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Zusammen mit 14 Personen in einem Auto eingezwängt
13.11.2018 - 00:00 Uhr
Bühl (mig) - Ein aufregendes Jahr hat, mehr als 7 000 Kilometer von der Heimat entfernt, für Samuel Sester aus Neusatz begonnen. Nach seinem Abitur an der Heimschule Lender suchte sich der 19-Jährige eine Herausforderung der besonderen Art. Er absolviert einen Freiwilligendienst für das Hilfswerk "Missionszentrale der Franziskaner" (MZF) in Indien.

Neun Flugstunden und ein enormer Klimaunterschied trennen Deutschland von Südostindien. "Am ersten Tag waren die 32 Grad für uns richtig drückend. Inzwischen nehme ich die hohe Luftfeuchtigkeit gar nicht mehr wahr", berichtet der junge Mann. Aus Baden zu kommen und in Chennai, der sechstgrößten Stadt Indiens mit 4,6 Millionen Einwohnern, zu landen, ist für ihn ein großes Abenteuer. Chennai liegt am Golf von Bengalen.

Eigentlich habe er vorgehabt, hier auch selbst Auto zu fahren, sagt Samuel Sester. Aber das würde ihn doch vor größere Probleme stellen: Es werde links gefahren, permanent gehupt, aufgeblendet und überholt: "Ich glaube, die meisten Europäer wären mit der Verkehrssituation vollkommen überfordert."

Der Empfang der Freiwilligen sei warm und herzlich gewesen, schildert er. Der Leiter der örtlichen Hilfsorganisation "Nesakkaram Seeds" habe ihn abgeholt und mit einem Schal und Blumen traditionell begrüßt. Die ersten Tage habe er sich nur beim Meldeamt registrieren müssen und ansonsten eingewöhnen können.

"Das Essen ist der Hammer", berichtet er weiter. Es sei immer gut scharf, aber lecker. Gegessen werde mit den Händen: "Wir dürfen zwar Besteck benutzen, aber wo bleibt denn da der Spaß?"

Seine erste Herausforderung sei eine Busfahrt durch die Millionenstadt zu einem Altersheim gewesen, in dem er inzwischen mehrmals pro Woche Fenster putzt, Tabletten auspackt, mit den Menschen redet, spielt oder Essen verteilt. "In Indien werden die Busfahrkarten nicht beim Fahrer gekauft, sondern bei einem Mann hinten im Bus", klärt er auf: "Gut, wenn man das weiß, bevor man einsteigt."

Der junge Mann hat den Ehrgeiz, ein wenig Tamil zu lernen. In der Sprache in Südostindien begrüßt man sich mit "Vanakam" und verabschiedet sich mit "Poy varukirem." Die Franziskaner-Pater sprächen ein sehr gutes Englisch. Wo er die Sprache nicht verstehe, kommuniziere er mit Händen und Füßen. Dass man mit Trommeln auf seinem eigenen Körper Musik machen kann, hat der musikalische junge Mann in Indien schon einigen Jungen in dem Heim der Hilfsorganisation gezeigt.

Kinder zu einer Zusammenkunft zu fahren, war ein besonders aufregendes Erlebnis für den Neusatzer. Er fand sich auf dem Rücksitz mit zwei Kinder auf dem Schoss und jeweils zwei weiteren rechts und links wieder. Weitere saßen auf dem Beifahrersitz und einige im Kofferraum: insgesamt 15 Menschen in einem Fünfsitzer.

Sein Alltag stellt sich wie folgt dar: Er bringt Heimkinder zur Schule und holt sie ab, beaufsichtigt sie bei den Hausaufgaben und erteilt Kindern in einem Slum kleine Englisch-Lektionen. "Die Arbeit dort macht mega Spaß. Die Kinder sind zwar arm, aber glücklich und fröhlich."

Von der großen Flutkatastrophe dieses Sommers in Indien ist Samuel Sester in Chennai nicht betroffen. Doch sie macht ihn betroffen und er hat schon nach Hause geschrieben und seine Freunde, Bekannte und Unterstützer um Spenden gebeten. "Ich habe mich entschlossen, einen Teil meines monatlichen Taschengeldes zu spenden", geht er mit gutem Beispiel voran. Wer sich ihm anschließen will, findet nähere Informationen im Internet.

www.mzf.org

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