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Schwäbischer Dorfschulze "konfitürt" zum Islam
Albin Braig und Karlheinz Hartmann brillieren in ihren Paraderollen als Hannes und der Bürgermeister. Foto: Klöpfer
11.04.2018 - 00:00 Uhr
Von Ursula Klöpfer

Bühl - Ruft der cholerische Bürgermeister lautstark nach dem Hannes, kommt nicht nur der schlitzäugige Amtsbote herbeigerannt. Im Gegenteil, wenn "Hannes und der Bürgermeister" wieder einmal in Bühl Station machen, ist das Bürgerhaus Neuer Markt an zwei Abenden proppenvoll. Hat man Albin Braig und Karlheinz Hartmann einmal live auf der Bühne erlebt, weiß man, woher ihr Kultstatus rührt und warum ihre Auftritte schon Monate im Voraus ausverkauft sind.

In der wohl beliebtesten Amtsstube des "Schwobe-Ländles" lassen sich die großen und kleinen Probleme des Lebens nämlich noch mit einem "Schnäpsle" beheben. Ein Ritual, das zum Programm gehört, ebenso wie "Herrn Stumpfes Zieh & Zupfkapelle". In der beschaulichen Amtsstube steht das vertraute Mobiliar der 60er Jahre, der Bürgermeister thront wieder behäbig hinterm Schreibtisch. "Oh, oh, oh Gisela, du mei Erdbeergselzhäfele, ich bin im siebten Himmel", träumt das Stadtoberhaupt lautstark von seiner Jugendliebe. Einen Sketch später wird das Thema Religion auf die Schippe genommen. Hannes fürchtet nämlich, sein kopftuchtragender Rathauschef sei zum Islam "konfitürt" (konvertiert), um "sich 72 Jungfrauen unter den Nagel zu reißen!" Dabei leidet der Dorfschulze nur unter unerträglichen Zahnschmerzen.

Sofort ist man drin im alltäglichen Wahnsinn des plump vertraulichen Amtsboten und seines stets gereizten, polternden Chefs. "Der Ritter Kunifritz ist mir erschienen und hat gesagt, ich soll zu Ihnen gangen gehen", berichtet der Hannes. Schon sein Gesichtsausdruck reicht, um das Publikum zum Lachen zu bringen. Die Ähnlichkeit zum Bürgermeister sei unverkennbar, so der Hannes. Dieser zeigt sich allerdings angesichts der 800 Jahre alten Verwandtschaft gar nicht so begeistert. Dies ändert sich allerdings schlagartig, als sich herausstellt, dass der Recke Kunifritz einst ein wahrer Lebensretter war. "Hannes, i han's scho ämmer gwusschd, i schdamm vo einem Helda ab", strahlt der Dorfschulze.

Was wirklich beeindruckt, sind die schauspielerischen Leistungen von Albin Braig und Karlheinz Hartmann, der in seiner Paraderolle als Bürgermeister glänzt. Mit Leidenschaft brüllt, zetert und donnert er gegen alles und jeden, vor allem aber gegen die verhasste Nachbargemeinde Schriedingen. Dabei steigert er sich so gekonnt in die Rolle hinein, dass man wirklich die Möglichkeit in Betracht zieht, dass der cholerische Amtmann gleich einer Herzattacke erliegt. Für einen Griff in die rechte untere Ecke des Schreibtischs gibt es daher immer einen "vernünftigen Grund", denn ein Schnäpsle hilft (fast) gegen alles. "Weil es die Umstände erfordern und Durst ein Grundrecht ist", sinniert Hannes und kippt gleich noch einen Schnaps hinterher.

In den fünf Sketchen aus dem aktuellen Programm "Des gibt's bloß bei ons" verblüfft der naseweise Hannes seinen Dienstherrn immer aufs Neue. Lösungen hat er immer parat. Egal, ob es um eine Erkältung geht oder um den Besuch eines Kindergartens. Ganz jugendfrei sind die Sketche allerdings nicht immer. So sorgt unter anderem auch die gemischte Sauna für Diskussion. Der Amtsbote verschmitzt: "Gemischt saunieren ist ja darum so lustig, weil beim Lachen bei jedem was anderes hüpft". Als absoluter Gewinn erwies sich wie immer die Musik von "Herrn Stumpfes Zieh & Zupfkapelle" mit einem Sammelsurium an Instrumenten und einem Mix aus rockigen Hymnen und gemütlichen Heimatklängen.

Schade nur, dass das Programm sich schon um 22 Uhr dem Ende neigte und einer der fünf gespielten Sketche vor zwei Jahren schon zur Aufführung kam. Zugegeben, eine Zugabe gab es noch obenauf. Ebenso das Final-Lied "So ist unsere Welt", von Musikern und Schauspielern gemeinsam geschmettert. Dennoch - um 22.10 Uhr senkte sich endgültig der Vorhang. An diesem Abend hätte ein wenig mehr in keinem Fall geschadet.

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