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Zwerg lässt Großprojekt wanken
Eingerahmt von grüner Natur liegt das Mutterhaus des Klosters in idyllischer Höhenlage. Foto: Siebnich
13.10.2018 - 00:00 Uhr
Bühl (sie) - Das Graue Langohr ist nur knapp vier Zentimeter groß und wiegt nicht einmal sieben Gramm. Aber das Fliegengewicht bringt trotzdem ein Großprojekt ins Wanken. Die geschützte Fledermausart wohnt im Mutterhaus des Klosters Neusatzeck. Das wurde im Rahmen von Untersuchungen entdeckt, die im Vorfeld des geplanten Abrisses des Klotzes stattfanden. Wie berichtet, wollte ein Investor anstelle des Gebäudes ein Demenzzentrum errichten. Doch wegen der kleinen Fledermaus muss er nun komplett umplanen.

Eine Kolonie des Grauen Langohrs haust nicht nur im Dachstuhl des Mutterhauses, die Tiere nisten dort sogar. Aus naturschutzrechtlichen Gründen ist ein Abriss damit unmöglich.

Laut Oberbürgermeister Hubert Schnurr steht das Großprojekt trotzdem nicht grundsätzlich zur Disposition. Die jahrelange Hängepartie um das Anwesen geht damit zwar in die Verlängerung, scheint aber keine unendliche Geschichte zu werden. Neun Jahre lang suchte eine Kölner Immobilienfirma im Auftrag der Dominikanerinnen einen Käufer für das Mutterhaus mit seinen 89 Zimmern und einer Wohnfläche von 6370 Quadratmetern. Für einen aufgerufenen Preis von 2,5 Millionen Euro gaben sich die Interessenten allerdings nicht die Klinke in die Hand. Erst Anfang dieses Jahres schlug ein Käufer zu - zu welcher Summe, ist nicht bekannt. In den Kaufvertrag wurde allerdings eine Klausel aufgenommen, wonach das Geschäft unter dem Vorbehalt steht, dass der Investor seine Pflegeheimpläne baurechtlich auch umsetzen kann.

Ende März befasste sich der Gemeinderat erstmals öffentlich mit dem Vorhaben. Den damaligen Plänen zufolge sollte das Mutterhaus abgerissen werden. An seiner Stelle sah der Entwurf drei Neubauten vor. Das Hauptgebäude sollte 90 bis 100 Einzelpflegezimmern sowie sechs Wohngruppen mit jeweils 15 Einzelpflegezimmern und zehn Tagespflegeplätzen umfassen. In zwei weiteren Gebäuden waren Betreutes Wohnen sowie Ferienwohnungen für Angehörige und Mitarbeiter-Wohnungen vorgesehen.

Dieses Konzept hat das Graue Langohr zunichte gemacht. Die Gefahr, dass der Investor deshalb abspringt und den Kauf rückabwickeln möchte, besteht laut OB Schnurr aber nicht: "Er ist schon dabei, die Sache umzuplanen", berichtet das Stadtoberhaupt. Demnach solle das Mutterhaus nun saniert werden. Ein Vorhaben, das bislang als unwirtschaftlich galt. Auch in der Vorlage der Stadtverwaltung zu der Sitzung Ende März hieß es, dass ein Umbau des Gebäudes zum Pflegeheim ökonomisch nicht tragbar sei. Es genüge auch nicht heutigen Brandschutzanforderungen.

Doch inzwischen haben sich die Rahmenbedingungen grundlegend geändert. Abgerissen werden soll nun das benachbarte Ökonomiegebäude, das ursprünglich für eine Sanierung vorgesehen war. An dessen Nordseite waren im ersten Entwurf ein Versorgungstrakt mit Hofladen, Arztpraxis, Kiosk, Physiotherapie, Friseur und mehr vorgesehen, an der Südseite ein Besucher-Appartement sowie weitere Mitarbeiter-Unterkünfte. Im Dachgeschoss sollte ein Café oder Bistro eröffnet werden. Um neben dem Mutterhaus Platz für Neubauten zu schaffen, sind diese Ideen nun passé. Laut Schnurr soll das überarbeitete Vorhaben im November nichtöffentlich im Technischen Ausschuss behandelt werden, anschließend Ende dieses oder Anfang kommenden Jahres im Gemeinderat. Um wie viel Zeit der Fledermausfund und seine drastischen Auswirkungen das Vorhaben zurückwerfen, sei noch nicht abzuschätzen. Auf Basis der bisherigen Planung hatte der OB von einer Verfahrensdauer von mindestens 18 Monaten und damit einem Baubeginn frühestens im Jahr 2020 gesprochen. Doch auch das ist jetzt Makulatur.

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