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Geschichten aus dem Kinderwagen
13.08.2018 - 00:00 Uhr
Von Edith Horcher

Bühlertal - Für November war die Eröffnung der komplett überarbeiteten Dauerausstellung im Museum Geiserschmiede geplant. Förderanträge brachten Verzögerungen, so dass die Organisatoren nun einen Termin gegen Jahresende anpeilen. Ein neues Exponat dürfte dann das besondere Interesse der Besucher wecken: Ein Kinderwagen aus den 1920er Jahren wird zum Multimedia-Träger. Präsentiert werden Kinderwagenfotos, die Biografien skizzieren und Alltagsgeschichten von früher erzählen.

In den Gemeindenachrichten hatte Museumsleiterin Ina Stirm die Bühlertäler gebeten, sowohl historische als auch neue Kinderwagenfotos einzureichen. "Wir haben mit 20 gerechnet. Mittlerweile haben wir bereits rund 60 Zusendungen erhalten", freut sich Stirm. Besonders aus den 30er bis 60er Jahren seien viele Bilder dabei. Aktuelle kämen nur ganz zögerlich rein.

Das nun vorhandene Material sei ein guter Grundstock für das neue Multimedia-Angebot, das sie selbst derzeit inhaltlich aufbereitet. Dieses könne durch weitere Fotos ständig erweitert werden. "Die Idee hinter dem Projekt ist, die Besucher in die Ausstellung einzubinden.Die Kinderwagenbilder veranschaulichen auf persönliche und individuelle Lesart, wie die Menschen früher gelebt haben. Die spannende Frage ist: Was verbirgt sich hinter dem Alltagsobjekt Kinderwagen?", erläutert Stirm. Der Großteil der Fotos sei lediglich mit Namen, Datum und Ort versehen.

Doch Stirm ist vor allem auch auf der Suche nach besonderen Geschichten, die mit den Fotos verbunden sind. Bei einigen ist sie fündig geworden, hat zusätzlich Telefoninterviews geführt oder sich auch persönlich mit den Leuten zusammengesetzt.

Ein Foto zeichnet sich wegen verwandtschaftlicher Beziehungen zum letzten Schmied der Geiserschmiede besonders aus. Es stammt von dessen Nichte, Gerlinde Spies. Das Bild von 1944 zeigt diese als Baby im Kinderwagen mit ihrer Mutter, ihrem Bruder und ihrem Vater während dessen Fronturlaub.

Wie wichtig familiärer Zusammenhalt in der Nachkriegszeit war, spiegelt sich in einem Foto von 1958 wider, das Margarete Schüler einreichte. Es zeigt sie mit ihrer Mutter Emma Stricker und ihrer Tochter Anneliese im Kinderwagen. Stirm: "Der Kinderwagen kam, mit Babywäsche beladen, von Verwandten aus Kiel per Zug nach Bühl. Emma Stricker holte ihn dort ab und brachte ihn zu Fuß nach Bühlertal. Die verrosteten Metallteile wurden in der Galvanik-Abteilung der AVOG wieder hergerichtet."

Ein Bild zeigt die 1935 in Berlin gebürtige Brigitte Uhl im Kinderwagen. Während des Krieges wohnte sie mit ihrer Mutter in deren Geburtsort Bühlertal. 1944 wurde die Berliner Wohnung ausgebombt, eine Rückkehr dorthin war unmöglich. Stirm: "Noch heute erinnert sich Brigitte Uhl, dass in diesem Wagen ihre abgelegten Kleidungsstücke zu Verwandten transportiert wurden."

Manchmal stehe nicht der Kinderwagen im Zentrum, sondern die Umgebung, die Eindrücke von ehemaligen Gebäuden oder Landschaftsansichten vermitteln. So sind auf einem von 1953 auch der Bühlertäler Bahnhof zu entdecken und der Engelsberg, der damals noch in intensiv bewirtschaftete worden ist.

Auch die Form der Kinderwagen früherer Jahrzehnte sei interessant. Sie würden die Formen der jeweiligen Autodesigns widerspiegeln. "Manche wirken wie tiefer gelegte Sportwagen", findet Stirm. Zu einem Bild von 1966 hat sie vermerkt: "Auch dieser Sportwagen rollte durch Bühlertal. Wichtig war der Einkaufskorb zwischen den Rädern. Da sich viele Familien kein Auto leisten konnten, wurden die Einkäufe nebenbei damit erledigt."

Stirm freut sich sehr über den historischen Kinderwagen aus den 1920er Jahren, den sie von Metzgermeister Eugen Knopf erhalten hat und der auch bei Fastnachtsumzügen im Einsatz war. Das von einem Bühlertäler ehrenamtlich restaurierte Exponat werde das neue Multimedia-Projekt beherbergen. Derzeit fertigt gerade ein Schreiner die Einbauten für die Dauerausstellung. Elektroarbeiten laufen parallel dazu, ebenso die Entwicklung der Multimedia-Präsentationen.

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