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Die Frontfrau und Frohnatur sagt zum Abschied "Ciao-Ciao!"
Wegen ihrer Herzlichkeit und Offenheit von den Kunden geschätzt: Gabriele Doll von der Armbruster-Bäckerei.  Foto: Kiedaisch
29.08.2018 - 00:00 Uhr
Von Franziska Kiedaisch

Bühl - Der Tesafilm hat sie überzeugt. Weil ihr die nette Bäckerei-Verkäuferin ein Bonbon geschenkt hatte, achtete die damals siebenjährige Gabriele Doll genau darauf, was die Frau auf der anderen Seite der Theke zu tun hatte. Und da riss sie ein Stück Klebestreifen ab - für Doll stand damit ihr Traumberuf fest. So fasziniert habe sie damals die ungewöhnliche Tätigkeit. Mit Tesafilm hat ihr Beruf zwar nur wenig zu tun, dafür umso mehr mit Menschen. Wenn am Freitag in der Armbruster-Filiale in der Johannespassage um 20 Uhr die Lichter ausgehen, verlässt auch die gesellige Doll, die von den Meisten vertraut Gabi genannt wird, ihr gewohntes Arbeitsumfeld.

Keiner kommt an ihr vorbei, ohne ihr einnehmendes und freundliches Gemüt zu bemerken. Doll ist eine echte Frohnatur und stets für einen Plausch an der Theke zu haben. Mit vielen Kunden ist sie per Du, kennt ihre Befindlichkeiten und Wünsche. Man merkt ihr an: Sie siezt Menschen ungern - wenn es aber darauf ankommt, dann merkt sie das. Eine intuitive Menschenkenntnis sei das A und O in ihrem Beruf, sagt sie: "Wer die nicht hat, der ist nicht lange dabei."

Spaß an den Menschen sei unerlässlich: "Ich freue mich darüber, wenn ich den Kunden ein gutes Gefühl geben kann", sagt sie. Doll trägt das Herz auf der Zunge, das Reden ist ihr Lebenselixier: "Ich bin mit dem Wecker wach und hab' schon eine große Gosch", bringt sie diese Kommunikationsstärke auf den Punkt.

Als Frontfrau stand sie acht Jahre lang in der Johannespassage 8 im Eingangsbereich - verkaufte dort nicht nur Brötchen, sondern war Aushängeschild der Menschlichkeit im Einzelhandel. Gleich einer Seelsorgerin hörte sie den Kunden zu, nahm sie ernst und gab ihnen Ratschläge. Wenn die Bäckereifiliale am Freitagabend für immer ihre Türen schließt und Doll den Kunden ein letztes Mal ihr unverwechselbares "Ciao-Ciao!" hinterherruft, wird vielen Kunden ein Stück Herzlichkeit im Alltag fehlen.

Vor allem ältere Menschen, die sie nur schwer an ihrem neuen Arbeitsort - der Armbruster-Filiale am Bühler Bahnhof - besuchen können, sind traurig. Einer betagten Dame, die Doll verabschiedet, kommen spontan die Tränen. "Da muss ich auch mitweinen", sagt die 59-Jährige.

Nicht nur Tränen, auch Geschenke kommen: "Sehr viele", sagt sie, seien es in den letzten Tagen gewesen - vor allem kleine Geldbeträge. Dass sie nun aus der Filiale in der Johannespassage gehen muss, findet sie "bescheiden" - schließlich seien sie und die Mitarbeiterinnen des "...nah und gut"-Lebensmittelmarktes, die am Freitag ebenfalls ihren letzten Arbeitstag in der Johannespassage haben, "wie eine kleine Familie" gewesen. Den Kontakt werden sie halten: "Wir würden sterben, wenn wir das nicht täten", sagt die Kappelrodeckerin, und es scheint, als würden ihre Augen dabei ein wenig feucht.

Doch Doll bleibt optimistisch: Sie freue sich auch auf das, was kommt, "sonst müsste ich den Beruf aufgeben, und das will ich nicht." Sechs-Tagewoche, eine heiße Backstube und ein Wecker, der um fünf klingelt - ihr macht das nichts aus: "Ich mach' den Beruf einfach sehr gerne", sagt sie und lächelt dabei zufrieden.

Seit 42 Jahren steht die gelernte Verkäuferin hinter dem Bäckerei-Tresen, seit 30 Jahren bei der Firma Armbruster. Auch privat spielen Teigwaren in ihrem Leben eine große Rolle: "Ohne Brot geht bei mir nichts", sagt sie und grinst schelmisch. Je mehr Körner darin seien, desto lieber esse sie es. Nur das Backen, das überlässt sie lieber anderen.

Im Gegensatz zu Kuchen und Torten: An Weihnachten habe sie sage und schreibe 27 Linzertorten gebacken - als Geschenke für die zahlreichen Freunde, die sie hat.

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