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Atemlos durch die feinstaubfreie Stadt
Atemlos durch die feinstaubfreie Stadt
31.12.2018 - 00:00 Uhr
Januar

berbürgermeister Hubert Schnurr bittet am 10. Januar zum Neujahrsempfang ins Bürgerhaus. Erstmals präsentiert sich der Musentempel mit frisch geschliffenem Parkett und neuer Bestuhlung. Die über 1 000 Gäste kommen aber nicht wegen des neuen Mobiliars, sondern sie interessiert nur eine Frage: Tritt Hubert Schnurr noch einmal an? Die OB-Wahl findet am 13. Oktober statt. Schnurr bleibt eine Antwort schuldig: Er müsse zunächst noch Gespräche mit seinen Amtsvorgängern Striebel, Helbing und Wendt führen, auf deren Rat er allergrößten Wert lege. Seine Entscheidung wolle er beim Wassersuppenessen am Schmutzigen Donnerstag bekanntgeben.

Februar

er Schmutzige Donnerstag ist gekommen. Der Friedrichsbau kann die neugierigen Bürger, die teilweise wie in besten Aldi-Zeiten in Zelten übernachtet haben, kaum fassen. Daraufhin werden alle Narrenvereinigungen des Saales verwiesen. Sie dürfen die Erbsensuppe mit Wienerle dafür sinnigerweise beim Narrenbrunnen einnehmen. Als Oberbürgermeister Hubert Schnurr zum Mikro greift, ist der Friedrichsbau rappelvoll. Reporter von ARD, ZDF, Phönix, n-tv, BBC und CNN übertragen live unter "Breaking News". Hubert Schnurr berichtet von "wahren Bettelbriefen", die er aus allen gesellschaftlich relevanten Schichten erhalten habe. Sie hätten ihn für eine Wiederkandidatur geradezu bekniet und angefleht; allen voran die "Bürgerinitiative zum Schutz der Oase beim Kinder- und Familienzentrum". Die Bewohner des Seniorenwohnheims St. Elisabeth starten eine Unterschriftensammlung pro Schnurr, ebenso die Schnurrantinnen der Alt Bühler Wirtshausfastnacht. Aus der Schweiz kommt ein aufmunterndes Telegramm von einem gewissen Dr. S. Der Kunstsammler hat in eine Glaskugel geschaut und sieht den Amtsinhaber bei der Wahl am 13. Oktober haushoch vorne. "Solch ein verdienter Politiker verdient einfach Bestandsschutz", schreibt er glaubhaft.

März

m Rastatter Landratsamt steht die ebenfalls mit Hochspannung erwartete Landratswahl an. Es wird gewählt, gezählt, aber am Ende gibt es keinen Gewinner. Immer wieder Patt zwischen zwei Bewerbern in der Stichwahl. Schließlich ergreift der Bühler OB das Wort und richtet an seinen Freund Bäuerle persönliche Worte: "Lieber Jürgen, wenn ich weitermache, der Uli Hoeneß, Karlheinz Rummenigge und Frank Ribery, dann gilt das auch für Dich. Außerdem kannst Du dann als Landrat endlich die Ost-Anbindung des Baden-Airparks an die A5 und den Restabbruch der Hundseck-Ruine vollenden."

April

as hätte sich der auf Industriehallen spezialisierte Architekt auch nicht träumen lassen: Das neue Feuerwehrhaus West in Balzhofen erhält für seine herausragende Architektur den Hugo-Häring-Preis. Die Jury zieht Vergleiche mit der Hamburger Elbphilharmonie und dem Berliner Flughafen. Vor allem aber bewundert sie die Weitsicht, ein Feuerwehrhaus inmitten eines Hochwasserrückstau gefährdeten Gebiets zu platzieren. Auch die Fassade wird gelobt: "Das sind alles nur keine "K(l)inkerlitzchen." Als Dankeschön verpflichten sich die Aktiven aus Balzhofen, Vimbuch und Oberweier, bei jedem Alarm erst einmal einen Hugo reinzuschütten. Die städtische Musikschule unterlegt das schrille Martinshorn mit einem Liedtext. Aus der Pressluftfanfare tönt es ab sofort: "Tatütata, die Hugos sind endlich da!" Der Hugo-Konsum hat einen weiteren, unschätzbaren Vorteil: Häuser oder Autos brennen durch die Atemluft der Florian- und Enzianjünger komplett und ohne Rückstände ab. Die Gebäudeversicherungen senken als Gegenleistung für den Einsatz von rückstandslosen Brandbeschleunigern die Prämien.

