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Top-Gefährder im Stadtwald
01.09.2018 - 00:00 Uhr
Von Gerold Hammes

Bühl - Eine Invasion sucht derzeit den Bühler Bergwald heim. Es sind Top-Gefährder. Es handelt sich dabei nicht um Einzeltäter, sondern sie treiben ihr Unwesen in millionenfacher Mannschaftsstärke. Wirksame Bekämpfungsmittel gibt es nicht, auch nicht präventiv. Wo sie auftreten, brennt im Wortsinne der Baum: Der Borkenkäfer, verharmlosend auch Buchdrucker genannt, wütet derzeit im Bühler Forst.

Revierleiter Martin Damm muss lange zurückrechnen, um sich an ein ähnliches Schadensbild zu erinnern. Eine solch massive Schädlingspopulation gab es in den Jahren 2000 und 2001 als Folge von Orkan Lothar am zweiten Weihnachtsfeiertag 1999.

Auch in diesem Jahr sind extreme Wetterereignisse für die Borkenkäferplage verantwortlich: die beiden Sturmtiefs Friederike und Burglind legten im Januar rund 1000 Festmeter flach. Da waren die 25 Festmeter im Vorjahr vergleichsweise zu vernachlässigen.

Weiterer Stressfaktor: der trockene Bilderbuchfrühling, der Mitte April nahtlos in den Glühsommer überging. Noch nie seit Aufzeichnung von Wetterdaten gab es im Südwesten solch einen langen Zeitraum mit so viel Gluthitze und so wenig Niederschlag.

Die beiden Orkan-Tiefs bewirkten jede Menge Sturmholz, das zeitnah nicht aufgearbeitet werden konnte. Zudem waren die Kapazitäten der Sägeindustrie rasch erschöpft. Die Folge: Viel Holz blieb im Wald liegen und bot einen reichlich gedeckten Tisch für die Schädlinge.

Die Vorgehensweise ist stets die Gleiche: Der Käfer bohrt sich in die Rinde der Fichten und legt Eier ab. Daraus schlüpfen Larven, die sich durch die Wasserleitungsbahnen fressen. Es ist das Todesurteil für den Baum: Er vertrocknet, die Nadeln in den Kronen verfärben sich rot und fallen schließlich zu Boden. Das Absterben beschleunigen Spechte, die auf der Suche nach Käfern die Rinde abschlagen.

Jeder befallene Baum ist ein toter Baum

Das Schadensbild liegt schrotkugelartig über der grünen Lunge Bühls, die Schwerpunkte bergseits der L83 zwischen Wiedenfelsen und Sand sowie im Kapplerwald und im Bereich Wintereck.

Das Aufspüren von Borkenkäferholz gleicht einer Sisyphusarbeit und belastet das ohnehin sportliche Pensum der neun Bühler Forstwirte und drei Auszubildenden. Hat sich ein Käfer in der Rinde eingenistet, fällt aus den winzigen Löchern sogenanntes Bohrmehl zu Boden. Das spüren die grünen Detektive zumeist bei nachmittäglichen Kontrollgängen auf und greifen am Vormittag des nächsten Tages zur Motorsäge. Eile ist angesagt, bevor sich die Population epidemieartig ausbreitet. Zu retten gibt es ohnehin nichts. Damm: "Jeder befallene Baum ist ein toter Baum."

Am Donnerstag holten acht Forstwirte der Stadt mit drei Holzrückeschleppern schätzungsweise 100 Festmeter aus dem Wald. Zur Sicherheit wurde hierzu die Landesstraße in beide Richtungen gesperrt. Martin Damm schätzt das Gesamtvolumen an Borkenkäfer-Holz im 2 500 Hektar großen Stadtwald auf 1 500 Festmeter, 2017 kam mit 750 Festmeter nicht einmal die Hälfte zusammen. Damm hofft, dass er die Zahl nicht doch noch nach oben korrigieren muss.

Der Buchdrucker frisst sich indes nicht nur in die Rinden, sondern auch in die Bilanzbücher. Weil sich die befallenen Stämme leicht verfärben, werden statt 95 nur 80 Euro pro Festmeter erlöst.

Einen Zusammenhang mit der Nationalparkkulisse sieht der Forstbetriebsleiter nicht. In der Kernzone findet nämlich kein Holzeinschlag und keine Käferbekämpfung statt. Die Zusammenarbeit mit der Nationalparkverwaltung lobt er über den grünen Klee: In der Management- und Pufferzone werde der Käfer mit Duftstoff-Fallen bekämpft, außerdem gebe es alle 14 Tage einen Borkenkäfer-Newsletter mit einem aktuellen Situationsbericht und Handlungsempfehlungen.

Die weitere Entwicklung schätzt Damm als nicht gerade rosig ein. Als Folge des Klimawandels rechnet er auch 2019 mit einer hohen Population, so dass sich die Baumernte zunächst einmal auf das Schadholz konzentrieren werde und erst dann der betriebswirtschaftliche Hieb an der Reihe sei.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Schädlinge inzwischen mit kalten und trockenen Wintern arrangiert haben. Lediglich in milden Wintern laufen sie Gefahr, zu "verpilzen". Ihren Winterschlaf halten sie entweder im Boden oder eben in den Rinden. Damm bringt es auf den Punkt: "Milde Winter sind schlecht für den Skibetrieb und den Borkenkäfer, aber gut für den Forst."

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