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Ein Hans Dampf in steilen Gassen
17.08.2018 - 00:00 Uhr
Von Holger Siebnich

Bühl - Vor seinem geistigen Auge kann Wolfgang Bohnert sein künftiges Büro schon erkennen. Dabei ist das Erdgeschoss des Neusatzer Rathauses gerade eine Großbaustelle, die noch meilenweit davon entfernt ist, Arbeitsplatz des Ortsvorstehers zu sein. Aber Bohnert hat ein gutes Vorstellungsvermögen. Er zeigt an verschiedene Stellen in dem großen Raum: "Hier kommen Wände hin und dort Stützpfeiler." Der Rathausumbau ist das aktuell größte Projekt in dem Bühler Höhenstadtteil. Aber auch sonst ist in Neusatz viel in Bewegung.

Im Mai 2011 trat Bohnert die Nachfolge von Werner Braun an, der das Ortsvorsteheramt aus gesundheitlichen Gründen abgab. Die Verantwortung nicht zu scheuen, liegt offenbar in der Bohnert-DNA: "Mein Opa war schon Bürgermeister von Waldmatt", erzählt der 62-Jährige. Dabei wäre ihm auch ohne diese Aufgabe sicher nicht langweilig. Bohnert arbeitet Vollzeit bei der Gemeindeprüfungsanstalt in Karlsruhe. Ortsvorsteher ist in Neusatz zwar ein Ehrenamt, den zeitlichen Aufwand vergleicht der Waldmatter aber trotzdem mit einer Halbtagsstelle - zusätzlich zum regulären Berufsalltag.

Beim Rundgang durch den Stadtteil wird klar, dass es Bohnert als Neusatzer Urgestein eine Herzensangelegenheit ist, seine Heimat voranzubringen. Aufgaben gibt es aus seiner Sicht genug. "Das ist kein Schmuckstück", sagt er etwa über die Fläche bei der Bushaltestelle gegenüber dem Rathaus in der Schwarzwaldstraße, wo neben einem Wegkreuz ein wenig trauriges Grün sprießt, umwuchert von zahlreichen Winden. Hier eine echte Dorfmitte zu schaffen, ist aufgrund der örtlichen Verhältnisse zwar nicht möglich, aber spätestens bis zum kommenden Frühjahr soll das Areal neu gestaltet werden.

Es könnte dann ein attraktives Ensemble bilden mit dem Rathaus, dessen 1,6 Millionen Euro teure Sanierung voraussichtlich noch bis Anfang 2019 dauert. Bohnert freut sich schon, wenn die Ortsverwaltung aus ihrer vorübergehenden Heimat im Stadtgeschichtlichen Institut zurückziehen kann: "Das wird bestimmt gut", sagt er über das künftige Domizil im Rathaus-Erdgeschoss.

In den beiden oberen Stockwerken des denkmalgeschützten Gebäudes schafft die Stadt fünf Wohnungen. Eine gute Nachricht für den Stadtteil, in dem Wohnraum knappes Gut ist. Zwar gäbe es die eine oder andere innerörtliche Baulücke, doch oft verhindert laut Bohnert der Landschaftsschutz, dass die Flächen genutzt werden können: "Dabei sind die angrenzenden Grundstücke bebaut. Das können die Menschen häufig nicht nachvollziehen", meint der Ortsvorsteher.

Einzig Waldmatt bietet mit dem Bereich "Schweighof" größeres Potenzial für 20 bis 25 Bauplätze. Das Problem: Die Flächen gehören mehreren Privateigentümern. Die Stadt will das Areal laut Bohnert aber nur erschließen, wenn diese vorher zum Verkauf bereit sind. Eine Geschichte mit offenem Ausgang.

Uhl-Gelände wartet auf roten Punkt

Bald vorangehen sollte es dagegen beim Uhl-Gelände. Seit vielen Jahren liegt der ehemalige Sägewerksstandort an der Schwarzwaldstraße brach. "Wir hätten gern einen Nahversorger hierhergebracht", erzählt Bohnert von Bemühungen, die schon sein Vorgänger initiiert hatte. Denn mit Schule, Kindergarten, Feuerwehrhaus, Sporthalle und zwei Gasthäusern bietet Neusatz zwar eine vergleichsweise gute Infrastruktur, für Dinge des täglichen Bedarfs gibt es aber lediglich "S'Lädele" - ein kleines Geschäft in der ehemaligen Bäckerei. Doch für die großen Lebensmittelhändler ist der Standort offenbar nicht interessant genug. Alle angefragten Unternehmen winkten ab. Nun sollen auf dem Uhl-Gelände vier Doppelhäuser entstehen. Die Baugenehmigung wird derzeit geprüft.

Bei der Ortsverwaltung schlagen regelmäßig Anfragen von Interessenten auf, die sich in Neusatz niederlassen wollen. Trotz der steilen Topographie ist der Ort begehrte Wohnlage. Wobei das Interesse laut Bohnert abnimmt, je höher es hinaus geht. In den schmalen, steilen Straßen zu rangieren, ist kein Vergnügen. Bohnert bereitet das in seinem SUV allerdings keine Schwierigkeiten. "Man gewöhnt sich dran", sagt er lachend, während er in fünf Zügen auf einem kleinen Weg direkt am Abhang wendet. Er hat eine Stelle angefahren, die einen guten Blick aufs Mutterhaus des Klosters Neusatzeck bietet. Nach zehn Jahren Suche ist mittlerweile ein Investor gefunden, der den gewaltigen Klotz abreißen und auf dem Anwesen ein Pflegeheim errichten will. Allerdings steht sein Engagement unter dem Vorbehalt, dass er seine Pläne auch wie gewünscht verwirklichen kann. Derzeit prüfen die Behörden das Großvorhaben. Bohnert hofft auf einen positiven Ausgang - wie bei vielen anderen Projekten in seiner bisherigen Amtszeit.

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