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"Die Stadt muss nachgeben"
Als Provisorium angedacht und inzwischen liebgewonnen: Der Europaplatz als Wochenmarkt-Standort. Foto: Hammes
17.07.2018 - 00:00 Uhr
Von Gerold Hammes

Bühl - Das hätte sich die Stadtverwaltung in ihren kühnsten Träumen nicht vorstellen können: Da investiert sie 1,6 Millionen Euro in die Sanierung von Markt- und Kirchplatz, und was machen die Marktleute? Sie wollen nicht mehr zurück und stattdessen lieber auf dem lediglich interimsweise als Ausweichstandort angebotenen Europaplatz bleiben. Das Meinungsbild ist eindeutig: 23 von 25 Beschickern fordern das und setzen damit die Verwaltungsspitze mächtig unter Druck.

Aber damit nicht genug: Auch die Kundschaft steht mit großer Mehrheit hinter dem Anliegen der Marktleute: Dieses eindeutige Bild gibt eine Unterschriftenaktion wider, die die Marktbeschicker nach der Ankündigung der Verwaltung, den Umzug am 4. August zu vollziehen, ins Leben riefen.

Seit 20 Jahren ist Ottmar Serrer, der in Renchen-Ulm einen Obst- und Blumenbetrieb unterhält, auf dem Wochenmarkt vertreten. Den Unterschied zwischen beiden Standorten hat er rasch ausgemacht: "Die Atmosphäre auf dem Europaplatz ist für Beschicker und Kundschaft viel entspannter." Die Verweildauer sei länger, der Umsatz höher.

Und auch die Infrastruktur für Anfahrt, Abfahrt, Auf- und Abbau böte vergleichsweise erhebliche Vorteile. Zudem liefen die vielen Verlegungen auf die Eisenbahnstraße und in die Franz-Conrad-Straße, beispielsweise bei den "Bühler Samstagen", beim Zwetschgenfest oder während des Adventsmarkts dem Bestreben nach Kontinuität und Verlässlichkeit zuwider. Das wüssten auch die Kunden zu schätzen und unterschreiben, wie auch gestern, fleißig ein Formular, auf dem es heißt: "Ich unterstütze, dass die Wochenmarktbeschicker am Bürgerhaus Neuer Markt bleiben."

Und wenn sich die Stadt stur stellt und "Basta-Politik" betreibt? Dann, signalisiert Serrer schon mal, "werde ich meine Fühler nach anderen Plätzen ausstrecken." Er fände es jedenfalls "schade, wenn man das gute Klima aufs Spiel setzt". Er geht davon aus: "Die Stadt muss nachgeben!"

Für Rudolf Birnbreuer gibt es "nur einen Platz - und der ist hier!" Fußgänger, Radler oder Rollstuhlfahrer kämen sich rund ums Bürgerhaus nicht ins Gehege. "Und Bühl wolle doch eine radfahrer- und behindertengerechte Stadt sein?", fragt er rhetorisch. Das Argument, der Markt am angestammten Platz solle den Bühler Einzelhandel beleben, kontert der Weitenunger Imker mit dem Hinweis, dass die Marktleute bereits um 6 Uhr in der Früh' auf den Beinen seien, viele Geschäfte aber erst um 10 Uhr öffnen würden. Das einmütige Echo könne auch die Verwaltung nicht überhören. Er stellt die Frage nach der Rechtsform: "Sind wir eine Demokratie oder eine Diktatur?" Niemandem sei geholfen, "wenn die Stadt stur bleibt".

Auch Elvira Knosp (Urloffen) hat den Eindruck, "dass das Thema für die Verwaltung erledigt ist". In der Vergangenheit sei man "immer wieder hin- und hergeschoben worden". Vor dem Bürgerhaus bekämen die Marktleute endlich "einen festen Platz".

Die Ehefrau des ehemaligen Weltklasseringers Erwin Knosp, mehrfacher Deutscher Meister im freien Stil und Olympia-Teilnehmer 1984 in Los Angeles, der ihr auch gestern zur Hand geht, befürchtet, "dass wir notgedrungen mitmüssen".

Kurt Mehmet, Blumenhändler aus Karlsruhe, war gestern Vormittag der Einzige, der dem Markt- und Kirchplatz die Treue hält. Und er hat dafür auch ein handfestes betriebswirtschaftliches Argument: "Dort mache ich 60 Prozent mehr Umsatz." Was er vermisst, ist in erster Linie die "Laufkundschaft".

Inzwischen haben die Sprecher der Marktbeschicker, Hans-Georg Seipel und Konrad Baumann, in einem Schreiben an die Gemeinderatsfraktion diese gebeten, die Argumente nochmals zu überdenken. In dem Brief heißt es: "Der Platz bei der Kirche ist ein wunderbarer neu gestalteter Platz. Wir sehen jedoch den Marktplatz für den Wochenmarkt als nicht ganz geeignet an. Als Gründe werden die An- und Abfahrtsituation, die Be- und Entladebedingungen und das Parkverbot für die Händlerfahrzeuge ins Feld geführt. Andererseits seien auf dem Europaplatz zusätzliches Kundenklientel generiert und die Umsatzerlöse verbessert worden. Vor allem aber: "Die Kunden sind sehr zufrieden mit diesem Platz."

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