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Trauer und Glücksmomente in Koexistenz
Setzen einen knackigen Schlusspunkt hinter den Kultursommer 2018: Die fünf Musiker von Foaie Verde. Foto: Barth
27.08.2018 - 07:28 Uhr
Von Udo Barth

Bühl - Mit einem fulminanten Auftritt der Gruppe Foaie Verde ging der diesjährige, durchweg qualitativ hochwertige Kultursommer in Bühl zu Ende. Foaie Verde ist eine Formation von internationalem Format. Nicht allein, dass die fünf Musiker zum Teil ihre Herkunft in verschiedenen Ländern Osteuropas zu verorten haben (naja, Württemberg gehört auch dazu), auch die künstlerische Qualität, mit der sie das Publikum vom Start weg in ihren Bann zogen, zeugt von ihrer unbedingten Hingabe an die Klänge der Sinti und Roma.

Die Himmelsschleussen waren zwar am Samstagabend verriegelt, nicht aber die Türen des Bürgerhauses. Das Kulturbüro der Stadt war weise genug, aufgrund der kühlen Temperaturen das feurige Konzert ins Innere des Bühler Kulturtempels umzuleiten. Auf Rumänisch bedeutet Foaie Verde "Grünes Blatt".

Und wie frische Blätter nach dem lange ersehnten Regen sprossen die Klänge dieses Ensembles gen Himmel. Fast alle Gefühlslagen des menschlichen Lebens wurden hier bespielt, Trauer und Glücksmomente in sonst selten zu hörender Koexistenz. So etwa das bosnische Klagelied "Put Putjuiem", bei dem der künstlerische Leiter Sebastian Klein eine tieftraurige Kantilene schluchzen ließ.

Überhaupt erwies sich der in Nordrumänien geborene, klassisch ausgebildete Geiger so etwas wie der Primus inter pares. Mit seinen wieselflinken Fingern, mit seinen Staccato-Läufen und Bogenattacken lässt er bei mancher balkanösen Hora förmlich die Post abgehen, dass es eine schiere Freude ist. Obwohl: Einen ganzen Geigenbogen benötigt der Mann eigentlich gar nicht. Bei dem mit trefflichem Titel versehenen "Knarrzz" lässt er schlicht nur mit wenigen Haaren des Pferdeschweifs, die ansonsten in größerem Gefüge einem Streicherbogen Substanz verleihen, ökonomisch reduziert die Saiten vibrieren. So manch ein Zuhörer im fast voll besetzten Kulturtempel stellt fest: "Solch einen tollen Geiger habe ich noch nicht gesehen!"

Der nicht weniger virtuose Russe Vladimir Trenin bedient dabei das Bajan, das Knopfakkordeon der slawischen Hemisphäre, und lässt damit eine moldawische Hora mit höllisch scharfem Ritt durch die Ebenen diesseits des Urals jagen.

Sehr beachtlich ist aber auch die Rhythmusgruppe mit dem schwäbischen "Exoten" Veit Hübner am Kontrabass und Frank Wekenmann an der Gitarre, die für einen grundsoliden musikalischen Unterbau sorgen.

Auf diesem kann sich die Sängerin von Foaie Verde, die mit ungarischen Wurzeln ausgestattete Katalin Horvath entfalten, wahlweise mit mal feurigen, wilden Liedern, etwa dem magyarischem Tanzlied "Tchichi Tchichi", dann wieder mit melancholisch gestimmten Timbre slawisch gefärbte Seelenstimmung hervorrufen. Allein ihre sehr individuell gestaltete Stimmführung ist nicht jedermanns Sache, erscheint zuweilen schrill und gewöhnungsbedürftig, was den Gesamteindruck dieser durchweg auf höchstem Niveau agierenden Gruppe etwas Trübung verschafft.

Diese wird aber sofort wieder hinweggewischt von einer gewissen "Mademoiselle de Bucarest". Jene vom Sinti-Swing eines Django Reinhardt inspirierte Suite, mit viel Paprika höllisch scharf gewürzte Nummer, wird mit rasanten Bogenstrichen des Geigers serviert.

Wer dann als Eisenbahn-Fan im Publikum sitzt, wird bei diesem Lehrstellwerk der Weltmusik ebenso bedient. Denn die "Suita Instrumentala", ein Tanzlied aus der Walachei, gemahnt förmlich an eine Fahrt aufnehmende Dampflok der Baureihe P 8, die gehörig mit rasantem, mit ihrem arrangierten Kessel gemäß Balkan-Sound durch das Bürgerhaus pustet.

Wie heißt es so schön bei den Roma? "Diese Musik gehört der ganzen Welt". Und den Bühlern sowieso, möchte man anmerken.

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