Diese Spende ist Kopfsache
07.03.2019 - 00:00 Uhr
Achern (mig) - Schnipp-schnapp, Haare ab! Das war ein besonderer Friseurtermin für die Schwestern Franziska und Anna Gutmann aus Oberachern. Mehrere Jahre hatten sie ihre Haare wachsen lassen. Jetzt ließen sie sich 30 Zentimeter lange Zöpfe abschneiden, um sie zu spenden.

"Bist du bereit?", fragte Friseurin Margarita Armbruster die 13-jährige Franziska. Die Sängerin im Jungen Chor Fautenbach grinste und hob den Daumen. Wenige Sekunden später waren ihre Haare statt 60 nur noch 30 Zentimeter lang. "Das steht dir gut", sagte ihre Mama Katja Hägele-Gutmann stolz. Sie findet den gemeinsamen Beschluss der Schwestern bewundernswert.

"Verabredet haben wir das vor einem Jahr am Weltfrauentag", erzählt die 20-jährige Anna Gutmann. Sie habe als 15-Jährige ein halbes Jahr in Kanada verbracht und dort gesehen, dass Schüler ihre Haare für kranke Menschen spendeten. Einzelne seien so weit gegangen, sich den Kopf kahl rasieren zu lassen. Sie selbst hat nach dem Abschneiden noch schulterlanges Haar. Es maß vorher 75 Zentimeter und reichte ihr bis zur Hüfte.

"Die Zeit mit dem langen Haar war schön. Aber im Winter verklemmt man sie ja in jedem Reißverschluss", erzählt die Studentin der Maschinenbautechnik an der Universität Karlsruhe. Die Pflege der Haare habe zuletzt sehr lang gedauert.

Nach dem Fußballtraining in der Damenmannschaft des SV Obersasbach sei das viel zu aufwendig gewesen. "Jetzt muss ich vor dem Training nicht mehr so lange flechten", sagt sie und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: "Vielleicht kann ich auch schneller rennen. Es fühlt sich jetzt echt leichter an auf dem Kopf."

Ihre jüngere Schwester Franziska gehörte bisher zu den Mädchen mit den längsten Haaren in ihrer achten Klasse am Gymnasium Achern. Ihren Freundinnen habe sie nichts von der Aktion erzählt. Ihr Wunsch: Ein krankes Kind, das seine Haare verloren hat, soll eine gute Perücke bekommen. Ein Film über ein Mädchen, das wegen einer Krebserkrankung keine Haare mehr hatte, habe sie auf die Idee mit der Haarspende gebracht.

"Das ist sinnvoll", sagt die Friseurin. Denn Echthaar-Perücken seien für Kinder oder Erwachsene, die eine Chemotherapie durchstehen müssen, viel unauffälliger und natürlicher als eine Perücke aus Kunsthaar.

Doch die Idee, sein Haar anderen zu schenken, gebe es noch nicht lange. Früher habe jeder seinen Zopf mit nach Hause genommen oder die Haare seien weggeworfen worden. Tatsächlich ist es auch für Margarita Armbruster etwas Besonderes, so lange Haare abzuschneiden.

Ihre mittelblonden und mittelbraunen Zöpfe schicken Anna und Franziska Gutmann an einen Perückenmacher-Familienbetrieb im Münsterland in Nordrhein-Westfalen. Dort werden gespendete Haare zu Echthaar-Perücken für Menschen verarbeitet, die keine eigenen Haare mehr haben. Für die Haare müssen die Spender nichts bezahlen, für die Perücke zahle die Krankenkasse einen großen Teil, heißt es. "Haare spenden ist wie Glück verschenken", heißt das Motto des Betriebs. Genauso fühlte es sich für die Schwestern an.

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