http://www.ausbildungsmesse-baden-baden.de/
Abschied von der personifizierten Bescheidenheit
Abschied von der personifizierten Bescheidenheit
24.11.2018 - 00:00 Uhr
Von Holger Siebnich

Rheinmünster - Wenn Dietmar Frietsch über die Anfänge seiner Karriere im Schwarzacher Rathaus spricht, stellt er seine eigene Leistung hintenan. Dass er im Dezember 1983 die Stelle des Hauptamtsleiters bekommen habe, sei "eine glückliche Fügung" gewesen. Kein Wort verliert er darüber, dass er als 27-Jähriger mit seinem Diplom als Verwaltungswirt eine Top-Qualifikation in der Tasche hatte. Auch ansonsten redet Frietsch gern über seine "hervorragenden Mitarbeiter und Kollegen". Dabei hat er selbst die Geschicke der Gemeinde Rheinmünster 35 Jahre lang mitgeprägt. Jetzt geht er in den Ruhestand.



Es ist diese bescheidene und unaufgeregte Art, die Kollegen und auch Gemeinderäte an dem scheidenden Hauptamtsleiter sehr schätzen. Er selbst spricht von einem großen "Zusammengehörigkeitsgefühl", das ihm schon damals als junger Mann den Einstieg leichtgemacht habe. Auch wenn vieles neu war, sei ihm dadurch "ein guter Start" gelungen.

Er war 1983 nicht der einzige Frischling im Rathaus. Auch Bürgermeister Klaus Droll absolvierte sein erstes Amtsjahr. Der Arbeitsalltag war noch geprägt von mündlichen Absprachen, Durchschlagpapier und Matrizen. "Wir hatten nicht einmal ein Faxgerät, das kam erst fünf oder sechs Jahre später", erinnert sich Frietsch.

Die Aufgaben waren aber auch vor drei Jahrzehnten so vielfältig wie heute. "Im Hauptamt existiert eine gewisse All-Zuständigkeit", sagt er und lacht. An seinem Schreibtisch laufen etwa die Fäden für die Personalverwaltung der mittlerweile mehr als 170 Gemeindebeschäftigten zusammen. Er kümmert sich um Schulthemen, die Organisation der Gemeinderatssitzungen oder das Hallenbad. Auch die Kultur ist ihm ein Anliegen. So organisierte er unter anderem die regelmäßigen Ausstellungen im Rathaus. Seit 26 Jahren findet im Schatten des Münsters außerdem der weit über die Region hinaus bekannte Kunsthandwerkermarkt statt, den er, bescheiden wie immer, erst auf mehrfache Nachfrage und nach einem großen Lob an alle Beteiligten schließlich als "sein Kind" bezeichnet. Unterm Strich sei die Stelle des Hauptamtsleiters "sehr vielseitig und ein unheimlich spannender Job".

Zu den größten Herausforderungen habe die Konversion des heutigen Baden-Airparks gezählt. Als die Kanadier in den 90er Jahren die Aufgabe ihrer Airbase verkündeten, war Frietsch als Vertreter der Gemeinde Rheinmünster vor Ort. "Wir wussten von nichts. Das kam aus heiterem Himmel und war ein echter Schlag", erinnert er sich. Auch menschlich sei der Abzug ein Verlust gewesen. "Die Kanadier waren für uns angenehme Alliierte. Es sind viele Freundschaften entstanden", schildert Frietsch die damalige Gefühlslage. Eine Mammutaufgabe sei auch der Bau des Polders Söllingen/Greffern gewesen. Dass es aber auch lang diskutierte Großprojekte gibt, wie etwa den Bau eines neuen Feuerwehrhauses, die unter seiner Ägide nicht mehr verwirklicht wurden, grämt ihn nicht: "So ist das bei der Verwaltungsarbeit. Es werden Dinge angestoßen, die andere weiterführen."

Seine Aufgabe sei es gewesen, die Beschlüsse des Gemeinderats auszuführen. Aus politischen Diskussionen habe er sich immer herausgehalten. Deshalb will er sich öffentlich auch nicht dazu äußern, wie er jene Jahre empfand, in denen sich Bürgermeister Helmut Pautler und Teile des Gemeinderats heftige Auseinandersetzungen lieferten. Aber es ist ihm anzumerken, wie froh er ist, dass sich das Klima zum Ende seiner Dienstzeit deutlich gebessert hat.

Ambitionen, vielleicht selbst einmal im Chefsessel eines Rathauses Platz zu nehmen, hat er nie gehegt. Fürs Privatleben war die Stelle in Schwarzach ohnehin ein Glücksfall. Der Weitenunger war schon vor seinem Dienstantritt der Liebe wegen nach Hildmannsfeld gezogen. Bis heute radelt er in der Regel die kurze Strecke zum Arbeitsplatz. Lange Radtouren, auch über mehrere Tage hinweg, sind ohnehin ein großes Hobby von ihm, für das er sich im Ruhestand wieder mehr Zeit nehmen will. Dieser beginnt offiziell erst Ende Januar nach seinem 63. Geburtstag. Aber Resturlaub sei Dank wird er seinen Arbeitsplatz schon Mitte Dezember verlassen. Eine Verabschiedung wird es nur intern im kleinen Rahmen geben. Die große Bühne ist nicht sein Ding.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Muggensturm
Startschuss für Großprojekt gefallen

22.11.2018
Startschuss gefallen
Muggensturm (hli) - Die Arbeiten für Umbau und Sanierung der Wolf-Eberstein-Halle in Muggensturm sind noch nicht einmal ausgeschrieben, doch die Kosten für das Großprojekt (Foto: Ingenieurbüro Becker) klettern schon munter in die Höhe. Sie liegen bei rund 12,09 Millionen Euro. »-Mehr
Muggensturm
Startschuss für Großprojekt gefallen

21.11.2018
Startschuss gefallen
Muggensturm (hli) - Die Arbeiten für Umbau und Sanierung der Wolf-Eberstein-Halle in Muggensturm sind noch nicht einmal ausgeschrieben, doch die Kosten für das Großprojekt (Foto: Ingenieurbüro Becker) klettern schon munter in die Höhe. Sie liegen bei rund 12,09 Millionen Euro. »-Mehr
Malsch
Messungen nicht möglich?

14.11.2018
Messungen nicht möglich?
Malsch (ar) - Die Kreuzung zwischen B3 und L608 in Neumalsch zählt zu einem Unfallschwerpunkt trotz Ampelanlage. Staus gehören dort zur Tagesordnung. Laut Aussage der Verkehrsbehörde sind Messungen in diesem Bereich aber nicht möglich (Symbolfoto: dpa). »-Mehr
Weisenbach
Weihnachtsbäume auf Umwegen unterwegs nach Berlin

08.11.2018
Weihnachtbäume auf Umwegen
Weisenbach - Die Weisenbacher Weihnachtsbäume müssen auf Umwegen nach Berlin auf die Reise gehen - talaufwärts über Schwarzenbachtalsperre und B 500. Die B 462 wird vom 22. bis 26. November bei Gernsbach wegen Asphaltierungarbeiten gesperrt (Foto: dpa /av). »-Mehr
www.los.de/rastatt/
Umfrage

Die SPD fordert Nachverhandlungen im Koalitionsvertrag. Glauben Sie, dass das Regierungsbündnis daran zerbricht?

Ja.
Nein.
Weiß ich nicht.


https://www.eyesandmore.de
Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1