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Ziemlich dürre Aussichten
04.08.2018 - 00:00 Uhr
Von Holger Siebnich

Bühl/Lichtenau - Matthias Markolf stapft über seinen Kartoffelacker, seine Füße sinken in die Erde ein. "Der Regen am Mittwochabend hat ein bisschen was gebracht", meint er. Trotzdem rechnet der Landwirt aus Balzhofen mit deutlichen Einbußen bei der Ernte. Seit Wochen brutzelt die Sonne erbarmungslos auf die ausgetrockneten Äcker der Region. Die Getreideernte fiel mager aus, beim Mais droht teilweise ein Totalverlust. Und für Viehhalter wird langsam das Futtermittel knapp.

Rolf Riedinger aus Ulm hält 50 Milchkühe, hinzu kommen 60 Kälber und Jungtiere. "Das ganze Jahr ist total verrückt", sagt er. Schon im Frühjahr fiel kaum Regen, aber der Sommer setzt noch eins oben drauf. Riedinger produziert das Futter für seine Herde auf Wiesen rund um Lichtenau selbst. Doch diese kann er derzeit nicht so oft mähen, wie es nötig wäre. Ein Problem, das in anderen Regionen bereits dazu geführt hat, dass Bauern Kälber notschlachten mussten. In diese Zwangslage ist Riedinger noch nicht geraten, "aber wir müssen jetzt überlegen, ob wir Maispflanzen häckseln, um sie als Futtermittel zu verwenden ", erzählt er.

Damit hätten die Pflanzen wenigstens noch einen Nutzen. Auf manchen Äckern stirbt der Mais bereits ab. Dionys Metzinger aus Moos baut die Kolben auf 60 Hektar an. Auf einigen Flächen schätzt er den drohenden Ernteverlust auf bis zu 80 Prozent. Er könne froh sein, wenn die magere Ernte gerade so seine Kosten decke. Sich eine Gesamtübersicht zu verschaffen, sei allerdings schwierig. "Teilweise ist auf dem einen Feld mal ein Starkregen niedergegangen, aber direkt daneben blieb es trocken", schildert er die Unterschiede auf kleinstem Raum.

Bei Wolfgang Regenold in Vimbuch sieht es ganz ähnlich aus: "Beim Mais ist es teilweise heftig. Es gibt schon abgestorbene Bereiche", erzählt er. Demgegenüber stünden Pflanzen auf guten Böden, die auch mal einen Tropfen abbekamen, deutlich besser da. Insgesamt schätzt er den Ertragsverlust auf 25 Prozent.

Damit ist Regenold im Vergleich zu vielen Kollegen allerdings noch mit einem blauen Auge davongekommen. Andrea Stief, Leiterin des Landwirtschaftsamts im Landratsamt Rastatt, hat einen guten Überblick über die Situation, musste sie doch erst Anfang der Woche eine Lagemeldung ans Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz schicken. Auf leichten Böden lägen die Verluste beim Mais im Landkreis Rastatt bei 80 bis teilweise sogar 100 Prozent, auf besseren Böden immer noch bei 30 bis 50 Prozent. Sollten nachhaltige Niederschläge weiter ausbleiben, könnten die Zahlen noch steigen. "Mit jedem Tag Trockenheit wird die Lage schlechter", betont Stief. Insgesamt sei die Situation ähnlich wie im Jahrhundertsommer 2003 - vielleicht sogar noch dramatischer.

Schafe haben ihren Wollmantel ausgezogen

Beim Getreide wögen die Verluste nicht ganz so schwer. Die Wintersorten hätten es auf bis zu 90 Prozent der Frühjahrserträge gebracht, beim Sommergetreide sah es mit 50 Prozent allerdings schon wieder deutlich schlechter aus. Landwirt Metzinger spricht von "nicht so gravierenden Schäden" auf seinen Feldern. Und auch Regenold nennt die Verluste "noch im erträglichen Rahmen".

Ein Standbein des "Schafraffenlands" von Matthias Markolf in Balzhofen ist das Brotbacken. Markolf hat noch genügend Getreide von seinen Äckern gekratzt und bei der Zeller Mühle abgeliefert, dass er von dort mit ausreichend Mehl für die nächste Backsaison versorgt wird. "Das wird gerade so reichen", prognostiziert er. Seine Kartoffeln hat er in sehr gute Böden gesetzt. Manche Sorten verkraften die Trockenheit besser, andere schlechter. Bei einigen Stöcken bleiben die Knollen klein. "Aber dafür stimmt die Qualität", betont Markolf. Probleme bereite bei der großen Hitze aber die Lagerung: "Wir ernten derzeit zweimal in der Woche immer nur so viel, wie wir auch für den Verkauf benötigen."

Auch auf das Herzstück seines Betriebs, die Schafshaltung, wirke sich die Witterung aus. 70 seiner insgesamt 230 Tiere stehen im Stall, der Rest auf Wiesen. Da diese aber nicht so viel Futter wie gewohnt böten, müsse er die Flächen häufiger wechseln: "Wir sind derzeit sehr damit beschäftigt, die Zäune neu zu stellen", sagt Markolf. Die Schafe selbst hätten mit der Hitze wenig Probleme. Rechzeitig zum Sommer haben sie aber auch ihren Wollmantel ausgezogen: "Sie sind geschoren", sagt Markolf und lacht.

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