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"Projekt keine One-Man-Show"
05.01.2019 - 08:11 Uhr
Achern - Die Acherner blicken gespannt auf das, was am Campingplatz samt Seehotel in den kommenden Jahren entstehen soll. Projektentwickler Jürgen Grossmann hat 2018 beides gekauft, um daraus eine touristische Attraktion zu machen. Im Interview mit Matthias Heidinger lässt er einiges durchblicken.

BT: Herr Grossmann, Sie, beziehungsweise Ihre neu gegründete Achernsee GmbH sind nun Besitzer von Campingplatz und Seehotel in Achern. Wir gratulieren! Wie oft waren Sie 2018 dort?

Jürgen Grossmann: Recht oft, nachdem die Familie Koufali den Campingplatz führt und ihr Restaurant mit original griechischer Küche dort eröffnet hat. Wir haben auch unser Büro-Sommerfest dort gefeiert und natürlich gab es das ein oder andere Meeting sowie Gespräche mit Frau Wollitzer von der Interessengemeinschaft Campingfreunde.

Interview

BT: Ist Ihnen bewusst, dass Sie mit dem Seehotel einem Areal eine Zukunft gegeben haben, das 20 Jahre lang in quasi jeder Haushaltsrede als Klotz am Bein und Schandfleck bezeichnet wurde?

Grossmann: Ja, das weiß ich.

BT: Hat sich schon jemand aus Achern dafür bedankt?

Grossmann: Das erwarte ich nicht. Wenn wir mit der Entwicklung fertig sind, wird sich das vielleicht ergeben.

BT: Stimmt es, dass Sie das Hotel bereits seit zwölf Jahren im Blick hatten?

Grossmann: Nein, zwölf Jahre sind nicht genug. Wahrscheinlich sind es eher 20.

BT: Wird das alte Ding abgerissen?

Grossmann: Das kann ich nicht abschließend beantworten. Mein Wunsch wäre es, das Gebäude zu erhalten. Es war früher ein Ort, zu dem die Leute gerne hingegangen sind. Es abzureißen, weil es keine Pflege bekommen hat, fände ich schade.

BT: Sie entwickeln das Gelände nun mit Ihren Kollegen Sami Hadi und Svet Ivanoff. Für welchen Bereich sind Sie selbst dabei zuständig?

Grossmann: Mein Job ist es, die richtigen Leute an den Start zu bekommen. Solch ein Projekt ist keine One-Man-Show oder etwas für die drei Musketiere. Ich arbeite seit fast 30 Jahren in der Branche und habe ein Netzwerk an motivierten Begleitern, die ich zu einem Team zusammenstelle, das in allen Disziplinen erfolgreich agieren und solch ein Projekt bewegen kann. Meine beiden Partner unterstützen mich dabei: Svet Ivanoff ist tendenziell mehr in der Kreativphase engagiert, Sami Hadi in der Realisierungsphase.

BT: Können Sie uns schildern, was Sie auf den beiden Flächen in etwa vorhaben?

Grossmann: Wir wollen das Areal als gesamtheitliches Konzept entwickeln. Dies beinhaltet Camping für Gäste und Dauercamper, ein Feriendorf und Hotel. Dabei erhalten wir die aktuellen Nutzungen und ergänzen diese mit neuen Formen wie Tiny Houses. So wollen wir den Dauercampern und neuen Zielgruppen gerecht werden und das Gebiet in die Zukunft führen.

BT: Welche Vorbereitungen und Gutachten sind dafür notwendig - jetzt, wo Ihnen alles gehört?

Grossmann: Für das Gebiet wird durch die Stadt Achern ein Bebauungsplan aufgestellt. Für den müssen die notwendigen Gutachten erstellt werden, etwa im Bereich der Umwelt, im Hinblick auf die Lage, den Boden und das Gewässer. Des Weiteren müssen wir das Bestandsgebäude des Seehotels untersuchen lassen. Nur so ergibt sich auch für uns ein komplettes Bild der Situation.

BT: Bis wann wollen Sie Pläne vorlegen, mit denen sich der Acherner Bauausschuss befassen kann?

