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Forstwirtschaft stellt sich auf Klimawandel ein
Forstwirtschaft stellt sich auf Klimawandel ein
13.12.2018 - 00:00 Uhr
Von Edith Horcher

Bühlertal (eh) - War der Gemeindewald in den zurückliegenden Jahren stets eine stabile Einnahmequelle, so könnte sich das künftig infolge des Klimawandels ändern. Immer wärmere und trockenere Sommer begünstigen Schädlingsbefall wie den Borkenkäfer, so dass außerplanmäßig Holz eingeschlagen werden muss, für das geringere Preise erzielt werden. Erstmals muss die Kämmerin für 2017 ein Defizit von 8 000 Euro bilanzieren, wo eigentlich ein Gewinn von 10 000 Euro stehen sollte.



Das Defizit ist auch buchungstechnisch bedingt. Größere Erlöse können erst dem laufenden Haushalt zugerechnet werden. Der Bühler Leiter des Kreisforstamts, Kay Karius, und der zuständige Förster Klaus Vollmer, präsentierten in der Ratssitzung am Dienstag das Jahresergebnis des Forstwirtschaftsjahres 2017 und stellten die Planungen für 2019 vor.

Neun Prozent betrug 2017 der Anteil sogenannter zufälligen Nutzungen. Dies bezeichnet den Holzverkauf, der durch Naturereignisse wie Sturm, Pilzbefall oder Dürre anfällt. Verglichen mit 2016 habe sich dieser Anteil mehr als verdoppelt, so Karius. Der Grund liege ausschließlich in Schäden durch Borkenkäfer, die durch warme und trockene Sommer begünstigt würden.

Die Gesamteinnahmen lagen 2017 bei 288 000 Euro. Karius betonte, dass auch die Ausgaben von rund 296 000 Euro deutlich unter den geplanten Ausgaben von 307 000 Euro geblieben seien. Der von den gemeindeeigenen Waldarbeitern aus Bühlertal und Ottersweier erbrachte Einschlagsanteil sei um zehn Prozent auf 27 Prozent gesunken. Im Gegenzug stieg die Vergabe an Unternehmen um elf Prozent. Der gesamte Holzeinschlag liege mit 3 794 Festmetern zwar um rund 500 Festmeter über dem Vorjahr, entspreche aber dem Niveau des von der Forsteinrichtung festgelegten nachhaltigen Hiebsatzes.

Außer in den Verjüngungsbeständen im Sickenwald habe sich die Wildschadensproblematik entspannt. Mit unterstützenden Maßnahmen der Jagdpächter könnten die waldbaulichen Ziele auf Dauer erreicht werden. Durch die 2017 erfolgte Neuverpachtung erwarte man Verbesserungen. Im Waldhägenich seien auf 0,5 Hektar Stieleiche, Erle und Linde gepflanzt worden.

Eine erhebliche Arbeitsbelastung für den Revierleiter sei die Mitbetreuung von kleinen Privatwaldflächen. Diese 350 Hektar seien auf 1 700 Flurstücke verteilt.

2019 ist ein Holzeinschlag von 3 800 Festmetern geplant. Gebe es mehr zufällige Nutzungen, werde man die geplanten Hiebe entsprechend zurückfahren, kündigte Karius an. Schwerpunkte seien in den Distrikten Rotenberg, Windeck und Sickenwald. Es werden Holzerlöse von 255 000 Euro erwartet. Bis zu 350 Festmeter sollen als Brennholz für den örtlichen Brennholzbedarf bereitgestellt werden. Auf einer Fläche von 6,6 Hektar soll Jungbestandspflege erfolgen.

Die Herausforderungen, vor welche Klimaveränderung und Schädlingsbefall die Waldwirtschaft künftig stellen, bestimmte die Debatte. Karius betonte, dass der Anteil der zufälligen Nutzungen 2018 bei 50 Prozent liegen könne. Vieles sei nicht einschätzbar, infolge dessen auch die Erlössituation. Er rechne 2018 mit weiter sinkenden Nadelholzpreisen, da überall wegen Käferbefall mehr Holz eingeschlagen werden müsse. "Der Holzmarkt ist schwach. Ein Überschuss von 20 000 Euro ist fraglich."

Stephan Seiler (FBV) erkundigte sich nach dem Stand des Borkenkäfer-Monitorings. Vollmer erklärte, dass man die bekannten Befallsherde über den Winter genau beobachten werde, um dann im Frühjahr über die notwendige Strategie zu entscheiden. Man wolle möglichst alle befallenen Bäume rausholen, da der Käfer unter den Rinden überwintere. Man hoffe auf einen feuchten Sommer.

Thema war auch die Käferbekämpfung im Privatwald. "Wir können nur an die Besitzer appellieren, genau zu beobachten und rechtzeitig zu handeln. Wir unterstützen, wo es nötig ist", so Karius. Diesem Appell schloss sich Bürgermeister Hans-Peter Braun an.

Peter Ganter (SPD) und Andreas Karcher (FBV) erkundigten sich nach Strategien der Forstwissenschaft angesichts des Klimawandels. Durch Naturverjüngung nach Schadensereignissen sei der Umbau hin zu mehr Tanne und Laubwald schon seit Jahren in vollem Gange, erklärte Vollmer. Matthias Seebacher (CDU) unterstrich die wichtige Erhol- und Schutzfunktion des Waldes.

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