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"China hat es geschafft, dass wir dieses Thema ausblenden"
06.03.2019 - 00:00 Uhr
Bühl (jo) - Kaum ein Europäer kam dem Friedensnobelpreisträger Tenzin Gyatso so nahe wie der Schweizer Fotograf Manuel Bauer. Die Rede ist vom 14. Dalai Lama. Bauer hatte sogar Zugang zum spirituellen Rückzugsort des Oberhaupts der lamaistischen Buddhisten, das seit sechs Jahrzehnten im indischen Exil lebt. Am Sonntag, 10. März, jährt sich zum 60. Mal der Tibetaufstand. Am selben Tag zeigt Bauer um 17 Uhr seinen Vortrag "Mit dem Dalai Lama durch den Himalaya" im Bürgerhaus Neuer Markt.

Isabelle und Lothar Himmel vom "Augenblicke"-Team haben den Eidgenossen aus Winterthur zum Abschluss ihrer Vortragssaison 2018/19 nach Bühl eingeladen. Beide haben den Anspruch, neben Vorträgen zu klassischen Reisezielen auch die Arbeit von Fotografen, die sich für Menschenrechte einsetzen, zu bieten. "Insofern freuen wir uns sehr, dass es uns gelungen ist, Manuel Bauer nach Bühl zu holen und dies zudem am 10. März."

Eine kurze Einführung in das Land Tibet, seine leidvolle Geschichte und den Aufstand gegen die chinesischen Besatzer wird der frühere Vorsitzende der Tibet-Initiative Deutschland, Klemens Ludwig, geben.

Manuel Bauer hat den Dalai Lama auf vielen Reisen durch Indien begleitet. "So werden auch Land und Leute und der Alltag zu sehen sein", kündigt er im Gespräch mit dem BT an. Im Fokus des Vortrags indes steht jener Mensch, dem Bauer als junger Fotograf erstmals in den 80er Jahren begegnete. Er war an einem Reportage-Projekt beteiligt, das zeigen sollte, wie die entwurzelten Tibeter nach der Flucht ihre Kultur im Exil zu bewahren versuchen. Dabei traf er erstmals den Dalai Lama.

1990 kam es zu einer Ausstellung in Zürich unter dessen Mitwirkung. Eine Bombendrohung platzte in die feierliche Eröffnung. Die Honoratioren, darunter auch Bauer und der Dalai Lama, sollten evakuiert werden. Doch der Notausgang ließ sich nicht öffnen. Der Ehrengast habe das Ganze "eher fröhlich" wahrgenommen, auch Bauer ließ sich von der ausbreitenden Panik nicht anstecken. Durch die gemeinsame demonstrative Gelassenheit kam man sich menschlich näher und freundete sich an.

Das Tor für weitere Fotoarbeiten am Hof des Dalai Lama war geöffnet. Diesen nur als Funktionsträger - als lachender Mönch, der in die Menschenmenge winkt - vor die Linse zu bekommen, war Bauer mit der Zeit jedoch zu wenig. Er wollte eine vertiefende, inhaltliche Dokumentation. Eine, die auch die private Seite zeigt. "Ein Dokument für die Zukunft", wie der Schweizer im Rückblick sagt. Denn so etwas habe es bis zu diesem Zeitpunkt nicht gegeben.

"Der Dalai Lama war dafür sehr offen." Vier intensive Jahre widmete Bauer diesem Projekt. "Von 2001 bis 2005 habe ich nichts anderes gemacht." Bilder aus dieser Zeit als quasi "Haus- und Hoffotograf" (nicht angestellt, sondern aus freiem Antrieb) sowie von späteren Begegnungen und zahlreichen Reisen bis ins Jahr 2014 werden den Schwerpunkt des Bühler Vortrags bilden. Bauer fing mit der Kamera auch viele emotionale Momente bei Besuchen tibetischer Flüchtlingsgemeinden und buddhistischer Volksgruppen ein. Von Tawang im Osten des Himalaya bis Dharamsala im Westen führt die Reise durch faszinierende Landschaften.

Manuel Bauer hat internationale Auszeichnungen erhalten (unter anderem den World Press Photo Award) und setzt sich für bedrohte Menschen ein. So hat er sich stark für die Umsiedlung des Dorfs Sam Dzong im nepalesischen Hochland engagiert, nachdem dessen 85 Bewohner aufgrund des Klimawandels ihre Lebensgrundlage, das Schmelzwasser, verloren. Mitte der 90er Jahre verhalf er in Tibet einem Vater und seiner sechsjährigen Tochter zur Flucht über einen 5700 Meter hohen Pass in einem lebensgefährlichen siebentägigen Fußmarsch.

Die Unterdrückung der Tibeter werde heute fast nicht mehr öffentlich wahrgenommen, bedauert der Fotograf. Kaum noch ein Politiker zeige sich mit dem Dalai Lama. "Die Wirtschaftsmacht China hat es geschafft, dass wir dieses Thema ausblenden."

Mit der einstigen Bombendrohung in Zürich habe das Reich der Mitte aber nichts zu tun gehabt. Vielmehr stellte sich laut Bauer heraus: "Das war ein religiöser Fanatiker, der schon einmal auffällig war."

www.augenblicke- vortraege.de

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