http://www.spk-bbg.de
"Schnuffi" feiert seinen 30. Geburtstag
'Schnuffi' feiert seinen 30. Geburtstag
08.03.2019 - 00:00 Uhr
Bühl (urs) - Die wunderschönen Augen blicken immer noch hellwach in die Welt. Mit dem Sehen und Hören gibt es ebenfalls kein Problem. Vielleicht ist "Schnuffi" mit den Jahren ein wenig struppiger und ein bisschen knochig geworden. Das wäre allerdings auch kein Wunder, denn "Schnuffi", das Pferd von Jasmin Prätorius, ist immerhin 30 Jahre alt.

Eine stattliche Zahl! Vor allem, wenn man auf die Geschichte des französischen Vollblüters zurückblickt. Auf den Namen "Northern Luth" getauft, wurde er sozusagen "zum Rennen geboren". Diese Tatsache macht Jasmin Prätorius heute noch etwas traurig. Die Tierfreundin hatte vor 22 Jahren, am 7. März 1997, das völlig runtergekommene Rennpferd im Elsass für umgerechnet 1000 Mark gekauft. "Oh mein Gott, habe ich damals gedacht, als ich es zum ersten Mal gesehen habe", erinnert sie sich. "Schnuffi war sehr dünn, sein Fell verfilzt und er hatte eine Hautkrankheit."

Seit dieser Begegnung sind Pferd und Reiterin "immer mehr zusammengewachsen". "Es hat einfach gepasst", sagt Jasmin Prätorius. Fast könnte man meinen, das ausgemusterte Rennpferd hat damals bei diesem Zusammentreffen das große Los gezogen. Auf dem Regenmattenhof in Moos steht "Schnuffi" seit einigen Jahren mit zwei anderen Pferden in einem offenen Stall mit angrenzender Koppel. Für heutige Maßstäbe sind das geradezu paradiesische Zustände.

Seine Neugier hat der Vollblüter auch im Alter nicht verloren. Zutraulich kommt er näher und lässt sich mit samtiger Schnauze die hingehaltenen Leckerlis genüsslich schmecken. "Mein alter Mann" nennt Jasmin ihren "Schnuffi" oft zärtlich, denn als Faustregel gilt: 35 Pferdejahre sind 100 Menschenjahre.

Ans Reiten ist allerdings schon seit sieben Jahren nicht mehr zu denken. Das ehemalige Rennpferd bekommt auf dem Regenmattenhof sozusagen sein Gnadenbrot. Eine Formulierung, die Jasmin Prätorius so gar nicht leiden mag. "Gnadenbrot darf nicht bedeuten, alte Pferde auf eine Weide abzuschieben. Gerade solche Tiere benötigen oft intensive Zuwendung und Pflege. Entscheidend ist, dass die Lebensqualität des Tieres erhalten bleibt", erklärt sie. "Nur weil ich nicht mehr reiten kann, heißt das noch lange nicht, dass das Pferd eingeschläfert wird. Das kommt für mich nicht in Frage! Für mich ist Schnuffi fast ein richtiges Familienmitglied."

Doch so eine Tierliebe hat auch ihren Preis. Die Kosten für "Schnuffi" belaufen sich im Monat mit Stall, Futter und Medizin auf rund 400 bis 500 Euro. Jasmin Prätorius sieht es gelassen: "Tiere kosten einfach Geld. Wenn ich mir ein Tier anschaffe, muss ich mir dieser Tatsache bewusst sein. Schnuffi darf bei mir einfach alt werden", sagt sie und fügt schmunzelnd hinzu. "So dürfen wir beide zusammen alt werden!"

Nahezu jeden Tag besucht sie ihren Senior, etwa um ihn zu striegeln, zu füttern oder mit ihm über die angrenzenden Wiesen zu spazieren. Lachend meint sie: "Pfeffer hat er immer noch im Hintern. Gemütlichkeit ist nicht sein Ding".

Doch der Abschied rückt näher, das spürt die Tierliebhaberin mit jedem Tag ein wenig mehr. Eine Tatsache, die Jasmin Prätorius natürlich auch ein wenig Angst macht. Bereits zwei Mal sei "Schnuffi" nicht mehr aufgestanden und musste mit einem Stapler wieder in die aufrechte Position gebracht werden.

Doch an solch trübe Gedanken möchte sie keine Zeit verschwenden. Es wurde Geburtstag gefeiert. Daher trafen sich einige Weggefährten aus dem Elsass und Tierfreunde aus der Umgebung zu Sekt, Kaffee und Kuchen auf dem Regenmattenhof, um auf die nächsten 30 Jahre des ehemaligen Rennpferds anzustoßen.

Sind das nicht zu hohe Erwartungen? Mitnichten, denn immer mehr Pferde erreichen ein Methusalem-Alter bis weit über 35 Jahre. Das bisher offiziell älteste Pferd starb mit 51 Jahren, ein Welsh-Araber, der bis 2004 in Wales lebte. Die Zukunftsaussichten sind deshalb für "Schnuffi" gar nicht so schlecht. Oder? Da lächelt die Tierliebhaberin nur still und meint: "Er hat mir ganz fest versprochen, er bleibt noch ein bisschen bei mir. Bis dahin dankt er es mir, nur durch seine pure Anwesenheit jeden Tag!"

BeiträgeBeitrag schreiben 
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
Umfrage

Drei Viertel der Deutschen sprechen sich dafür aus, im Restaurant kostenloses Leitungswasser zu erhalten. Sie auch?

Ja.
Nein.
Das ist mir egal.


Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1