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Wenn Integration zur Chefsache wird
Gutes Teamwork: Ramin Shakoori zusammen mit Alexander und Katja Beuchert an der Schlüsselfräse im Ladengeschäft in der Industriestraße. Foto: Kiedaisch
22.08.2018 - 00:00 Uhr
Von Franziska Kiedaisch

Bühl - In drei prall gefüllten Aktenordnern hat Katja Beuchert das Leben von Ramin Shakoori und seiner Familie abgeheftet. Es finden sich Dokumente aller Art: von der Heiratsurkunde bis hin zum Ablehnungsbescheid über ein Paar Arbeitsschuhe. Seit der afghanische Flüchtling beim Schließanlagen-Fachhandel Beuchert vor 16 Monaten eine Ausbildung zum Verkäufer begonnen hat, wurde auch das Tätigkeitsfeld der Arbeitgeberin erweitert. Weil es oft an praktischer Hilfe von außen mangelt, ist sie zu einer Art Integrationshelferin geworden.

"Ohne dieses persönliche Engagement hat man keine Chance. Viele Arbeitgeber, die gerne Flüchtlinge einstellen wollen, scheitern genau daran", sagt Firmenchefin Beuchert. Sprachbarrieren und bürokratische Hürden erschwerten Arbeitgebern die Beschäftigung Asylsuchender.

Vom Antrag auf Kindergeld über die Krankenkassenkarte bis hin zur Suche nach geeignetem Wohnraum - Beuchert kümmert sich für ihren Azubi darum. "Das ist Mehrarbeit, die durch die soziale Integration entsteht", sagt sie. Die städtische Flüchtlingsbeauftragte Lisa Horcher sieht zwar asylrechtliche Schwierigkeiten, die auf die Arbeitgeber zukommen, verweist aber darauf, dass es in Bühl praktische Hilfe von Integrationsmanagerinnen des Landkreises gibt: "Was Frau Beuchert macht, ist auch eigenes Engagement. Sie müsste sich beispielsweise nicht um einen Kindergartenplatz kümmern. Ich denke, sie macht das aber auch gerne", sagt Horcher.

Tatsächlich kümmert sich die Chefin gerne, denn nach langer Suche vereine Shakoori alles, was sie von einem guten Mitarbeiter erwarte - das sei ihr die zusätzliche Arbeit wert: "Für mich ist entscheidend, dass jemand wirklich möchte. Und wenn man sich mit Kleinkindern auf den Weg macht, dann will man. Ramin ist sowohl menschlich als auch beruflich eine absolute Bereicherung für uns", schwärmt sie.

Zu Fuß, mit Boot und Zug ist der Afghane vor drei Jahren, gemeinsam mit seiner Frau und dem damals sechsjährigen Sohn über die Balkanroute Türkei, Griechenland, Mazedonien, Kroatien und Österreich nach Deutschland gekommen. Auf der Flucht kam in der Türkei seine erste Tochter, in Achern dann seine zweite Tochter zur Welt.

Shakoori, der als Achtjähriger mit seiner Mutter vor dem afghanischen Bürgerkrieg, in dem sein Vater gestorben war, zunächst in den Iran floh, wünscht seinen Kindern ein besseres Leben - eines in Frieden: "Man hat dort keine Zukunft. Man weiß nie, was morgen kommt", sagt er und meint damit vor allem die andauernden Kriegshandlungen, aber auch die eingeschränkten Bildungschancen im Mittleren Osten.

Bereits als Zwölfjähriger begann er zu arbeiten: fünf Jahre als Dachdecker und sechs Jahre als Gerüstbauer. Nebenbei absolvierte er eine Ausbildung zum Karatelehrer und ging auf eine private Abendschule.

Bildung ist für ihn keine Selbstverständlichkeit und absolut essenziell: "Wir leben im Jahr 2018, überall gibt es Technik. Wenn man den Umgang damit nicht lernt, hat man auf der Welt keine Chance."

Über andere Flüchtlinge kann er manchmal nur den Kopf schütteln: "Ich finde es komisch, wenn Leute in ein Land kommen und sich nicht integrieren möchten." So hatte es in seiner früheren Unterkunft in der Erlenstraße Probleme mit Leuten gegeben, die "die ganze Nacht laut waren, weil sie am nächsten Tag nicht aufstehen mussten", schildert der 28-Jährige.

Er hat den Sprung geschafft und zeigt sich für die besondere Unterstützung durch seine Chefin dankbar: "Ohne sie würde ich das nicht schaffen." Sein größter Wunsch?"Ich will meine Prüfungen bestehen und dann hier weiterarbeiten."

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