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Messerscharfe Wortkaskaden
Messerscharfe Wortkaskaden
15.01.2019 - 00:00 Uhr
Bühl (ub) - Kleinkunstbühne heißt auch, dass ruckzuck ausverkauft ist. Rüdiger Schmitt, Programmchef des Bühler Schütte-Kellers, weiß dem Problem insofern zu begegnen, indem er einen angesagten Kabarettisten gleich an zwei Abenden auf die Bühne bittet. So hat also Philipp Weber quasi zwischendurch einen Wellness-Aufenthalt in der Zwetschgenstadt und darf seine frechen Spitzfindigkeiten im Doppelpack präsentieren.

Und die haben es in sich. Würden all die Lachtränen zusammengenommen, die an diesem Wochenende im Keller der "bösen Worte" flossen, wäre locker die Bühlot über die Ufer gelaufen. Weber könnte auch gut als Chirurg durchgehen, so messerscharf sind seine kabarettistischen Wortkaskaden. "Da bin ich mal gespannt, was der von der Presse schreibt", meint er, und da hat er recht, denn man kommt kaum nach, seinen linguistischen Einfällen zu folgen.

Der aus dem Odenwald entflohene Weber ist nämlich der Derwisch der Kleinkunstbühne, der Wort-Sprintakrobat der Szene, frei nach Immanuel Kant: "Habe den Mut dich deines Zwerchfells zu bedienen!" Bei seinem aktuellen Programm "Weber Nr. 5" wird dieses immens strapaziert, und Weber spart dabei nicht mit intelligentem Witz.

Das Bühnenbild darob ist ziemlich spartanisch: Ein einziger Kneipenstuhl, der schon bessere Zeiten gesehen hat, dient ihm als Requisite. Wobei der eigentlich meist im Weg herumsteht, denn Weber ist dauernd auf Achse und hat an diesen zwei Abenden wohl weitaus mehr Kilometer zurückgelegt als ein durchschnittlich sportlich begabter Mitarbeiter dieser Zeitung in einem Monat. Weber hüpft über die Bühne wie ein südafrikanischer Springbock und zitiert dabei Shakespeare und andere Vorgänger seiner Bühnenkunst mit lästernder Zunge.

Besucher der vorderen Reihen werden dabei nicht geschont: "Ich brauche solch' ein Publikum mit sichtlichem Niveau!" Nun gut, "auf einem kranken Kopf sprießt kein gesundes Haar". Weber entzieht sich keinem noch so heiklen Thema: "Religionen nehmen uns die Angst!" Und irgendwie kriegt man das Gefühl nicht los, dass solche Kabarettisten, wie es dieser Odenwälder ist, Medizin zum Überleben in dieser chaotischen Welt darstellen. Bei ihm heißt es "Antidepressiva bei Menstruationspausen". Kann aber auch bei Männern funktionieren.

Wenn er über sein Hauptthema des aktuellen Programms nachdenkt, das mit "Manipulation" überschrieben ist, denkt der Besucher dieses Abends der intelligenten Worte auch an die AfD. Ja genau, Weber kann auch politisch sezieren. Da hätten wir also jenes Bundesland, aus der die Noch-Kanzlerin stammt. Furchtbare Angst vor Flüchtlingen beherrscht die Gefühlslage der "Ureinwohner". Das Blöde dabei ist, dass dort kaum einer der vor Kriegen Geflüchteten Asyl beantragt. Was Weber scheinbar und leider erkannt hat, ist das Stimulanzbedürfnis des Deutschen. Den Rechtsruck haben aber auch andere für sich entdeckt: Südtiroler, Einwohner der völlig überbevölkerten Färöer-Inseln, alle wollen irgendwie unabhängig sein.

Der Bühler an sich ist es ja eh' schon und genießt diesen Abend mit Philipp Weber in Koinzidenz mit seinem intelligenten Wortwitz. "Ohne Euch wäre der Abend ganz anders verlaufen!" Da hat er recht. Ohne den Besuch seines Programms hätte man ziemlich viel verpasst.

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