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Künftig mehr Zeit für die Enkel und Literatur
Künftig mehr Zeit für die Enkel und Literatur
01.12.2018 - 00:00 Uhr
Bühl (bgt ) - Natürlich hätte er noch - wie es bei Richtern durchaus möglich ist - bis zu seinem 68. Lebensjahr im Amt bleiben können, aber da gibt es schließlich noch andere Interessen für den jung gebliebenen Direktor des Amtsgerichts Bühl, Jürgen Früh. Und wenn man ihm gegenübersitzt, möchte man nicht meinen, dass es überhaupt Zeit für ihn sein könnte, in Pension zu gehen. Jedenfalls will er sich jetzt mehr Zeit nehmen für Literatur und natürlich auch ein bisschen mehr für die Betreuung der Enkelkinder.

2012 hatte er das Amt übernommen, und unter seiner Ägide war schließlich einiges bewegt worden. Das Haus hat inzwischen einen barrierefreien Zugang, es gibt ein Wartezimmer für die Prozessbeteiligten, und im Umgang mit den "Rechtssuchenden", wie er es formuliert, wird ganz besonders Wert auf die "richtige Grundeinstellung" gelegt: Freundlichkeit und Bürgernähe.

Nicht, dass die Mitarbeiter des Amtsgerichts nicht schon zuvor freundlich und zuvorkommend gewesen wären, aber Jürgen Früh sieht sich vor allem als Dienstleister, der hohe Standards schätzt. Um die zu gewährleisten, führte er mit seinen Mitarbeitern einmal im Jahr ein intensives Gespräch. Da war es für ihn auch ein großes Anliegen, die Juristensprache, deren Terminologie nicht stets reinstes und auch nicht immer verständliches Deutsch ist, allgemeinverständlicher zu machen.

Die Texte der vorgegebenen juristischen Fachanwendungsprogramme hat er nicht immer und überall akzeptiert, sondern eigene persönliche Muster entwickelt, "um für die Betroffenen verständlich rüberzukommen". Das fand vor allem seinen Niederschlag in seiner Tätigkeit als Betreuungsrichter, die er vornehmlich in den letzten Jahren ausübte.

Im Übrigen hat er sich immer als Ansprechpartner seiner Richter im Haus gesehen, die letztendlich auch alle - wie in jedem Beruf - sich einer Beurteilung stellen müssen, die gleichwohl ihre richterliche Unabhängigkeit nicht tangiert. Für diese Bewertung ist zwar der Landgerichtspräsident in Baden-Baden zuständig, doch ein Urteil vom Direktor des Amtsgerichts, der sporadisch den Verhandlungen beiwohnt, ist dennoch unerlässlich.

In den letzten zwei Jahren, klagt Jürgen Früh, habe man aufgrund einer Haushaltskonsolidierung erhebliche Stellenkürzungen hinnehmen müssen, und es gebe nun Nachwuchsprobleme vor allem bei den Rechtspflegern.

Dabei sei der Beruf des Rechtspflegers durchaus nicht unattraktiv. Er könne durch ein duales Fachhochschulstudium erlernt werden, und man verdiene auch nicht schlecht. Im Bereich der Richter hingegen habe sich die chronische Unterbesetzung gebessert.

Für das Jahr 2018 kann der Direktor auch schon mit Zahlen aufwarten, die - hochgerechnet - sich folgendermaßen darstellen: Es gab 1050 Zivilsachen und bei den Strafsachen 310 Anklagen, 525 Strafbefehle, davon 70 Einsprüche; außerdem 105 Bußgeldsachen und 700 laufende endgültige Betreuungen sowie 270 Neueingänge (Betreuungs- und Unterbringungsverfahren) und letztlich 1800 Zwangsvollstreckungssachen.

Ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin ist, wie es bei der Verabschiedung hieß, noch nicht in Sicht, aber er oder sie kann kommen. Das Haus ist gut bestellt.

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