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Geldstrafe nach Drohung mit dem Tod
Geldstrafe nach Drohung mit dem Tod
30.11.2018 - 00:00 Uhr
Bühl (bgt) - Am ersten Verhandlungstermin am Amtsgericht Bühl war der Angeklagte aufgrund seines hohen Alkoholkonsums nic ht verhandlungsfähig. Zum Folgetermin einige Wochen später ist er gestern aber nüchtern erschienen, und die Verhandlung konnte ihren Fortgang nehmen.

Körperverletzung und Bedrohung lautete die Anklage der Staatsanwaltschaft. Der nach eigenem Bekunden alkoholabhängige und derzeit arbeitslose Angeklagte soll einen jungen Mann am Hals gepackt und ihm gedroht haben: "Wenn du noch mal meine Tochter anfasst, dann schlag ich dir den Schädel ein und bring dich um." Dabei soll er mit dem Daumen quer über die eigene Kehle gefahren sein, eine gängige Geste, die seiner Todesdrohung Nachdruck verleihen sollte.

"Nein, ich habe ihn weder am Hals gepackt, noch habe ich ihn bedroht", verteidigte sich der 52-Jährige gestern. Es sei eher so gewesen, dass der Geschädigte permanent Drohungen ausgestoßen habe, und zwar, weil die Tochter des Angeklagten sich den Annäherungsversuchen des jungen Mannes widersetzt habe. Aus Wut habe dieser dann auf sie eingeschlagen und sie übel zugerichtet. Deshalb sei der Geschädigte von der Polizei vernommen worden und es sei zu einer Anzeige gekommen. Richter Hannes Schrägle konnte aus den Akten entnehmen, dass Streitigkeiten zwischen zwei Gruppen im Wohnviertel der Männer schon seit längerer Zeit Polizei und Gerichte beschäftigen.

Dem Verteidiger kam es merkwürdig vor, dass der Kläger erst sechs Wochen später bei der Polizei erschienen war, um Anzeige gegen seinen Mandanten zu erstatten. Wahrscheinlich, so vermutete er, sei dies nur aus Rache geschehen.

Die Zeugenaussage des Geschädigten war durch zahlreiche Erinnerungslücken getrübt, und das, woran er sich erinnerte, blieb ziemlich vage. Er hatte keine plausible Erklärung dafür, dass er die Körperverletzung erst spät angezeigt hat.

So blieb der Staatsanwaltschaft nur, "einige Probleme bezüglich der Beweisführung" zu konstatieren. Auch erschienen ihr die Aussagen des Geschädigten nicht sehr konkret, und sie kam zu dem Schluss, dass man den Angeklagten freisprechen müsse. Der Verteidiger widersprach dem nicht und stimmte dem Antrag der Staatsanwaltschaft zu.

Nicht so jedoch der Richter. Er kam nach einer eher langen Urteilsfindung zu einem anderen Ergebnis.

Für ihn stellte sich die Frage, warum der Kläger die Anklagepunkte hätte erfinden sollen, die er auch im Zeugenstand, wenn auch nur andeutungsweise, noch einmal wiederholt hatte: das Packen am Hals und die Geste mit dem Daumen. Richter Schrägle habe, so seine Urteilsbegründung, nicht den Eindruck gewinnen können, diese Aussage sei vollkommen aus der Luft gegriffen. Ebenso sei nachvollziehbar, dass der Angeklagte wütend auf den Geschädigten gewesen sei, weil der seine Tochter angegriffen habe. Richter Schrägle verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe in Höhe von 100 Tagessätzen à zehn Euro.

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