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Verhaltener bis begeisterter Jubel
17.11.2018 - 00:00 Uhr
Von Joachim Eiermann

Bühl - Ein Fußballspiel dauert Sepp Herberger zufolge bekanntlich 90 Minuten. Nur etwa eine Viertelstunde benötige der Gemeinderat, um den Ball für den Bau eines Kunstrasenplatzes im Tor unterzubringen - per kollektivem Handspiel . Gegner, die sich in den Weg stellten, gab es nicht; alle Hände gingen hoch. Die Statements der fünf Teamchefs drückten, je nach politischem Lager, einen verhaltenen bis begeisterten Jubel aus.

Oberbürgermeister Hubert Schnur ging sogleich in die Offensive: "Der alte Tennenplatz ist in einem miserablen Zustand." Die marode Trainingsstätte des Vereins für Bewegungsspiele (VfB) solle nun zu einem allzeit wettertauglichen Spielfeld aufsteigen. Eines, das auch dem Anspruch Rechnung trägt, dem neuen Sportprofil des Windeck-Gymnasiums eine adäquate Grundlage zu bieten. Von 7.45 bis 16 Uhr werde das Terrain angehenden Sportabiturienten und auch anderen Schülern zur Verfügung stehen. Danach sei Anpfiff für die Trainingseinheiten beim VfB. Mindestens einmal pro Woche sollen auch andere Bühler Vereine am Kunstrasen schnuppern dürfen. "Der Platz wird die Situation, was die Durchführung von Pflichtspielen betrifft, entspannen", frohlockte der OB angesichts einer bald sehr guten Sportinfrastruktur für Schulen und Vereine.

"Es profitieren beide", nahm Peter Hirn (SPD) diesen Ball auf und sprach von einer "weisen Entscheidung" für ein Sportprofil am "Windeck", das den Steilpass gab, den langgehegten Wunsch des VfB nach künstlichem Grün zu realisieren. "Der Tennenplatz ist nicht mehr zu gebrauchen und völlig vorsintflutlich", attestierte er. Auf dem Kunstrasen sei zudem nicht nur Fußball, sondern eine Reihe von Sportarten möglich. Hirn: "Da werden viele Felder eingezeichnet."

Die CDU-Fraktion hatte angesichts der Investitionssumme von einer halben Million Euro ("Eine Menge Geld") und jährlichen Folgekosten von etwa 70 000 Euro beim Warmmachen offensichtlich größeren Diskussionsbedarf, wie Margret Burget-Behm verriet. Dann stand die Taktik fest: Die Christdemokraten tragen die Sache mit. Begründung: Die hohe Ausgabe sei aufgrund der Doppelnutzung von Schule und Verein vertretbar. Auch habe man sich von der Verträglichkeit und Qualität des "Plastikrasens" überzeugen lassen.

"Das Sportprofil am Windeck-Gymnasium bedingt die ganzjährige Nutzung eines Sportgeländes", rief Jörg Woytal (FW), zugleich Vorsitzender des Bühler Sportausschusses, die Regularien in Erinnerung. Ein einfacher Rasenplatz könne diesem Anspruch im Winter nun mal nicht genügen.

Mit Fachbereichsleiter Klaus Dürk rannte ein Balljunge aufs Feld, um zu verkünden, dass angesichts von mehr als 2 000 Schülern im Stadtgebiet davon auszugehen sei, dass beide Schulplätze (Kunstrasenplatz und Jahnstadion) voll ausgelastet sein werden. Timo Gretz (SPD) dribbelte, dass das Projekt Kunstrasen richtungsweisend für andere Bereiche sein könne: "Auch die Reblandhalle soll zu einer Halle für ganz Bühl werden." Lutz Jäckel (FDP) übernahm, sprach sogar von einem "Pilotprojekt" und bemerkte: "Wichtig ist, dass die Schulen den Schwerpunkt haben werden."

Walter Seifermann (GAL) richtete den Blick weit über eine Spielzeit hinaus und spielte einen Querpass: "Der Wunsch nach weiteren Kunstrasenplätzen wird wie Gras aus dem Boden sprießen."

Einen Schlussspurt legte der Greenkeeper hin: Franz Carlo Lehmann aus Waldbronn, dessen Ingenieurbüro den Platz plant, bezifferte die Lebensdauer des künstlichen Rasenbelags mit 20 Jahren. Die elastische Tragschicht darunter sei auf 40 bis 60 Jahre angelegt. Das heißt: Der neue Platz, der zu Beginn des Schuljahrs 2019/20 zur Verfügung stehen soll, werde mindestens zwei Generationen zur körperlichen Ertüchtigung dienen.

Bleibt noch zu ergänzen: Das Regierungspräsidium Karlsruhe will kein Spielverderber sein und macht für den kommunalen Sportstättenbau im Hägenich bis zu 84 000 Euro an Fördergeldern locker.

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