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Ein Bohrloch lehrt das Fürchten
28.01.2019 - 00:00 Uhr
Von Joachim Eiermann

Bühl - 40 Jahre sind vergangen, seit in Bühl bis zu 2 700 Meter tief nach heißem Wasser gebohrt wurde. Das Geothermie-Forschungsprojekt "Bühl 1", mit Hilfe von Zuschüssen des damaligen Bundesenergieministeriums angestoßen, sollte Thermalwasser für ein größeres Wärmeheizkraftwerk erschließen. Doch es scheiterte. Geblieben ist ein größeres Loch mit 46 Zentimeter Durchmesser an der Erdoberfläche und 18 in der Tiefe, das der Stadtverwaltung inzwischen einige Sorgen bereitet.

"Es ist dringend angeraten, die Anlage daraufhin zu überprüfen, wie sicher sie ist", erklärt Jörg Zimmer, Leiter des städtischen Beteiligungsmanagements. Denn: "Der Bohrfuß ist schwer korrodiert, und die Manometer sind nicht mehr funktionstüchtig." Wie das Problem gelöst werden könnte und ob sich noch etwaige Perspektiven für eine regenerative Energiegewinnung ergeben, dazu laufen jetzt Untersuchungen. In seiner jüngsten Sitzung beauftragte der Gemeinderat eine Spezialfirma aus Celle mit geophysikalischen Messungen per Tiefensonde, angeboten zum Preis von 78 810 Euro. Das KIT Karlsruhe beteiligt sich zu Forschungszwecken an der Finanzierung des Projekts.

Folgende Optionen werden untersucht: Belassen oder Verfüllung des Bohrlochs, Teilverfüllung bei Einbau einer Erdwärmesonde oder gar eine Neuauflage des Geothermie-Projekts. Gegen letztere Variante spricht, dass 1982 trotz einer Nachbohrung und neuen Studien die Sache letztlich eingestellt wurde. Ein weiterer Anlauf in den 90er Jahren scheiterte angesichts geringer Erfolgsaussichten.

"Wir müssen jetzt bergbaurechtlich beweisen, dass das Bohrloch sicher ist", lässt Markus Benkeser, im Rathaus für Klimaschutz und Energie zuständig, wissen. 1983 hatte die Stadt die Geothermie-Bohrung übernommen. Sie stehe damit als Eigentümerin in der Pflicht, aus Sicherheitsgründen den technischen Zustand des Bohrlochs zu erkunden.

Die Verwaltung hat ein Ingenieurbüro aus Radolfzell damit beauftragt, eine Machbarkeitsstudie für eine Tiefenerdwärmesonde zu erstellen. Die technische Zustandserkundung der Bohrung wird von einer Firma aus Lichtenau (Hessen) betreut.

Das Bohrloch, das sich auf städtischem Grund in der Siemensstraße befindet, ist mit schwach mineralisiertem Wasser gefüllt und verschlossen. Die Fachleute vermuten, dass - entgegen dem maroden oberirdischen Zustand - kein Sauerstoffeintrag in die Bohrung erfolgt ist und deshalb nur sehr geringe Korrosionen der Verrohrung vorliegen.

"Höchste Zeit, dass wir das Thema angehen", meint Peter Hirn (SPD), der sich erinnert, dass die Bühler Fastnachter seinerzeit die Geothermie-Forscher auf die Schippe nahmen: "Bohre, bohre, nix als bohre."

"Wir haben keine andere Wahl", stimmt auch Margret Burget-Behm (CDU) der Auftragsvergabe zu. "Käme Thermalwasser rau s, wären wir Bad Bühl", sagte sie. Angesichts der durch Geothermie verursachten Gebäudeschäden in Staufen oder eines ausgelösten schwachen Erdbebens bei Basel sei das Loch aber auch zum Fürchten.

Derlei Befürchtungen wie die CDU-Chefin hegt kein weiterer Redner am Ratstisch. "Aber der Deckel muss repariert werden - ganz klar", attestiert Alfred Veith (FDP). Karl Ehinger (FW) lenkt den Blick darauf, dass die Rheinebene für eine geothermische Nutzung interessant sei. Jetzt gelte es vorrangig für Sicherheit zu sorgen, "nicht dass noch jemand ins Loch fällt", wie unlängst in Spanien. "Es wird Zeit, dass wir zum Ende kommen", meint Walter Seifermann (GAL) und fragt nach, was ein bergmännischer Verschluss gegebenenfalls kosten würde. Antwort Benkeser: "Etwa eine halbe Million Euro."

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