Grossmann: Der nächste Schritt ist der Aufstellungsbeschluss. Damit wird die Planungsphase eingeleitet. Hierzu werden wir externe Unterstützung benötigen und sind mit Stadtplanern im Gespräch. Wir hoffen, dass der Aufstellungsbeschluss Anfang 2019 gefasst wird.

BT: Wie viele Projekte betreuen Sie parallel mit Ihrer Grossmann Group und wie viel Zeit widmen Sie Achern?

Grossmann: Es dürften um die 20 Projekte sein. Dazu muss man aber wissen: Ich bin bei den Projekten involviert, die sich in der Akquisephase befinden, in der konkreten Planung und in der Umsetzung. Möglich ist das, weil ich ein Top-Team habe, auf das ich mich hundertprozentig verlassen kann, so dass ich im Wesentlichen über vorbereitete Themen entscheiden kann.

BT: Gibt es in Achern für Sie noch andere interessante Objekte?

Grossmann: Mit meinen Partnern habe ich mich für die Revitalisierung der alten Reithalle beworben. Dass unser Herz für die Illenau schlägt, dürfte bekannt sein und so ist es naheliegend, dass wir dieses Projekt gerne machen würden.

BT: Wie bei jedem größeren Projekt gab es auch beim Campingplatz Mahner, Warner und Kritiker. Manche Stadträte sagen, die Stadt hätte den Campingplatz nie verkaufen dürfen, die Dauercamper sorgen sich. Können Sie es allen recht machen?

Grossmann: Mahner gibt es überall, und ich erinnere mich sehr gut daran, wie mir ein Stadtrat aus Achern prophezeite, dass ich daran pleite gehen würde, als wir damals den Nordflügel der Illenau projektierten. Unser Engagement damals war der Startschuss zur baulichen Entwicklung des Areals. Und dennoch gab es auch damals Mahner, die die Illenau abreißen wollten. Die Namen nenne ich Ihnen nicht, sie würden sich heute wahrscheinlich für ihre damalige Meinung schämen.

BT: Da schwingt ein wenig Stolz mit?

Grossmann: Ich komme gerne auf Ihre vorherige Frage zurück, ob mir gedankt wurde. Der Erhalt der heutigen Illenau basiert, neben großem bürgerlichen Engagement und einer klugen Verwaltungsstrategie, auch auf unserem planerischen Engagement, verbunden mit einer komplizierten Auseinandersetzung mit der Denkmalschutzbehörde. Das fand in den umfangreichen Berichterstattungen leider wenig Würdigung, auf das Ergebnis bin ich dennoch sehr stolz.

BT: Die Kritik ist leiser geworden.

Grossmann: Dass keiner etwas besser weiß und alle zufrieden sind - das gibt es in meiner Branche eigentlich nie. Unser Bestreben dürfte man aber daran erkennen, dass aktuell alle ursprüngliche Kritik verstummt ist und eine durchweg positive und deutlich verbesserte Stimmung am Campingplatz Achern zu finden ist.

BT: Welche Erfahrung haben Sie in der Gestaltung eines Campingplatzes, woher holen Sie sich Inspiration?

Grossmann: Nachdem für mich klar war, dass wir dieses Projekt angehen, habe ich mit meiner Familie in Australien die komplette Ostküste mit einem Wohnmobil bereist. Wir sind rund 3 000 Kilometer von Campingplatz zu Campingplatz gereist. Danach waren wir für weitere 2 000 Kilometer noch in Neuseeland. Das war zwar anstrengend, aber interessant und hat mich sehr inspiriert und motiviert.

BT: Wie viele Sterne soll der Campingplatz einmal haben? Aktuell sind es drei von fünf. Und auch der andere Beherbergungsbereich: eher fünf oder drei Sterne?

Grossmann: Um fünf Sterne zu erreichen, muss nicht vieles, sondern alles stimmen. Zwar ist die Lage am See toll und letztendlich auch meine Motivation. Allerdings ist die Nähe zur A 5 und die leider etwas zu kurz geratene Schallschutzwand ein Grund, der die fünf Sterne in den Sternen schweben lässt. Uns ist es wichtig, wie bei jedem Projekt, das Bestmögliche mit den gegebenen Voraussetzungen zu erreichen.

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