"Müssen bezahlen, sind doch keine Diebe"
12.03.2019 - 00:00 Uhr
Bühl (gero) - Wochenmarkthändler wirft so schnell nichts um. Da kann der Wind noch so schnittig um den Markt- und Kirchplatz pfeifen. Gestern war mal wieder so ein Tag - und auch nur etwas für Hartgesottene. Turbulenzen um den Interims-Standort Europaplatz und die Rückkehr auf den angestammten Markt- und Kirchplatz gab es in der Vergangenheit genug.

Immerhin ist diesbezüglich der Wind einigermaßen eingeschlafen. Vor allem die Kundschaft hat dem Politikum den Wind aus den Segeln genommen. Die Frequenz und die Umsätze sind stabil, das Ambiente ohnehin unschlagbar. Es gilt das Wort eines Bühler Stadtrats: "Der Markt ist wieder zuhause."

Ottmar Serrer bietet als Selbsterzeuger aus Renchen-Ulm seit 24 Jahren Gemüse, Obst und Blumen in Bühl feil. Gestern war er zum ersten Mal nach dem Umzug am 12. Januar an einem Montag wieder mal vor Ort. Er war einer der Wortführer für den Standort vor dem Bürgerhaus. Er ist aber ehrlich genug, um von einer gelungenen Operation zu sprechen: "Die Samstage sind gut angelaufen, die werden gut angenommen." Heimweh empfindet er nicht. Überzeugt hat ihn das modifizierte Parkierungskonzept für die Beschicker, das den Aufbau, aber auch die Abfahrt beschleunigt. Vor der Neugestaltung der beiden Plätze rund um Rathaus und Kirche habe es da immer wieder mal "Zirkus" gegeben. Zur Komplettierung des Dienstleistungsangebots fehle nun nur noch ein neuer Pächter für das Kiosk.

Auch Rudolf Birnbreuer (80) ist eine treue Seele. Der Weitenunger Hobby-Imker steht mit seinem Stand vor dem Haupteingang von Rathaus II. "Der Europaplatz war nicht schlecht", blickt er kurz zurück, aber auch mit dem angestammten Standort könne er "gut leben". Das hat sich eingespielt". Vor allem den Bühler Einzelhandel sieht er als Gewinner: "Die sind froh, dass wir wieder da sind." Man bringe schließlich jede Menge Kundschaft ins Herz der Stadt, ansonsten seien die beiden zentralsten Plätze Bühls "mausetot". Er weiß, wovon er spricht, kommt er doch schon seit 30 Jahren nach Bühl.

Marianne Kronberg hat an der Südfassade von Rathaus I Wurst, Käse und Joghurt aus eigener Produktion vom Aspichhof im Angebot. Vor allem der Rahmkäse ist der Renner: "Der ist am Ende immer weg." Einen Unterschied zwischen beiden Standorten kann sie nicht erkennen. Mit einem Unterschied: Die "Fallwinde" vom Kirchturm seien schon heftig. Peter Golle, ein langjähriger Kunde, hat Respekt vor der Zähigkeit und Belastbarkeit der Händler: "Bei einem Wetter wie heute tun mir die Leute hier leid."

Auf dem Kirchplatz steht wohl der bekannteste Obst- und Gemüsehändler der Region: Erwin Knosp. Der zweifache deutsche Meister im Freistilringen aus Urloffen hat den Platz von seiner Mutter übernommen und sich sein Urteil rasch gebildet: "Der Platz gefällt uns, die Kunden finden uns wieder, und Einbußen gibt es auch keine."

Dagmar Jörger lassen Regen und Sturm kalt: Sie steht in einem Verkaufswagen einer Laufer Bäckerei. Mit breitem Dialekt meint sie: "S'isch hinte gut gsi und hier vorne au." Vor allem die Abstellplätze für die Händler direkt an den Ständen überzeugt sie: "Man kommt gut her und schnell wieder weg."

Gar als "optimal" stuft Mechthilde "Meggi" Heimburger den Platz in ihrem Imbisswagen am südöstlichen Eck von Rathaus II ein. Die Umsätze hätten sich verdoppelt, und es gäbe vor allem um die Mittagszeit aufgrund der zentralen Lage zur Hauptstraße hin "viel mehr Laufkundschaft". Dazu zählt auch eine treue Kundin. Der Firmengründer habe sie, das damals sieben Jahre alte Mädchen, angeschaut und ihr den Hunger vom Gesicht abgelesen. Und er schenkte ihr ein aufgeplatztes Würstchen, das nur optisch vielleicht Wünsche offenließ, aber geschmacklich auf keinen Fall. Und darauf komme es schließlich auch an. Auf die Bühlerin hat diese Großherzigkeit jedenfalls großen Eindruck gemacht: "Das vergesse ich mein Leben lang nicht."

Am Stand von Ottmar Serrer steht derweil eine Gruppe des evangelischen Kindergartens St. Johannes. Sonia Baur will von den Dreikäsehochs wissen, was Rüben, Kartoffeln und Gurken sind, und was sie kosten. Die Rückmeldungen sind erfreulich hoch. Zum Schluss mahnt ein Mädchen: "Hallo, wir müssen jetzt aber noch bezahlen. Wir sind doch keine Diebe!"

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