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Ein Schlosser als Zoodirektor
06.09.2018 - 00:00 Uhr
Von Gerd Birsner

Rheinmünster/Rheinau - Pferde und Kühe findet man im Schwarzacher Tierpark von Katharina und Rudi Zimmer aus Memprechtshofen nicht - dafür Kamele, Strauße, Lamas, Hängebauchschweine und Erdmännchen. Die exotischen Tiere fühlen sich, so scheint's, sauwohl.

Ob es an Rudi Zimmers Sternzeichen liegt? Stier ist er und zugleich Frosch, denn aufgewachsen ist er in Holzhausen, und die dortigen Eingeborenen nennt man im Hanauerland nun mal "Frösch". Und wer Frosch und zugleich Stier ist, dem muss der Herrgott doch ein stattliches Pfund Tierliebe mitgegeben haben. Und in der Tat: Inzwischen lebt der 1960 geborene Tierfreund nebst Gattin Katharina in "Memmezeffe" - also immer noch in Rheinau, aber im nördlichen Zipfel.

Von dort aus ist es nicht mehr weit nach Schwarzach auf den Lindenhof, wo die beiden einen Familienbetrieb ihr Eigen nennen. Auf ihrer kleinen Farm haben viele Tiere ein Zuhause gefunden.

Er ist Chef und sie Chefin diverser Kamele, etlicher Vogelstrauße, einer Handvoll neugieriger Erdmännchen, einer überschaubaren Zahl kuscheliger Hängebauchschweine, störrischer Esel, keineswegs lahmender Lamas, beutelvoller Wallabys (nahe Verwandte der Kängurus) und ausreitwilliger Ponys - kurz: von allerhand exotischem Gekreuche und Gefleuche. Montag ist Ruhetag. Schließlich macht Rudi Zimmer das alles nebenbei. Im Brotberuf ist er Betriebsschlosser.

Straußenhaltung, sagt er, sei "e bissel" problematisch, aber das Fleisch sei sehr gesund, eher vergleichbar mit Rind als mit Huhn, und es wird wie das Rindfleisch eher "medium" verspeist.

Seine ersten Strauße hatte der "Zimmer-Rudi" aus Holland nach Memprechtshofen importiert. Fast zeitgleich ließ sich in Schwarzach ein weiterer Straußenliebhaber nieder. Für diesen zog Zimmer später dann auch die jungen Strauße auf. Und als der Schwarzacher seine Farm aufgegeben hatte, war es naheliegend, dass Zimmer sie übernahm und ausbaute.

Inzwischen ist aus ihm ein kleiner Zoodirektor geworden: Dromedare und Trampeltiere, Alpakas, Ziegen, die neugierig dreinblickenden Erdmännchen - und das als Betriebsschlosser? "Sobald wir die Gewerbeanmeldung abgegeben hatten, mussten wir Seminare belegen, Schulungen machen, die zum Beispiel der Bundesverband der Straußenzüchter anbietet, um damit einen artgerechten Umgang mit unseren Tieren nachzuweisen", erzählt er. Rund 140 Strauße sind auf der Farm heimisch. 100 bis 150 Küken schlüpfen jedes Jahr und werden vor Ort großgezogen.

Und doch droht da ein garstig Schicksal: Viele landen im Topf oder in der Pfanne, ein Leutesheimer Metzger schlachtet sie. Es gibt einige Restaurants, die Straußenfleisch auf ihrer Speisenkarte führen, denn es ist in der Tat ein äußerst wohlschmeckendes Fleisch ohne viel Fett und ob der Kalorienarmut für Abnehmwillige gut geeignet.

Dazu tummeln sich in Schwarzach seit elf Jahren 15 Kamele. Aliya, Maya oder Kymani: Jedes hat einen äußerst wohlklingenden Namen. Zimmer schätzt den Gesamtbestand der Farm auf starke 200 Tiere.

Seine Frau Katharina betreibt den Hofladen, verkauft Straußenfedern, Straußensteaks und überdimensionale Straußeneier, die im Übrigen schmecken wie ein Hühnerei. Außerdem versorgt und bewegt sie die Ponys, auf denen zur Freude der vielen Kinder, die die Farm besuchen, selbstverständlich auch geritten werden darf - wie übrigens auch auf den Kamelen. Tochter Maria, die im elterlichen Betrieb mithilft, ist für die vielen Kindergeburtstage zuständig, die gerne auf der Farm gefeiert werden.

Dass den Zimmers ihre Farm einen Heidenspaß macht, sieht man an den leuchtenden Augen, wenn sie den vielen neugierigen Besuchern von Strauß und Co. erzählen, die Kamele füttern, Alpakas streicheln, Erdmännchen unters Infrarotlicht setzen oder einen Mini-Strauß fürs Zeitungsfoto herhalten.

"Wir sind ein Saisonbetrieb: Bei uns geht sehr viel über den Sommer bis in den Herbst rein, und dann wird's ruhiger", sagt der "Zimmer-Rudi". Da will es sich gut überlegt sein, ob man den Brotberuf an den Nagel hängt - was er natürlich gern machen würde. Aber so eine Straußen- und Kamelfarm "verschlingt massig Geld" und trägt sich natürlich nicht von allein.

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