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Auch das dritte Geschlecht wird gesucht
Auch das dritte Geschlecht wird gesucht
04.12.2018 - 00:00 Uhr
Bühl (sie) - In den Stellanzeigen der Stadt Bühl hat sich seit mehreren Wochen ein zusätzlicher, unscheinbarer Buchstabe eingeschlichen. So sucht die Verwaltung etwa einen "Sachbearbeiter Mietmanagement (W/M/I)" oder einen Standesbeamten (W/M/I). Das "I" steht für "intersexuell". Die Kommune signalisiert damit, dass die Stelle auch Personen offensteht, die sich weder als Frau noch Mann fühlen. Eine entsprechende Bewerbung ist im Rathaus allerdings noch nicht eingegangen.

Dass das "I" in den Stellenanzeigen auftaucht, ist Folge eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts vom Oktober 2017. Damals entschied der Erste Senat in Karlsruhe, dass es im Geburtenregister neben den Einträgen "männlich" und "weiblich" die Möglichkeit geben muss, ein drittes Geschlecht eintragen zu lassen. Das sei nötig, um die geschlechtliche Identität auch derjenigen zu schützen, die sich dauerhaft weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen lassen. Die Richter gaben dem Gesetzgeber bis Ende 2018 Zeit, diese Vorgabe umzusetzen.

Das ist zwar noch nicht geschehen, der Kommunale Arbeitgeberverband hat im Juli dieses Jahres aber trotzdem eine Empfehlung für seine Mitglieder veröffentlicht, bei Stellenanzeigen auch das dritte Geschlecht zu berücksichtigen.

Dem ist die Stadt Bühl im August gefolgt. Seitdem sind die Positionen in ihren Stellenanzeigen nicht mehr nur mit zwei, sondern mit drei Buchstaben versehen. "Wir wollen alle Menschen ansprechen", sagt Daniel Bauer, Abteilungsleiter des Personalwesens.

Andere Arbeitgeber verwenden ein "D" für "Divers", manchmal ist auch ein "X" zu sehen. "Wir haben das intern besprochen und fanden das ,I' geläufiger", erklärt Bauer. Wenn das von den Verfassungsrichtern angemahnte Gesetz und damit verbindliche Kennzeichnungen vorlägen, werde die Stadt ihre Anzeigen gegebenenfalls daran anpassen.

Unter den Bewerbern auf eine der Stellenanzeigen seit August war allerdings noch niemand, der sich dem dritten Geschlecht zurechnet. Bauer ist zwar selbst gespannt auf eine solche Premiere, betont aber gleichzeitig: "Es würde keinen Unterschied machen. Für uns ist der Mensch und nicht das Geschlecht entscheidend."

Grundsätzlich laufen laut dem Personalchef Bewerbungen bei der Stadt Bühl noch klassisch ab. Während manche Konzerne auch aus Angst vor Diskriminierungsklagen auf anonyme Verfahren ohne Namen und Foto setzen, landen im Rathaus in der Regel Mappen und Unterlagen nach konventionellem Schema. "Es ist aber auch immer wieder mal eine Bewerbung ohne Foto dabei", schildert Bauer seine Erfahrungen. Das mindere die Chancen des Bewerbers überhaupt nicht. "Für mich spielen die Motivation und der Lebenslauf die entscheidende Rolle", betont Bauer.

Dass zusätzliche "I" in den Stellenanzeigen empfinde er auch als einen Ausdruck spannender Findungsfragen, in denen sich die Gesellschaft bewege. Für die Stadt als Arbeitgeber sei aber klar: "Wir wollen niemanden ausschließen."

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