manchen Aspekt des alltäglichen Wahnsinns.

Und dafür hat er sein ganz eigenes Format gefunden. Denn er ist nicht nur am Spiel mit der Sprache interessiert - er setzt Sprache auch geradezu perkussiv ein: Er spricht die Textzeilen auch in einem Stakkato-Rhythmus und überbetont bestimmte Laute.

Kostprobe: "Der Tatort jetzt am Muttertag war wacker ausgeheckt. Da war Bernadette maximal beglückt. Unter dem Aspekt dramaturgisch nahezu perfekt, hab ich auch geguckt, doch ich hab entdeckt, dass mein Intellekt schon bei der Tätersuche stockt. Stockt! Das ist vielleicht beknackt. Den Bernadette bockt total, wenn Sonntag nach der Tagesschau nicht irgendwer verreckt." Das liest sich vielleicht ziemlich beknackt, aber man muss es hören, um zu merken, wie viel Lust am Umgang mit Worten und Sprache sich da Bahn bricht.

Verstärkt wird das Ganze, wenn Heymann den Loop einsetzt - ein Gerät, mit dem man sozusagen mit sich selbst im Kanon singen kann. Damit lassen sich kurze Wort- oder Geräusch-Sequenzen aufnehmen und diese dann als Endlos-Rhythmusschleife abspielen, um darüber noch einen weiteren Text zu sprechen. Da wird Sprache zur reinen, virtuos eingesetzten Lautmalerei.

Und daraus entwickelt er, mal gesungen, mal gesprochen, mal gerappt oder mit der Querflöte, seine Gedanken - über blödsinniges männliches Balzverhalten bei einer Ü30-Party etwa, den Streit ums Einräumen der Spülmaschine oder über die Beschwerden, die das Alter so mit sich bringt: "Wenn ich im Bett meine Frau liebkose, Abbruch wegen Hüftarthrose." Oder er überlegt sich, warum Menschen nicht sind wie Störche oder Graugänse, die ein Leben lang zusammenbleiben, oder was die ständig zwitschernden Wellensittiche im Käfig sich wohl so den ganzen Tag zu sagen haben: "Twittern in Urform." Das ist anfangs vielleicht ein bisschen gewöhnungsbedürftig, aber wirklich genial und absolut einzigartig.

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