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In großer Liebe verbunden
Als Flüchtlinge kamen Viktor und Flora Fellner einst nach Unzhurst. Baden wurde ihnen zur Heimat. Foto: Gemeinde
03.07.2018 - 00:00 Uhr
Ottersweier (red) - Ihre Gnadenhochzeit feiern heute Flora und Viktor Fellner aus Unzhurst. 70 Jahre sind sie verheiratet, und bezeichnend für ihre noch immer sehr enge, durchaus auch humorvolle Verbundenheit ist ein Satz, den der ansonsten eher stille Viktor (89) auf die Frage sagt, ob denn die Liebe immer noch groß sei: "Ja. Wenn ich meine Frau anschreie, hat das nur mit unserem schlechten Gehör zu tun."

Typisch für die Familie ist ebenfalls, dass sogar die Urenkel zum Interview erschienen sind: Sie geben der 88-jährigen Oma bei ihren Erzählungen gelegentlich Stichworte oder bringen die USA-Karte, wo das Ehepaar alle Orte, die es besucht hat, mit gelben Punkten markierte. Die Karte ist mit Punkten übersät.

Den glücklichen Zeiten des gemeinsamen Reisens und das beschauliche Wohnen in Unzhurst - im Garten blühen die Blumen in allen Farben, die Vögel zwitschern und die Nachbarn grüßen freundlich - ging indes ein hartes Schicksal voraus, das beide noch immer bis ins Detail in Erinnerung haben.

Flora und Viktor Fellner stammen aus dem ehemaligen Jugoslawien. Sie zählen zu den Donauschwaben, die nach dem Zweiten Weltkrieg als "Volksdeutsche" vertrieben wurden. Flora erzählt von Misshandlungen und Tod, von ganzen Dörfern mit Kindern und Alten, die abgeschottet wurden, da sie arbeitsuntauglich waren: "Meine Großeltern verhungerten."

Flora und ihre Mutter kamen in ein Arbeitslager, später gelang ihnen mit dem Bruder die Flucht nach Österreich. Es folgten harte und entbehrungsreiche Jahre, in denen der kleine Bruder manchmal betteln ging, um wenigstens ein Stück Brot kaufen zu können. Dieses Schicksal teilten in jener Zeit Millionen von Donauschwaben - auch Viktor und seine elf Geschwister.

"In Linz lernten wir uns kennen", sagt er. Die beiden jungen Menschen hatten im dortigen Eisenwerk Arbeit gefunden. Ihnen gefiel es in Österreich. In der Stadt Linz wären sie gern geblieben, doch: "Als wir heirateten, verlor Flora die Arbeit, schließlich wurde auch ich entlassen." Ein Versuch, in Frankreich in der Landwirtschaft zu arbeiten, scheiterte, die Rückkehr nach Linz ebenso: Mittlerweile - es war 1949 - hatte Österreich die Grenzen geschlossen. Also ging die Reise nach Deutschland, konkret ins Flüchtlingslager in Altschweier, wo Tochter Hildegard auf die Welt kam.

Nach etwa vier Wochen wurde den Fellners eine Wohnung in Unzhurst zugeteilt: Als sie dort eintrafen, war die junge Mutter zunächst entsetzt. In dem Kuhdorf, habe sie gesagt, bleibe sie keine drei Tage, erinnert sie sich lächelnd. Doch sie blieben. Viktor fand Arbeit (zunächst im Straßenbau, später in der Glashütte in Achern), und rückblickend werten sie ihre zweite Heimat sehr positiv: Mit den Jahren integrierten sie sich im Dorf, fanden Freunde.

Davon zeugt auch, dass zu ihrem Festtag der örtliche Musikverein sowie der Chor ihre Aufwartung machen. Man feiere heute im Bruder Klaus Heim, da der Platz zu Hause nicht für alle Gratulanten reichen werde, erzählt Tochter Hildegard. Floras Bruder reiste dazu eigens aus den USA an. In den Tag starten die Jubilare mit einer Kutschfahrt, ein Geschenk von Bürgermeister Jürgen Pfetzer.

Das "große" Fest für die Verwandten, Nachbarn und Freunde beginnt am Samstag um 10 Uhr mit einem Dankgottesdienst, der musikalisch von der Enkelin der Fellners, ihrem Mann sowie den Urenkeln gestaltet wird. Flora strahlt: "Wir lieben solche Feiern." Das Donauschwäbische liege ihr noch im Blut, glaubt die Tochter: "Die sind bekannt für ihre Musikalität und ihr Temperament." So wird Viktor Fellner heute nicht seinen geliebten Obst- und Gemüsegarten pflegen und Flora wird sich nicht dem Zubereiten alter Familienrezepte widmen. Die beiden feiern. In "ihrem" Unzhurst. Verbunden und umgeben von großer Liebe.

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