Mai

m Weitenunger Baggersee wird die öffentliche Badestelle eröffnet. Der Besucheransturm sprengt jegliche Vorstellungskraft. Als Folge beschließt der Ortschaftsrat, den Sportplatz zu einem Parkplatz zurückzubauen. Das Clubhaus wird eine DLRG-Rettungsstation und im Winter als Sauna-Club genutzt. Der Rheinmünsteraner Bürgermeister Helmut Pautler zählt zu den Stammgästen und erwirbt eine Saisonkarte, zumal gerade die Grefferner Schwimmhalle saniert wird. Auch der Bühlertäler Gemeinderat verfolgt den Badeboom in Weitenung und beschließt, das Bühlot-Bad doch nicht zu sanieren und stattdessen zu einem Kneippbecken umzufunktionieren. Eine Bürgerinitiative erwirkt zudem, dass am Weitenunger Baggeresse der Kiesabbau eingestellt wird. Der Lärm des Schwimmbaggers sei den Badegästen nicht zuzumuten. Auf Forderung von BUND und Nabu soll Weitenung eine eigene Autobahnausfahrt bekommen. Außerdem sollen rund um den Baggersee sämtliche Bäume gefällt und ein FKK-Bereich geschaffen werden. Der geplante Radweg entfällt und wird durch eine dreispurige Schnelltrasse über Leiberstung und Schiftung direkt in den Baden-Airpark ersetzt.

Juni

raditionell nimmt die Pfarrgemeinde St. Peter und Paul am Pfingstmontag ihre Fahrzeugweihe vor. Sie findet erstmals auf dem neu gestalteten Markt- und Kirchplatz statt. Das Pfarramt bietet hierfür über seine Erstkommunikanten und Firmlinge ein Komplettpaket an: Ölwechsel, Vollbetankung, Batterieaufladung, Unterbodenwäsche, Auspuffreinigung, Tacho-Halbierung und blaue Dieselplakette. Fahrzeugsegnung und Weihrauch-Imprägnierung sind im Preis inklusive. Die Resonanz ist überwältigend. Der Markt- und Kirchplatz kann die Hunderte von Fahrzeugen gar nicht bewältigen. Es bilden sich Schlangen bis zum Europaplatz, auch der Johannesplatz ist komplett zugeparkt. Erschienen sind so gut wie alle Gebrauchtwagenhändler der Region, ferner Mietparks mit ihren Baumaschinen, die Schlepperfreunde Mittelbaden und der Allgemeine Trabi-Club Deutschland. Am Ende kommen im Klingelbeutel so viele Euro zusammen, dass ein gepanzerter Geldtransporter angefordert wird, der aus Sicherheitsgründen bis in die Sakristei vorfährt. Stadtpfarrer Wolf-Dieter Geißler will die Fahrzeugweihe fest etablieren und verspricht bei anhaltendem Erfolg die Abschaffung der Kirchensteuer für Bühler Gläubiger.

Juli

etzt also auch Bühl: Die Deutsche Umwelthilfe, der größte Volksvermögenvernichtungsverein aller Zeiten, fordert von der Stadtverwaltung ein Fahrverbot im Bereich des Rathaus-Minikreisels. Die Folgen sind verheerend: Ab sofort ist die Außenbewirtung in einem direkt angrenzenden Kaffeehaus einzustellen. Aber auch in der Schwanenstraße und auf dem Johannesplatz darf unter freiem Himmel nicht mehr bedient werden. Die Umweltzone betrifft aber auch den Markt- und Kirchplatz. Der Wochenmarkt, das Weindorf (Zwetschgenfest), der Bauernmarkt und der Adventsmarkt müssen in die Ulrika-Nisch-Kapelle verlegt werden. Außerdem dürfe in Bühler Haushalten und Büros nicht mehr geputzt werden, und auch die Straßen werden nicht mehr gereinigt. Feinstaubalarm!

