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Volle Dröhnung für die Luftwaffe
14.11.2018 - 00:00 Uhr
Von Joachim Eiermann

Bühl - Mit der Hardrock-Band Oil lässt es der Bühler Gert Endres richtig krachen. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, führen die Wege der Band schon mal bis nach Mali oder zuletzt nach Jordanien - mitten hinein in die Camps von Auslands-Stützpunkten der Bundeswehr. Dann dröhnt im Rahmen der Truppenbetreuung schwermetallene Rockmusik über staubige Exerzierplätze.

Sein musikalisches Rüstzeug holte sich der 48-Jährige bei seiner früheren Gruppe Scaramouche, die einst auch im Bühler Raum häufig auf den Bühnen stand. 1983 hatte sie sich gegründet und Ende 2001 aufgelöst. Das Quartett, das einen melodischen Progrock spielte, nahm für das Plattenlabel "zyx" drei CDs auf und gab jährlich bis zu 80 Konzerte. In Luxemburg gelang gar der Sprung in die Charts. "Zum großen Durchbruch hat es aber nicht gereicht", blickt Endres auf eine Zeit zurück, in der er von Musik eher schlecht als recht leben konnte. Dann war der Punkt erreicht, an dem es nicht mehr weiterging. Im Jazzhaus in Freiburg gab die Gruppe ihr Abschiedskonzert.

Ihre CDs sind schon lange nicht mehr im Handel erhältlich, und die Musik ist auch nicht bei den Streaming-Diensten im Internet zu finden. Die Gruppe, die sich nach einer Figur des italienischen Volkstheaters Commedia dell'arte benannte, würde vermutlich ganz in Vergessenheit geraten, wenn sich nicht zwei Neffen des verstorbenen Managers der Band aufmachen würden, ihr einen Kinofilm zu widmen: Pirmin Styrnol, Dokumentarfilmer beim SWR, und sein Bruder Maik waren als Kinder von ihren Eltern zu den Konzerten mitgeschleppt worden.

Sie wollen die Bandgeschichte abbilden, aber auch das Lebensgefühl jener Zeit. Dazu sind die beiden Filmemacher derzeit auf Materialsuche: Videoaufnahmen, Fotos, Fanpost, Eintrittskarten oder sonstige Erinnerungsstücke. Gegen Jahresende wollen beide anhand des bis dahin eingegangenen Materials entscheiden, ob sich eine mindestens einstündige Band-Doku realisieren lässt.

Hinter der Bühne



hat es gefunkt

"Wir hatten ständig auch im Bühler Raum gespielt", erinnert sich der damalige Lahrer Endres an hallenfüllende Veranstaltungen und Festzeltauftritte. Persönlich gelohnt hatte sich für ihn eine Großveranstaltung 1997 im Stadion von Ottersweier, für die auch die Work-out-Band von Thomas Huber gebucht war: Gert Endres sollte dabei seine spätere Frau Maren Rassek kennenlernen, die bei "Work out" sang (und noch immer in Hubers heutiger Partyband singt).

In bester Erinnerung ist ihm auch ein Auftritt beim "Daytona Europe Festival" im selben Jahr auf dem Lahrer Flugplatz geblieben, wo Scaramouche vor einer großen Kulisse spielten und von Stefanie Tücking für SWF3 zum Interview gebeten wurden. Es gab da noch einen sehr prominenten Zuhörer im hinteren Bühnenbereich: Kein Geringer als Soul-Superstar James Brown ("Sex Machine") vertrieb sich hier die Zeit bis zu seinem Auftritt. "Er hat sogar ein bisschen mitgewippt", erzählt Endres.

21 Jahre später im Camp Sonic, dem deutschen Luftwaffenstützpunkt al-Asrak in der jordanischen Wüste: Etwa 150 Soldaten - teils in Uniform, teils in zivil - reagieren erwartungsgemäß zunächst verhalten, als Endres' aktuelles Trio loslegt mit seinem früheren Scaramouche-Kollegen Marc Vetter am Schlagzeug und dem Bassisten Rainer Jauch. "Doch dann haben wir sie gekriegt, sie waren richtig begeisterungsfähig." Zwei Stunden rockten Oil auf dem gestellten Equipment. Zwei Zugaben waren fällig.

Außergewöhnlicher Showeffekt: Ein Gabelstapler hievte Endres bei einem Gitarrensolo über die Köpfe der begeisterten Zuhörer. Eines habe ihn dann aber doch innerlich belastet, wie er erzählt: Während des Auftritts stiegen US-Kampfjets in Richtung syrische Grenze auf - im Einsatz gegen den IS.

Wie kommt der Kriegsdienstverweigerer und Pazifist Gert Endres dazu, vor Militär zu spielen? "Ich bin nicht gegen die Bundeswehr, sondern gegen Krieg und Waffengewalt." Die Truppe habe für ihre Aufklärungsflüge und die Luftbetankung alliierter Maschinen ein Bundestagmandat, weshalb er als Demokrat den Einsatz - trotz kritischer Sicht der Dinge - letztlich unterstütze.

Bandgagen zahlt die Bundeswehr im Übrigen keine. Was lockt, sind: das Abenteuer, die Technik und das Erlebnis, an solch ungewöhnlichen Orten zu spielen. Ein Trip, der sicherlich auch eine Film-Doku wert wäre.

Wer zum Filmprojekt über Endres' frühere Band Scaramouche Videos, Fotos oder anderes Material beitragen kann, kann sich an Pirmin Styrnol wenden per E-Mail: studio@film-und-ton.de oder (01 70) 3 06 68 88.

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