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Mit 88 Jahren
01.03.2019 - 00:00 Uhr
Bühl (sie/jo) - "Wenn ich so in die Runde schau, wird's mir um die Bühler Fastnacht gar nicht flau", reimte Georg Friedmann gestern Vormittag beim 21. Narresuppeessen. Der stellvertretende Zunftmeister der Narrhalla freute sich über die Vielfalt der Bühler Fastnachtsvereine, deren Vertreter sich im Friedrichsbau stimmungsmäßig hochschunkelten. Traditionell bot die Veranstaltung ein Schaufenster der besten Beiträge der Kampagne und einen würdigen Rahmen für hohe Auszeichnungen. Die höchste ging an eine Grande Dame der Bühler Fastnacht.

"Was sagt man in wenigen Augenblicken über jemanden, den man sein ganzes Leben lang kennt?", fragte Jürgen Kohler. Ihm kam die Aufgabe zu, die Laudatio auf seine Mutter Gerda Kohler zu halten, der Beatrix Schnurr den "Orden wider den städtischen Ernst" verlieh, die höchste närrische Auszeichnung der Stadt. "Vortragen und Vorlesen konnte Gerda schon immer gut", schilderte Jürgen Kohler Erinnerungen aus Kindheitstagen. Der Schritt in die Bütten von Hänferdorf, Frauenbund oder Wassersuppengass war da nur die logische Konsequenz. Doch nun trete sie mit 88 Jahren in den närrischen Ruhestand "und wird eine Lücke hinterlassen". OB Schnurr gratulierte der Geehrten: "Es ist eine große Leistung, über Jahrzehnte aktiv zu sein. Sie haben sich den Orden redlich verdient." Gerda Kohler zeigte sich überrascht, aber umso glücklicher: "Ich freue mich riesig - oder sollte ich sagen: saumäßig."

Den zweiten Orden des Tages heftete Schirmherrin Beatrix ans Revers von Michael Vetter, der in seiner Rolle des Nepomuk die Auszeichnung der Goldenen Büttenrede für den besten Beitrag der Kampagne erhielt. Er schlug den großen Bogen vom internationalen Trubel mit Trump, Erdogan und Brexit bis hin zu den Querelen im heimischen Bühl. Vetter mokierte sich über Leserbriefschreiber und Besserwisser. Angesichts der auf der Kippe stehenden Pläne für ein Seniorenzentrum auf dem Areal des Klosters Neusatzeck mahnte er: "Ich sag's Euch, ich hoff', Ihr müsst's nicht büßen, von der Hochstraße lässt die Hundseck schön grüßen."

Zuvor hatte der Saal schon beim ersten Büttenbeitrag gebebt, den Pfarrer Wolf-Dieter Geißler als Sitzungspräsident als "Liebeserklärung an die neue Heimat" interpretierte. Holger Siebnich fragte laut: "Warum nur will ich Balzhöfener sein?" Trotz Autobahnlärm, Kneipentod, Landluft oder herbstlicher Nebeltristesse hatte er einen triftigen Grund, in dieser "großen kleinen Stadt" alt werden zu wollen: "Balzhofen hat die allerschönste Fastnacht von Bühl."

Manuel Bäuerle und Rosano Kist stellten klar, wer bei den Niesatzer Hurzle in Zukunft das Zepter führen wird. Die Söhne des Vorsitzenden Udo Kist und seines Stellvertreters Armin Bäuerle zogen kräftig über ihre Väter vom Leder und kraftmeierten: "Die Sitzungspräsidenten können gut in Rente, wir können es Euch sagen: Wir übernehmen den Laden." Auch die Gardemädels sollten sich vor den Nachwuchs-Casanovas in Acht nehmen: "Wir werfen einen Kussmund voller Lust, da schießt ihnen fast schon die Milch in die Brust."

Die passenden Tuschs zu den Pointen lieferten wie seit menschengedenken Albrecht Müller und Klaus-Dieter Knopf, die den Saal auch zum Schunkeln brachten. Mit tänzerischen Einlagen glänzten die Garden der Mondglunkerle Weitenung und der Narrhalla sowie das Tanzpaar des Feurio Vimbi.

Bevor Beatrix Schnurr den Schöpflöffel in die Narrensuppe tunkte und zur Speisung lud, stellte noch Martin Hettler von den Mondglunkerle sein Talent als "handwerkliche Kornyphäre" unter Beweis. Er montierte einen Kleiderschrank schwedischer Herkunft und ließ sich dabei von schiefen Kanten nicht entmutigen: "Das ist total easy kann man sagen - also vielleicht."

Den musikalischen Schlusspunkt hinter den Reigen setzte die Guggenmusik der Bühler Hexen. Im Takt dazu klatschten auch viele Stadträte und Kandidaten für den Gemeinderat. "Sie sind heute sehr gut vertreten", wie OB Schnurr im Kommunalwahljahr süffisant bemerkte.

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