OB Schnurr und sein Beigeordneter Wolfgang Jokerst widersetzten sich einer Umsetzung mit dem Hinweis auf den Klimopass und schalten den Bühler Bundesverwaltungsamtsgerichtshof ein. In einem Eilantrag hebt dieser die Forderung der Deutschen Umwelthilfe auf. Mehr noch: Er verhängt ein dauerhaftes Fahrverbot für sämtliche Elektrofahrzeuge im gesamten Bühler Gerichtsbezirk. Die umweltfreundliche Produktion von Batterien, vor allem aber deren Entsorgung sei nach wie vor unbefriedigend. Die Richter empfehlen vielmehr staatliche Prämien beim Kauf von Dieselfahrzeugen.

August

er neue Kunstrasenplatz im Hägenich ist fertig und ab sofort bespielbar. Das städtische Umweltamt hat eine kongeniale Idee und stuft den Kunstrasen als Ausgleichsfläche für die Baumrodung auf dem Kifaz-Gelände ein. Der Klimopass der Stadt sieht zwei zusätzliche Planstellen für einen exakten ökologischen Rasenschnitt vor. Die Ökopunkte werden dem VfB Bühl gutgeschrieben, der damit noch vor dem ersten Pflichtspiel als Meister feststeht und in die Verbandsliga aufsteigt.

September

wetschgenfest-Wirt Jürgen Kohler landet einmal mehr einen großen Coup: Nach dem Lederhosenabend mit den "Toten Hosen" und Frontmann Campino folgt ein Schlager- und Volkslieder-Festival. Moderator Tim Oliver alias Peter Hirn ("Liebling, dreh' die Uhr zurück") macht es lange spannend, ehe er die Überraschungsgäste auf der Zeltbühne präsentiert. Als der Vorhang fällt, erscheinen doch tatsächlich Gotthilf Fischer und Florian Silbereisen. Das Feuilleton großer überregionaler deutscher Zeitungen und Magazine feiert das neue Traumpaar der deutschen Schunkel-Willkommenskultur.

Oktober

ei der Beseitigung der Wohnungsnot macht die Stadtverwaltung ernst und beschlagnahmt das Schlosshotel Bühlerhöhe, das Hotel Plättig sowie die Kurhäuser Sand und Hundseck. Die Hausmeistertätigkeit wird europaweit ausgeschrieben. Den Zuschlag erhält das Technische Hilfswerk, Ortsverband Bühl. Er verfügt über schweres technisches Gerät und ist auf Gebäudesicherungsmaßnahmen spezialisiert. Außerdem unterhält das THW eine Hundestaffel, die speziell auf die Suche von Verschütteten ausgebildet ist.

November

ange nichts mehr gehört vom Fahrsicherheitszentrum im Baden-Airpark. Nach dem Rückzug von Namenssponsor LuK/Schaeffler ändern sich auch die Voraussetzungen für die Zulassung von Nutzern und Testern. Die Strecke soll großzügig für die Formel-E-Serie unter Einbeziehung sämtlicher Straßen von Stollhofen und Schiftung ausgebaut werden. Auch Ryanair-Chef Michael O'Leary zeigt sich neugierig und lässt sich zum ersten Rennen extra einfliegen. "Das ist ja wahnsinnig irre!", meint der Ire anerkennend. Er kündigt an, dass mit dem neuen Sommerflugplan auf dem Baden-Airport nur noch autonom lenkende Elektroflugzeuge abheben und landen werden.

Dezember

ubert Schnurr wird im Rahmen des Adventsmarkts am Glühweinstand der CDU durch Landrat Bäuerle für eine weitere Amtszeit als Bühler OB verpflichtet. Der Kappelwindecker Musikmanager Lothar Böhler ist für das Rahmenprogramm zuständig und hat einen Weltstar engagiert: Helene Fischer. Diese bedankt sich artig und meint: "Es ist mir eine Ehre, in der Stadt, in der mein Ur-Opa August Fischer den UHU-Alleskleber erfunden hat, auftreten zu dürfen." Hubert Schnurr zeigt sich gerührt und überreicht Helene als Gruß der Bühler Feuerwehr die St.-Florian-Medaille. Danach ziehen Schnurr und Fischer atemlos durch die feinstaubfreie Stadt. Gerold Hammes

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