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Deutschland gibt ein Gefühl von Freiheit
25.01.2019 - 00:00 Uhr
Von Marvin Lauser

Bühlertal - Schneemänner bauen, Schlittenfahren oder Winterspaziergänge: Für viele Menschen sind solche Aktivitäten zu dieser Jahreszeit ganz normal. Nicht so für die 16-jährige Ariadna Valdés Saucedo. Die Mexikanerin lebt seit September als "Tochter auf Zeit" bei Familie König in Bühlertal. Schnee hat sie im November bei einem "sehr coolen" Ausflug nach Freudenstadt zum ersten Mal gesehen. Und auch sonst ist für den Teenager in Deutschland vieles anders.

"Ich bin sehr glücklich hier", sagt Ariadna. Das hat auch mit den Freiheiten zu tun, die sie bei ihrem Aufenthalt in Mittelbaden "anders als zu Hause" genießt. Sie fährt mit Bus und Bahn, besucht befreundete Austauschschüler in Karlsruhe und reist mit dem Fernbus allein durch die Republik, um andere Städte und Gegenden Deutschlands kennenzulernen. In ihrer Heimat Saltillo, einer 725 000-Einwohner-Stadt im Norden Mexikos, sei dies nicht ohne weiteres möglich (siehe "Zum Thema").

Dass auch hier mal etwas schiefgehen kann, wenn man allein unterwegs ist, hat Ariadna gemerkt, als sie von Karlsruhe nach München fahren wollte und fälschlicherweise in einen Fernbus nach Münster eingestiegen ist. "Ganz aufgeregt hat sie dann angerufen", berichtet ihre Gastmutter Katrin König. "Glücklicherweise wohnen Verwandte von mir in Coesfeld im Münsterland, bei denen Ariadna unterkommen konnte", fügt sie an.

In ihrer Heimat geht Ariadna, die von ihren Freunden "Ari" genannt wird, auf das Colegio Americano, eine amerikanische Privatschule. Dort spielt sie American Football auf der Position des Wide Receiver. Außerdem ist sie Synchronschwimmerin. In Bühlertal und Umgebung muss die Lateinamerikanerin mangels Angebot aktuell darauf verzichten. Beim TV Bühl hat sich die Austauschschülerin des Windeck-Gymnasiums im Volleyballspielen versucht, das sei aber "nicht ihre Sportart" erklärt sie im BT-Gespräch.

Lob hat sie dagegen für ihre Bühler Schule übrig: "Mir gefällt es hier", betont Ariadna, fügt aber an: "In Mexiko gefällt mir der Stundenplan besser." Die Nachmittage, so erklärt die Schülerin der Kursstufe eins, seien an ihrer Highschool für Sport-AGs geblockt. Ein weiterer Unterschied sei das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern. "In Deutschland sind die Lehrer Respektspersonen, in Mexiko ist die Beziehung eher freundschaftlich", erklärt Ariadna. Königs 15-jähriger Sohn Felipe, der mit seinem Wunsch, ein Jahr nach Argentinien zu gehen, Ariadna das freie Zimmer überhaupt erst ermöglicht hat, bestätigt das.

"Das Jahr vergeht



viel zu schnell"

Die zwölfjährige Milena Conde König, die außer Felipe noch einen leiblichen und einen Stiefbruder hat, freut sich über ihre neue Freundin. Beide verstehen sich trotz des Altersunterschieds sehr gut, auch weil Milena fließend Spanisch spricht. Einziger Wermutstropfen: "Das Jahr vergeht viel zu schnell", findet Milena.

Heimweh hat Ariadna nur "ein bisschen". Über WhatsApp bleibt sie in Kontakt mit Freunden und am Wochenende skypt sie oft mit ihrer Familie. Was sie jedoch vermisst hat, waren die Feierlichkeiten rund um den "Dia de Muertos", dem Tag der Toten, der in Mexiko an Allerheiligen und Allerseelen groß gefeiert wird. Besonders gefehlt haben ihr der Blumenschmuck und Süßigkeiten wie Calaveras (kleine Totenköpfe aus Zucker) und das "Pan de Muerto" (Totenbrot), ein süßes Hefeteiggebäck.

Bei ihrem ersten Europa-Aufenthalt hat Ariadna erstmals Weihnachten ohne ihre Familie gefeiert. Anders als in Mexiko üblich, gab es in Bühlertal schon an Heiligabend und nicht erst am ersten Feiertag Geschenke. In Deutschland wird auch nicht "bei Karaoke bis in die Nacht getanzt", wie es Ariadna und ihre Familie machen. Bis heute nicht angekommen ist das Weihnachtsgeschenk von ihren Eltern aus Mexiko. Wie Familie König mittlerweile in Erfahrung gebracht hat, steckt das Päckchen in der Zollkontrolle fest. Kurioserweise liegt das Paket, das unter anderem getrocknetes Fleisch und Ariadnas Lieblingschips enthält, in der Bühler Partnerstadt Schkeuditz in Sachsen.

Dorthin wird es sie eher nicht mehr verschlagen. Nach ihrer Ankunft in Frankfurt am 16. August war sie für drei Wochen an der Universität Erfurt bei einem Deutschkurs. Auch in Heidelberg, Köln und Straßburg war sie schon. Geplant sind bis zu ihrem Rückflug am 5. Juli noch ein Ausflug in den Europa-Park, vier Tage in Berlin und eine einwöchige Kulturreise nach Prag. Mit ihrer Gastfamilie geht es in den Pfingstferien nach Kroatien. Ariadna wird also einiges zu erzählen haben, wenn ihre Eltern sie am Flughafen der Millionenstadt Monterrey abholen.

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