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Fliegen darf nur der Brachvogel
Bilder wie diese wird es 2018 nicht geben: Das Flugfest des Modellflugsportvereins Bühl-Moos ist abgesagt. Foto: Feuerer/av
28.04.2018 - 00:00 Uhr
Von Joachim Eiermann

Bühl - Mit zwei Flugtagen und mehr als 100 Gastpiloten wollte der Modellflugsportverein Bühl-Moos am ersten Juni-Wochenende sein 40-jähriges Bestehen feiern. Doch der Vorstand hat das Fest diese Woche nach einer Krisensitzung abgeblasen. Der Luftraum über dem Vereinsgelände ist quasi gesperrt, nachdem das Regierungspräsidium ein östlich angrenzendes Wiesengelände für Motorflieger kurzfristig zur vorläufigen Tabuzone erklärte.

Anlass zu dieser drastischen Maßnahme gibt der Artenschutz. "In nur 150 Meter Nähe zur Start- und Landebahn hat sich ein Paar des Großen Brachvogels zur Brut niedergelassen", berichtet Sebastian Olschewski vom Referat Naturschutz und Landschaftspflege der Karlsruher Behörde auf BT-Anfrage. Die selten gewordene, vom Aussterben bedrohte Vogelart ist gesetzlich geschützt. Bei Modellflugbetrieb drohe, dass die Eltern fluchtartig ihr Nest verlassen und keine Brut zustande komme. Olschewski: "Modellflieger werden als Feinde wie Greifvögel wahrgenommen."

Die Modellbaufreunde haben das Nachsehen. Roy Puchtinger, zweiter Vorsitzender, betrachtet die Einschränkungen durch die Behörden als nicht verhältnismäßig und seien außerdem "viel zu spät" kommuniziert worden. Mit dem "Verbot der 40-Jahr-Feier" werde dem Verein nicht nur ein Imageschaden zugefügt, finanziell drohe zudem ein Verlust im vierstelligen Bereich. Befürchtet werden auch negative Auswirkungen auf die Jugendarbeit. Flugverbote gefährdeten letztlich das Fortbestehen des Vereins.

Trotz des Ärgers ist Puchtinger der Große Brachvogel aber nicht piepegal. "Die Bereitschaft zum Natur- und Artenschutz ist von unserer Seite jederzeit gegeben", versichert er. Die Kritik des Vereins richte sich gegen die Vorgehensweise des Präsidiums, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Am 12. April sei urplötzlich um den Tabubereich ein Zaun errichtet und der Vorsitzende über die Flugverbotszone unterrichtet worden.

Eine Behördenvertreterin ließ auch gleich eine Info-Tafel für die "lieben Vereinsmitglieder" aufstellen mit der Bitte, "alle Bereiche östlich der Start- und Landebahn nicht zu überfliegen". Diese Regelung sei mit dem Vorsitzenden Wolfgang Schmidt "einvernehmlich beschlossen", steht zu lesen - eine Formulierung, die in den Ohren der Vereinsmitglieder wie Hohn klingt. Man sei überhaupt nicht einbezogen worden, reklamiert Puchtinger. Von Einvernehmlichkeit könne keine Rede sein. Dabei hätte eine Einigung durchaus erzielt werden können, wenn der Verein rechtzeitig informiert worden wäre.

Dann hätte man das Fest nach der Brutzeit planen können, sagt Puchtinger. Im Übrigen niste der Große Brachvogel bereits seit mehreren Jahren in der Nähe des Modellflugplatzes - trotz uneingeschränkten Flugbetriebs.

"In diesem Jahr haben wir eine besondere Situation", wendet Olschewski, Artenschutz-Spezialist des Regierungspräsidiums, ein. Seien in beiden Vorjahren die Nester noch zwischen 400 und 600 Meter entfernt gelegen, kämen sie jetzt mit nur 150 Metern dem Flugbetrieb "deutlich näher". Das Brutpaar wäre somit "einer viel größeren Gefährdung durch Störungen ausgesetzt".

Als der vom Präsidium beauftragte Biologe, der mit dem Artenschutzprogramm befasst ist, das Brachvogel-Gelege in der Wiese festgestellt und gemeldet habe, sei unmittelbar danach mit den Vereinsverantwortlichen Kontakt aufgenommen worden. Dass der Vogel an dieser Stelle nisten werde, "konnte niemand absehen".

Die Naturschutzverwaltung schlug vor, das Fest in der Zeit nach der Brut abzuhalten, die im Juli endet. Der Verein sieht sich dazu aus organisatorischen Gründen jedoch außerstande, wie Puchtinger schildert. Den nunmehr entstandenen Unmut, sagt Olschewski, könne er nachvollziehen: "Das ist unglücklich gelaufen."

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