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Eine Schnapsidee zieht weite Kreise
09.02.2019 - 00:00 Uhr
Ottersweier (jo) - Mit einem Dreschflegel in der Hand reiht sich der urige Leimewangscht in die lange Reihe jener Narrenfiguren ein, die in der Tradition der alemannischen Fastnacht stehen. Der wohlgenährte Bauer mit dem Kugelbauch repräsentiert Ottersweier - auf eine freundliche Art, mit einem Lächeln im Schnitzgesicht. Seine Zunft, die Leimewängscht, feiert jetzt ihr 66-jähriges Bestehen - ausgiebig in der "heißen Phase", aber ohne großes Brimborium.

Die Maske des Leimewangscht hat das Rentenalter noch nicht erreicht. 1976 erstmals geschnitzt, ist sie 43 Jahre jung. Gegründet wurde die Zunft - in einer Region, die an der Nahtstelle zwischen alemannischem Brauchtum und rheinischem Karneval liegt - ursprünglich als Elferrat.

Der Überlieferung nach soll es sich um eine Schnapsidee von fünf Närrischen gehandelt haben - entstanden wohl beim Bier an jenem beziehungsreichen Ort, der heute als Zunftstubb dient. Seinerzeit war's noch das Gasthaus Krone. Dieses ist im Ort auch als "Rosinenhafen" bekannt, in Anspielung an die damalige Wirtin "Hippe-Rosin". Ein Lied und das jährliche "Rosinenkuchenessen" halten die Erinnerung an sie wach. Bereits ein Vierteljahr später mündete die Schnapsidee in die erste Kappensitzung im "Rosinenhafen" mit einer Drei-Mann-Kapelle. Eintritt: eine Mark. Das närrische Baby entwickelte sich prächtig, die Begeisterung für das fastnächtliche Treiben im Lindendorf wuchs und wuchs.

Auffallend viele Frauen setzten sich die Elferratsmütze auf. Die "Krone" wurde alsbald zu klein. Die Folge: Umzug. Zunächst ins Gasthaus "Hirsch", dann in die alte Turnhalle und letztendlich ins Gemeindezentrum St. Johannes, das bis heute als "Narreschier" dient.

Zwei Kappensitzungen, ein großer Dorfumzug zur Krönung des Schmutzigen Donnerstags sowie die Guggis-Night und das "Rosinenkuchenessen" der Frauen bilden die Höhepunkte der närrischen Tage in Ottersweier.

Der Leimewangscht hat im Lauf der Zeit einigen Zuwachs erhalten, so dass die Zunft, die zu den Gründungsmitgliedern des Ortenauer Narrenbunds gehört, heute mit mehreren Gruppierungen bei Umzügen ein bunt gemischtes, farbenprächtiges Bild abgibt. Der einstige Elferrat mutierte mit der Eintragung als Narrenzunft ins Vereinsregister zum Zunftrat. 1993 formierte sich der "Narresume", der Nachwuchs, als Gruppe, betreut von Flohhüterinnen in der Tracht der Badfrauen, eine Reminiszenz an das einstige Heilbad Hub. 1995 wurde es richtig laut im Verein: Die Notenquetscher Guggis machten mit vielen schrägen wie fetzigen Noten erstmals von sich hören.

2004 kündigte sich eine Hexengeburt an. Mit schaurig-schönen Masken springen sie seitdem bei Umzügen und anderen Anlässen umher. Ihre große Stunde schlägt am Schmutzigen Durschdi nach Einbruch der Dunkelheit beim gewagten Sprung übers Feuer. Am darauf folgenden Freitagabend machen die Notenquetscher große Party. Beim ohrenbetäubenden Remmidemmi im Gemeinzentrum beteiligen sich befreundete Kapellen vom Hochrhein bis ins Schwäbische, zu denen lange Freundschaften bestehen. An diesem Abend krempeln die Guggis den Hallenschmuck zu ihren Zwecken komplett um, um noch am frühen Morgen nach der Fete den vorigen Zustand wieder herzustellen.

Die Leimewängscht sind eine gewiss lebendige, vielfältige und umtriebige Gemeinschaft, die über die Narretei hinaus seit Jahren auch ein Kleinkunst-Programm in ihrer Zunftstubb auf die Beine stellt. Eigentlich hätte das Gasthaus nach dem Ausbau der Rheintalbahn abgerissen werden sollen, der Verein hat es mit seiner erfolgreich etablierten Kulturreihe davor bewahrt.

Es waren und sind viele, die mit Rat und vor allem Tat die Leimewängscht aufgebaut haben und ehrenamtlich mit Ideen am Leben halten. Ein dreiköpfiger Vorstand mit Karina Liagourdis, Dieter Seifermann und Mona Stengele steuert heute das Narrenschiff. In der Festschrift "Otterschwier lacht zu 6 mol 11 Johr Fasenacht" gilt der Dank für 66 Jahre Narretei pauschal allen verdienten Mitgliedern. Nur ein Aktivposten wird besonders herausgehoben: Oskar Dietrich, vor Jahren verstorbenen, war Gründungsmitglied, Elferrat, Baumeister und Mäzen zugleich. "Sir Oskar" war der Erznarr schlechthin.

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