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Satirischer Blick auf das deutsche Gemüt
Satirischer Blick auf das deutsche Gemüt
03.12.2018 - 00:00 Uhr
Bühl (ub) - Na das kann ja heiter werden! "Wir werden alle sterben - Panik für Anfänger" ist das Programm von Lutz von Rosenberg Lipinsky betitelt, einem Kabarettisten und Stand-Up-Komödianten, der zum ersten Mal im Schüttekeller zu Gast ist.

Sie kennen den Mann nicht? Sollten Sie aber, denn der Schnellsprecher hat es faustdick hinter den Ohren und beschert dem Publikum im knallvollen Keller zwei vergnügliche Stunden mit Frontalangriffen auf Lachmuskeln und Hirnzellen. Seine spitze Zunge macht vor nichts und niemandem Halt, natürlich auch vor Politikern nicht, denn die sorgen nicht unwesentlich für unsere Panikattacken. Bei Rosenbergs realsatirischem Blick auf das deutsche Gemüt, also das tiefe Tal des Jammerns und Lamentierens, ertappt sich der Zuhörer so manches Mal dabei, dass er davor auch nicht gefeit ist.

Der Deutsche meckert ja schon morgens beim Aufstehen. Zum Meckern gibt es vieles, also "lieber einen Krieg verlieren als die Fußballweltmeisterschaft." Des Kabarettisten Rezept gegen Panikattacken ist sicher und wirkungsvoll, die Bundeskanzlerin macht es doch vor. Einfach die Wirklichkeit nicht mehr wahrnehmen, und schwupps - schon wird man fröhlich! Andere Politiker wie Christian Lindner, "dieses Fleisch gewordene Brotmesser", haben dies noch nicht kapiert.

Bitterböse kann Rosenberg sein, seine unerbittlichen und treffsicheren Pointen schießen haarscharf ins Schwarze der bundesrepublikanischen Realität. "Die ganze Welt mag uns, nur wir selber mögen uns nicht. Das muss uns erst mal jemand nachmachen!" Sein satirischer Rundumschlag ersetzt gleich noch eine geschichtliche Lehrstunde. Die Angst vor terroristischen Anschlägen gab es früher nicht. Schon vergessen, der deutsche Herbst der 1970er Jahre? Ganz schlimm auch die Angst vor geflüchteten syrischen Männern, die eigentlich gar nicht richtig geflüchtet sind, sonst hätten sie dabei ihr hinderliches Gemächt zurückgelassen. Die Panik davor wird vor allem in Mecklenburg-Vorpommern geschürt, auch wenn dort die Chance größer ist, einem Wolf zu begegnen als einem Syrer.

Auch die Sachsen kriegen ihr Fett weg, es sind bedauernswerte Geschöpfe, die jahrzehntelang gar nichts hatten, nicht einmal richtige Vokale. Eigentlich sollte man sich eher vor Pegida fürchten, da es sich um alte, unbegleitete männliche Lehrer im Ruhestand handelt. Überhaupt die Lehrer. Die bräuchten keinen Urlaub. "Am Morgen machen sie Unterricht und danach Mittagsschlaf." Eines wird aber klar: Je schlechter die Nachricht, desto größer Verbreitung und Reaktion in den (un)sozialen Medien. Wir befinden uns in einer Daueraufregung, jeder muss ein latentes Bedrohungsgefühl mit sich herumschleppen und sofort posten.

Machen wir es doch lieber so wie Rosenbergs Pubertier. Sein Sohn verbrachte die sechs Wochen Sommerferien in statischer Tu-Nichts-Haltung. Der besorgte Vater trug sich schon mit dem Gedanken, ihn gelegentlich zu wenden, damit er nicht wund liege. Ja, wer mit Zwölf noch kein Burnout hat, ist völlig uncool. Mit flapsigen Sprüchen geizt der Kabarettist nicht, etwa mit dem Rezept für eine funktionierende langjährige Ehe: Kontaktarmut! Besser gefällt dem Badener noch diese Erkenntnis: "Woran erkennt man ein schwäbisches Kreuzfahrtschiff? Es fliegen keine Möwen hinterher!" Der Mann auf der Schüttekeller-Bühne strotzt vor Energie, geht locker auf Zwischenrufe ein, und der Zuhörer gewinnt leicht den Eindruck, dass jeder kabarettistische Auftritt etwas anders abläuft. Wäre ein Prädikat für diese wort- und sinngewaltige Darstellung der deutschen Befindlichkeiten zu vergeben - keine Frage: Besonders wertvoll.

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