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Bei Wild gehen die Lichter aus
Bei Wild gehen die Lichter aus
05.02.2019 - 00:00 Uhr
Von Holger Siebnich

Lichtenau - "Wir ziehen um!", verkündet ein Schriftzug auf der Homepage der Firma Wild Kunststofftechnik. Das Traditionsunternehmen gibt seinen Standort in Lichtenau auf und verlagert Teile der Produktion zum 1. April nach Idar-Oberstein. Betroffen sind rund 30 Mitarbeiter. Laut Geschäftsführer Sascha Spindler gibt es dafür mehrere Gründe. Unter anderem sei es versäumt worden, das Portfolio auf die Gegebenheiten des internationalen Markts anzupassen.

Das Unternehmen fertigt Etuis und Verpackungen aus Kunststoff, beispielsweise für Stifte, Schmuck, Münzen und Uhren. Solche Waren könne man heute "containerweise aus China" zu vielfach günstigeren Preisen importieren, sagt Spindler.

Der Geschäftsführer ist seit Oktober vergangenen Jahres im Amt. Er war mit Markus Kalf befreundet, der das Unternehmen nach einer Insolvenz im Jahr 2014 erworben hatte. Kalf war laut Spindler auch Eigentümer von vier weiteren Firmen mit ähnlicher Ausrichtung, so dass der Standort Lichtenau gut ins Portfolio passte und Synergieeffekte versprach. Allerdings sei Kalf kurz nach der Übernahme verstorben. Im Auftrag der Erben verkaufte Spindler drei der Firmen. Übrig blieb die Innform GmbH in Idar-Oberstein. In deren Räumlichkeiten soll die Wild Kunststofftechnik umsiedeln.

Gegenüber den Mitarbeitern in Lichtenau sind laut Spindler Änderungskündigungen ausgesprochen worden. Es gebe aber für alle die Option, am neuen Standort in Rheinland-Pfalz weiterzuarbeiten. Bislang hätten sich drei Beschäftigte für diese Möglichkeit entschieden. Mit sieben Mitarbeitern drohen aber juristische Auseinandersetzungen: Sie bezweifeln die Rechtmäßigkeit der Kündigung und sind vor das Arbeitsgericht gezogen. "Sie glauben, wir machen den Umzug, um Mitarbeiter loszuwerden. Aber das ist kompletter Quatsch", beteuert der Geschäftsführer. Die Belegschaft sei Ende November über den Schritt informiert worden. "Das war kurz vor Weihnachten natürlich nicht schön. Aber es war uns wichtig, dass die Leute genügend Zeit haben, sich einen neuen Job zu suchen", sagt Spindler. Angesichts der guten Wirtschaftslage glaube er nicht, dass den Betroffenen eine längere Arbeitslosigkeit drohe.

Spindler hegt keinen Zweifel daran, dass das Unternehmen in Idar-Oberstein eine Zukunft hat. Dafür sei auch noch einmal Geld in neue Maschinen investiert worden, um die verbliebenen lukrativen Aufträge für "große, international tätige Unternehmen" erledigen zu können.

Die Produktionsanlagen von Baden nach Rheinland-Pfalz umzuziehen, wäre seiner Ansicht nach nicht wirtschaftlich gewesen: "Dafür sind die Anlagen einfach zu alt." Auch das Firmen-Areal im Lichtenauer Gewerbegebiet sei ein Minuspunkt gewesen. "Das ist komplett überdimensioniert", sagt Spindler angesichts des 20 000 Quadratmeter großen Grundstücks mit mehreren Gebäuden, in denen zu Glanzzeiten bis zu 300 Beschäftigte arbeiteten. Ein Hochregallager mit 5 500 Palettenstellplätzen sei komplett leergestanden, nennt Spindler ein Beispiel für ungenutzte, aber teure Kapazitäten.

Die Zukunft der Immobilien ist offen. Bürgermeister Christian Greilach will das Gespräch mit den Eigentümern suchen, einer Holding mit Sitz in der Schweiz, der das Unternehmen bis zur Insolvenz vor fünf Jahren gehörte. "Wir haben ein Interesse daran zu erfahren, wie es dort weitergehen soll", sagt der Bürgermeister. Er bedaure die Entwicklung sehr, sie komme aber nicht überraschend. Bei Gesprächen in der Vergangenheit habe er die Problematik der hohen Produktionskosten vernommen.

Spindler ist optimistisch, dies mit dem Neustart in Idar-Oberstein in den Griff zu bekommen. Wie groß die Wild-Belegschaft dort am Ende sein werde, stehe noch nicht fest. Er betont aber: "Wir wollen nicht schrumpfen. Man muss investieren, um zu wachsen."

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