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In "verkehrserzieherischer Weise" unterwegs
In 'verkehrserzieherischer Weise' unterwegs
01.02.2019 - 00:00 Uhr
Bühl (bgt) - Einem 52-Jährigen war von der Staatsanwaltschaft Nötigung zur Last gelegt worden, denn er soll auf der Autobahn, nachdem er die Ausfahrt Achern genommen hatte, seinen Hintermann bewusst und vorsätzlich dermaßen stark ausgebremst haben, dass dem nur noch eine Vollbremsung übrig geblieben war, um eine Kollision zu vermeiden. Einen Strafbefehl, in dem er deswegen zu einer Geldstrafe verurteilt worden war, hatte er nicht akzeptiert, und so musste in einer mündlichen Verhandlung am Amtsgericht in Bühl die Sachlage geklärt werden.

Der Angeklagte legte sich sogleich wortreich und lautstark ins Zeug und erklärte Richter Hannes Schrägle, dass er überhaupt nicht begreifen könne, dass nun ausgerechnet er hier "an den Pranger" gestellt werden solle. Er habe sich als Fahrer für Bluttransporte noch nie etwas zuschulden kommen lassen. "Nur weil sie zu zweit im Auto waren und sich abgesprochen haben, bekomme ich eine Schuld zugewiesen". Er sei vollkommen "perplex" gewesen, dass er ("Obwohl ich doch gar nichts verbrochen habe") ganz plötzlich 2 000 Euro habe zahlen sollen und ihm auch noch zwei Monate der Führerschein entzogen werden sollte. Nach seiner Darstellung war es der Kläger, der ihm beständig zu nah aufgefahren sei, die Lichthupe unentwegt betätigt und ihn dann sogar rechts überholt habe.

Dass die weiße Weste, die der Angeklagte zu haben vorgab, doch nicht so weiß war, ergab einen Blick des Richters in das Fahreignungsregister, das fünf Einträge aufwies, unter anderem wegen mehrfach überhöhter Geschwindigkeit, was auch mit einem Fahrverbot geahndet worden war.

Mit der Aussage des Klägers und seiner Partnerin wurde noch ein ganz anderes Bild gezeichnet, das den Angeklagten nicht gut dastehen ließ. Er soll eine Art Blaulicht auf seinem Armaturenbrett montiert gehabt haben. Auch eine Polizeimütze soll dort gelegen haben, auf die er während der waghalsigen Überholvorgänge mehrmals gedeutet haben soll. Das Blaulicht habe des Öfteren geblinkt. "Ich dachte, das ist doch Amtsanmaßung", erklärte der Zeuge, während seine Partnerin die Situation als recht gefährlich beschrieb. Sie habe ziemliche Angst gehabt, weil ihr Partner mehrmals habe stark abbremsen müssen.

Für den Staatsanwalt gab es am Verhalten des Angeklagten nichts zu deuteln. Die Zeugen seien glaubwürdig und ohne Belastungstendenz. Ihre Geschichte mit dem Blaulicht und der Polizeimütze könne man schlecht erfinden, so dass man davon ausgehen könne, dass der Angeklagte offenbar beständig "in verkehrserzieherischer Weise" unterwegs sei und sich mit polizeiähnlichen Utensilien Respekt verschaffen wolle. Doch jemanden zur Vollbremsung zu zwingen, sei zweifelsfrei Nötigung. Er forderte 40 Tagessätze à 30 Euro und ein zweimonatiges Fahrverbot.

Auch in seinem letzten Wort gab sich der Angeklagte fassungslos, dass man so über ihn befinden könne. Doch auch der Richter schloss sich der Argumentation des Staatsanwalts an und urteilte in dessen Sinn.

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