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Ausverkaufte Johannesplatz-Arena im Tal der Tränen
28.06.2018 - 00:00 Uhr
Bühl (sie) - In der 96. Spielminute jubelt der Johannesplatz schließlich doch noch. Allerdings für die falsche Mannschaft. Heung-Min Son schießt für Südkorea das 2:0 und schickt Jogis Jungs nach Hause. Die Anhänger in der Zwetschgenstadt haben in ihrem Frust nur ironischen Applaus für die deutsche Mannschaft übrig. Jörg Fitze legt den passenden Song für die historische Blamage auf. Der Wirt des "Café Q" beschallt die Menge mit dem Volkslied "Nun ade, Du mein lieb Heimatland". Nach dem kroosartigen Spiel gegen die Schweden wandeln die Bühler Fans durch das kroose Tal der Tränen .

Dabei ist die Stimmung vor dem Anpfiff noch prächtig. Die Johannesplatz-Arena ist restlos ausverkauft. Zwei Jungs, die drei Minuten nach dem Anpfiff eintrudeln, nölen vor den überfüllten Kneipen und Cafés rum: "So ein Krampf, hier findet man ja keinen Platz."

Aber diejenigen, die einen Stuhl ergattert haben, werden an diesem Nachmittag auch nicht glücklich. Volker Störk und Wolfgang Eckerle waren mit ihrer Stammtischgruppe schon um 15 Uhr vor Ort und haben sich im "Platzhirsch" einen Premiumtisch direkt vor einem der fünf Riesenfernseher gesichert. Teilweise haben die Männer Urlaub, aber Störk durfte fürs Gruppen-Entscheidungsspiel früher Feierabend machen. Er zeigt in die Menge: "Der Chef sitzt irgendwo dahinten", sagt er und lacht. Am Ende der ersten Halbzeit ist die Stimmung unter den Jungs immer noch vorsichtig optimistisch. "Es kann nur besser werden", meint einer der Truppe. Aber auf die Frage, ob die Deutschen es noch schaffen, herrscht Einigkeit am Tisch: "Aber klar doch!"

Auch Ordnungsamtschef Andreas Bohnert glaubt zur Pause noch an den Einzug in die KO-Runde: "Bei soviel Dusel, wie wir immer haben", meint er und lacht. Auch ansonsten herrscht auf dem Johannesplatz noch selbstbewusste Ruhe. Während Timo Werner und Marco Reus wenig Torgefahr ausstrahlen, schießen die Bühler Fans fröhlich Selfies.

In der zweiten Hälfte kippt die Stimmung allerdings langsam. Schweden geht gegen Mexiko in Führung, Deutschland braucht auf einmal mindestens ein Tor zum Weiterkommen. Plötzlich bricht Jubel im "Platzhirsch" aus. Aber Fehlalarm: Eine Servicekraft hat nur die ersehnte Bierrunde an einen der Tische gebracht.

Schweden erhöht auf 2:0, und das Herz der Bühler Innenstadt hört trotz hunderter Besucher langsam auf zu schlagen. Sekunden später toben die Fans aber schon wieder. Mats Hummels erwischt den Ball vier Minuten vor Ende der offiziellen Spielzeit unglücklich mit der Schulter. Die Fans, die ihre Arme schon zum Jubel nach oben gerissen haben, verharren in Schockstarre.

Dass der vierte Schiri in dem vergleichsweise ereignislosen Spiel eine Nachspielzeit von sechs Minuten anzeigt, stößt auch auf dem Johannesplatz auf Unverständnis, aber die Fans ergreifen den Strohalm gern. Doch in der Verlängerung zeigt nicht Toni Kroos jene Männlichkeit, die er nach dem Schwedenspiel für sich selbst beansprucht hat, stattdessen punkten Yount-Gwon Kim und final auch noch Heung-Min Son. Die Stammtischgruppe um Störk und Eckerle ist restlos bedient. Einer ihrer Kumpels, der nicht dabei sein kann, schickt eine SMS: "Löw und alle anderen zurücktreten!" Fitze dreht nebenan im "Q" die Anlage auf: "Lieb Heimatland ade!"

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