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Angeklagter muss 13 Jahre in Haft
Angeklagter muss 13 Jahre in Haft
28.06.2018 - 00:00 Uhr
Von Holger Siebnich

Rheinmünster/Baden-Baden - Er wird das Gefängnis erst wieder als alter Mann verlassen, trotzdem nimmt der Angeklagte das Urteil vollkommen regungslos hin: Der 59-Jährige, der im vergangenen September in Söllingen seinen Stiefsohn erstach und seine Ehefrau schwer verletzte, muss 13 Jahre lang in Haft. Das Schwurgericht unter dem Vorsitzenden Richter Wolfgang Fischer sprach ihn gestern wegen Mordes und versuchten Mordes schuldig.

Das Urteil liegt damit knapp unter der Forderung von Oberstaatsanwalt Michael Leber, der für 14 Jahre Freiheitsstrafe plädiert hatte. Verteidigerin Katrin Behringer hatte maximal neun Jahre wegen Totschlags gefordert.

Das Gericht lässt in seiner Begründung allerdings keinen Zweifel daran, dass es das Mordmerkmal der Heimtücke als erfüllt ansieht. Wie berichtet, griff der Angeklagte seinen Stiefsohn mit einem 19 Zentimeter langen Messer von hinten an, als dieser in seiner Wohnung mit Bodenarbeiten beschäftigt war. "Er hat erkannt, dass ihm das Opfer den Rücken zuwendet. Das hat er bewusst ausgenutzt", lautet die Bewertung der Kammer. Der Täter habe mit Tötungsvorsatz gehandelt. Die Klinge traf Herz und Lunge des 36-Jährigen, der innerhalb weniger Minuten verblutete. Auch der anschließende Angriff auf die Ehefrau in der darüberliegenden Wohnung sei heimtückisch erfolgt. Die 61-Jährige sei vollkommen arg- und wehrlos gewesen, als ihr Mann mit dem Messer zweimal auf sie einstach und dabei schwer verletzte. "Sie befand sich in konkreter Lebensgefahr", führt Fischer den Beteiligten noch einmal vor Augen. Bis heute sitzt die Frau im Rollstuhl.

Die dramatischen Konsequenzen für alle Beteiligten erscheinen umso bitterer, weil sie ihre Ursprünge offenbar in weitreichenden Missverständnissen haben. So fühlte sich der Täter nach der Umsiedlung der Familie von Kasachstan nach Deutschland Ende der 90er Jahre von Arbeitskollegen gehänselt. Aufgrund von Sprachproblemen unterstellte er ihnen, ihn als homosexuell darzustellen. "Das war für ihn eine enorme Belastung, vor allem vor seinem religiösen Hintergrund als Mitglied einer evangelikalen Freikirche mit strengen Wertvorstellungen", erläutert Fischer.

Schuldfähigkeit erheblich vermindert

Die Probleme verstärkten sich massiv, als der Angeklagte davon gehört haben wollte, dass gefälschte Fotos von ihm im Internet kursierten, die ihn als Homosexuellen zeigen sollten. Jahrelang bezichtigte er den Stiefsohn, die Aufnahmen ins Netz gestellt zu haben. Aber: "Die Ermittlungen haben keinerlei Anhaltspunkte dafür erbracht, dass solche Bilder existieren", stellt Fischer noch einmal klar.

Dass sich der 59-Jährige trotzdem dermaßen in diesen Gedanken hineinsteigerte und am Ende seinen Stiefsohn und seine Ehefrau auf brutale Art dafür bestrafte, ist aus Sicht des Gerichts am plausibelsten mit einer Krankheit zu erklären. Die Kammer schloss sich der Meinung des Sachverständigen Stefan Müller, Direktor der Klinik für forensische Psychiatrie und Psychotherapie Emmendingen, an, wonach der Täter wahrscheinlich unter einer wahnhaften Störung leide. Diese Annahme kommt ihm beim Strafmaß zugute. Anstatt als Mörder lebenslang hinter Gitter zu müssen, belässt es das Gericht aufgrund der "erheblich verminderten Schuldfähigkeit" bei 13 Jahren Haft.

Als negativ werten die drei Berufs- und zwei Schöffenrichter allerdings, dass der Angeklagte vor der Tat in der Garage noch das Messer schleifte. Die Erklärung, er habe damit im Haus Teppichreste zerkleinern wollen, hält die Kammer für eine reine Schutzbehauptung. Die anderen Familienmitglieder hatten im Zeugenstand ausgesagt, dass er sich nicht an der Hausarbeit beteiligt und stets passiv verhalten habe. In dieser Haltung verharrte er auch an allen vier Verhandlungstagen - bis zum Schluss.

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