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Digital vernetztes Zusammenspiel
Mit Dashboard und Notebook: Lena Wagner und Marcel Doll zeigen, wie Bosch die Fertigungsprozesse vernetzt. Foto: Eiermann
30.06.2018 - 00:00 Uhr
Von Joachim Eiermann

Bühl - Industrie 4.0, die digitale Revolution in den Werkshallen, hat bei Bosch ein Gesicht: Lena Wagner ist Projektleiterin dieses Bereichs und arbeitet an der Entwicklung und Fertigungsplanung neuer Produkte mit. Sie leitet ein interdisziplinäres Team, bestehend aus Vertretern technischer Funktionen, der IT, Logistik und Fertigung, um die Potenziale für eine vernetzte Produktion zu erschließen.

Großbildschirme und (mobile) Rechner verdrängen die papierenen Protokolle und Aufzeichnungen von Routine- und Qualitätskontrollen, die über Jahrzehnte Usus waren. "Virtuelle Teamboards dienen dazu, dass das Team stets einen Überblick über anstehende Aufgaben hat", erläutert Lena Wagner im Bosch-Werk "Bühl 9" in jenem Bereich, wo Motoren für die Motorkühlung von Fahrzeugen vom Band laufen.

Im Zentrum des vernetzten, ganzheitlichen Zusammenspiels steht das Dashboard - ein großer Bildschirm mit einer Reihe von Apps, mit denen sich fortlaufend verschiedene Spezifikationen der Produktion abrufen lassen. Neuartig ist auch das Service- und Supportkonzept für das digitale Schwarze Brett. "Bühl spielt dabei eine Vorreiterrolle", berichtet die Projektleiterin.

Selbst Alltagsdinge werden vernetzt abgewickelt. Beispiel: In dem heutzutage hochsensiblen Fertigungsprozess verbietet es sich, dass die Mitarbeiter bei Schichtbeginn eine elektrostatische Aufladung durch Schuhe oder Bekleidung ans Band "mitbringen". Mit einem Tool, das ins Dashboard integriert ist, unterzieht sich jeder Mitarbeiter einem Selbsttest; zu seiner Identifikation dient der Betriebsausweis. Das Ergebnis wird papierlos registriert.

Bis zu 40 Seiten Papier pro Schicht fielen einst bei der Dokumentation der Qualitätskontrollen in seinem Fertigungsbereich an, berichtet Prozessbetreuer Marcel Doll. Auch das ist Vergangenheit. Von Zeit zu Zeit kontrolliert er in Stichproben die Abstände der Magnete von Motorkomponenten. Auch diese serienbegleitenden Messungen in einer Fertigungslinie werden nunmehr digital erfasst. Ist wieder Zeit für eine Überprüfung, gibt das System Nachricht.

Lena Wagner sieht durch Industrie 4.0 nur Vorteile: "Die Visualisierung von Qualitätskosten spiegelt unseren Umgang mit Fehlern wider. Die Mitarbeiter werden so sensibilisiert." Eine voll vernetzte Fertigung sorge für höchste Flexibilität, Transparenz und "eine zukunftsfähige Interaktion von Menschen, Maschinen und Prozessen", wie sie sagt.

Die Handarbeit am Band übernehmen vielfach einarmige Roboter. Im "Werk 9", das gegenüber dem Hauptwerk auf der anderen Seite der K3749 (Straße nach Oberweier) in Nachbarschaft zum Ausbildungszentrum der Bauwirtschaft liegt, kann die Bosch mit einer außergewöhnlichen Innovation aufwarten. Hier arbeiten zwei Roboter sozusagen "Hand in Hand". Der technische Werksleiter Gregoire Jedrzychowski erklärt: "Davon gibt es nur ganz wenige in Deutschland." In hiesigen Breiten sei diese Roboter-Kooperation gar einzigartig.

Die zunehmende Komplexität in der Fertigung verlangt Spezialisten. Bosch arbeitet deshalb eng mit der Hochschule Karlsruhe für Technik und Wissenschaft zusammen. Ulrich Vogel, der kaufmännische Werksleiter, erläutert, dass sechs der derzeit 140 Auszubildenden ein "Kooperatives Studium Maschinenbau und Mechatronik" absolvieren. Vorteil laut Vogel: Mit dieser Bildungsmaßnahme können die jungen Leute eine Ausbildung mit Facharbeiterbrief zum Industriemechaniker und ein Hochschulstudium mit dem Abschluss "Bachelor of Engineering" parallel absolvieren. In diesem Jahr werde ein neuer kooperativer Studiengang in Elektrotechnik starten.

Im eigenen Ausbildungszentrum in Bühl, Leitzentrum für alle Werke des Geschäftsbereichs Electrical Drive weltweit, bildet Bosch Schulabgänger zum Industriemechaniker, Elektroniker und Mechatroniker aus. Der letzte Ausbildungsjahrgang, 34 Personen, sei komplett und unbefristet übernommen worden, so Vogel. Erfolgreich sei die Weiterqualifizierung von 18 Schichtarbeitern zu Facharbeitern in einem Programm verlaufen, das die Arbeitsagentur unterstützt habe. "Anfang 2019 wird eine Neuauflage geprüft."

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