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Auch dank der Musik den richtigen Weg gefunden
Ein schwerer Gang war für die damals 13-jährige Irina Späth-Schmatenko der Umzug von Kasachstan nach Deutschland. Heute ist sie eine gefragte Sängerin. Foto: pr
30.06.2018 - 00:00 Uhr
Von Nicole Rendler

Bühl/Achern - Zur Fußballweltmeisterschaft in Russland blicken die Deutschen auf ein großes Sportereignis in einem fernen Staat. Einige von ihnen verbinden mit diesem Land jedoch Erinnerungen an eine frühere Heimat. Dazu zählt Irina Späth-Schmatenko, die 1993 mit ihrer Familie aus Kasachstan nach Achern kam. Heute arbeitet sie unter anderem an der Musikschule Bühl.

"Wenn ich jetzt zurückdenke, war das die schwierigste Zeit in meinem Leben", sagt Späth-Schmatenko über die Umsiedlung der Familie von Kasachstan nach Deutschland. Sie war damals 13 Jahre alt. Heute sitzt an dem Tisch im Illenau-Bistro eine hübsche, blonde, modisch gekleidete Frau, die ihren Lebensweg mit Erfolg geht.

Geboren wurde die Achernerin in dem kleinen Ort Leninskoje in Kasachstan, aus dem sie mit Eltern, Bruder, Oma, Opa und Onkel 1993 nach Deutschland aufbrach. Nach der Landung in Frankfurt kam die Familie in ein Zwischenlager nach Rastatt und sollte erst weiter nach Osnabrück zugewiesen werden. Der Wunsch der Familie, im Badischen bleiben zu können, erfüllte sich durch das große Basketballtalent des damals 18-jährigen Bruders. Dies hatte ein Trainer aus Willstätt erkannt und so war bald eine Wohnung in dem Ort gefunden. Für Irina Späth-Schmatenko folgte der nicht einfache Schulbesuch: "Es war eine schreckliche Zeit, sich nicht verständigen zu können." Zugute kam ihr dabei ihr großer Ehrgeiz, den sie bereits in Kasachstan gezeigt hatte: "Ich war eine Einser-Schülerin, Klassen- und Schulsprecherin. Ehrgeiz hat uns sehr geholfen, wir waren im Lernen auch schneller als die Eltern."

Um voranzukommen, begann Späth-Schmatenko, Texte auswendig zu lernen. Sie schrieb Zweier und Einser "einfach durch Fleiß, das haben andere nicht verstanden", und sie sei auch "schon eingeschüchtert worden. Das Wort ,Schlägerei' höre ich immer noch im Ohr." In besonders traurigen Stunden machte sie den Eltern den Vorwurf: "Warum habt Ihr uns das angetan? Doch dann kam die dankbare Phase, denn in Deutschland haben wir doch eine deutlich bessere Zukunft als in Kasachstan." Freundschaften mit deutschen Jugendlichen schloss sie erst Jahre später. In Kehl legte sie die Mittlere Reife ab, es folgte die zweijährige Berufsfachschule.

Mit 21 Jahren bewarb sie sich als Verwaltungsfachangestellte bei der Stadt Achern und bekam auf Anhieb eine Zusage. Seither hat sie "tolle Kollegen und nie irgendwelche Vorurteile gespürt". Vielmehr konnte und kann sie ihre Kenntnisse gut einbringen, wie etwa einst als Mitarbeiterin im Kulturat bei Joachim Lemme, wenn es darum ging, russische Künstler zu betreuen. Heute ist sie zudem in der Ausländerbehörde oder im Rentenbereich gern gesehen, da sie dort bei Sprachschwierigkeiten weiterhelfen kann.

Späth-Schmatenko kehrte nie mehr nach Kasachstan zurück, nur der Vater besuchte dort immer mal wieder Verwandte. Dennoch bleiben die ersten Lebensjahre dort für sie prägend, denn ihr Vater hatte ein Schallplattengeschäft, "und die einzige Unterhaltung für uns war es zu singen". Heute ist sie eine gefragte Sängerin, die schon Auftritte mit Patrick Lindner hatte und inzwischen über 20 Verpflichtungen im Jahr hat - von der Hochzeit bis zum alle zwei Jahre stattfindenden Integrationsfest der Stadt Achern, das nun wieder für den 15. Juli geplant ist. Ihr Talent bewies sie schon in Kasachstan, etwa als Solistin im Schulchor. Sie bildete sich durch Gesangsunterricht fort: "Für die Hochschule war es zu spät und für eine Profikarriere fehlte das Selbstvertrauen."

Heute tritt sie unter dem Künstlernamen Rina Späth in der Formation Jam Lounge mit dem Kontrabassisten Wlad Larkin auf und singt ganz nach Wunsch auf Englisch, Deutsch oder Russisch. Neben Gesangskarriere und Beruf arbeitet Späth-Schmatenko bei der Musikschule Bühl, wo sie im Musikgarten ein- bis fünfjährige Kinder an die Musik heranführt. Dort wird "viel getanzt und gesungen, und ich sehe gleich, ob Talent im Spiel ist". Ein Engagement, das sie auch gerne selbstständig weiterführen möchte, wenn sie ihren geplanten Umzug von Achern nach Waldulm abgeschlossen hat.

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