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Traditionelle Musik neu und lebendig interpretieren
26.03.2019 - 00:00 Uhr
Lichtenau (jo) - Die Folkgruppen mit Liedgut aus der Epoche des Mittelalters haben sich rar gemacht. Doch diese handgemachte Musik, gespielt auf akustischen Instrumenten und mit verträumten Gesängen, es gibt sie auch im digitalen Zeitalter noch. Die Gruppe Vetterliswirtschaft, die am Samstag, 30. März, in Lichtenau auftritt, trägt seit rund 40 Jahren dazu bei, das Kulturgut der alemannischen Muttersprache ins Bewusstsein zu rücken.

Es geht dabei aber keineswegs um reines Bewahren oder gar eine Art musikalische Museumstätigkeit. Die fünf Musiker nehmen sich vielmehr die Freiheit, Neues und Zeitgemäßes zu entwickeln, indem sie an die Tradition der Altvorderen anknüpfen. Beispielsweise vertonen sie Gedichte von Hermann Hesse ("Welkes Blatt") oder Joachim Ringelnatz ("Sommerfrische"). Die hochdeutsche Prosa wird dabei zu alemannisch gesprochenen Mundarttiteln verarbeitet. Im Fall von Wendelinus Wurth erübrigt sich eine Transkription. Der zeitgenössische Autor aus Gutach dichtet in der Muttersprache.

Seine aktuelle CD hat das Quintett schlicht "d'Zweit" betitelt; es ist tatsächlich erst die zweite. Für die insgesamt 14 Stücke ließ man sich von Volksliedern aus verschiedenen Teilen Europas und jiddischen Liedern inspirieren. Da geht ein schlesisches Volkslied nahtlos in eine schwedische, neu arrangierte Tanzweise über. Oder ein Minnelied gipfelt in einen "Nachtanz", der als Gemeinschaftswerk im Proberaum entstanden ist. Die Eigenkomposition fügt sich bestens in das so charakteristische Ganze ein. Wie auch eine galizisch-portugiesische Cantigas oder ein vertonter Kinderreim.

Fast alle Lieder handeln von der Liebe oder der Natur. Und meist wird mit melancholischer Grundstimmung musiziert und gesungen. Man könnte dies als Volksmusik im ureigenen Sinne bezeichnen, stünde dieser Begriff heute nicht für volkstümliche Musik, dem Bruder des Schlagers. Klaus-Peter Maier, Bassist von Vetterliswirtschaft (und zuweilen auch in der Erwachsenen-Jazzcombo der Bühler Musikschule tätig), hält die Bezeichnung Volksmusik ohnedies für angestaubt. "Unser Anliegen ist es vielmehr, traditionelle Musik neu und lebendig zu interpretieren." Der Dialekt ist dabei nur ein Teil des Gesamtkunstwerks. Maier: "Wir haben zwar immer noch unsere Wurzeln im Alemannischen, aber das Repertoire ist weitaus breiter aufgestellt." Treffender wäre es, von "einer Art historischer Weltmusik" zu sprechen. Wer genau hinhört, kann auch Elemente von Jazz und Rock in dieser filigranen Folkmusik entdecken.

Gegründet wurde Vetterliswirtschaft im südlichen Nachbarlandkreis, in Ettenheim. Die Gruppe hat ihre Wurzeln in der Friedensbewegung und dem erfolgreichen Widerstand gegen den Bau eines Atomkraftwerks im nahegelegenen Whyl. Nach dem Tod des namensgebenden Mitbegründers Hans-Peter Vetter und mehreren personellen Wechseln spielt die Gruppe heute in folgender Besetzung: Andrea Frey-Melder (Gesang, Flöten), Sybille Hassler (Gesang, Flöten, Klarinette), Albert Hassler (Gitarre), Franz Schwörer (Gesang, Drehleier, Nyckelharpa) und, wie bereits erwähnt, Klaus-Peter Maier (Kontrabass).

Es sind fünf Individualisten, die mit den Jahren musikalisch "gereift" sind und als Gruppe im Zusammenspiel perfekt harmonieren. Vor zwölf Jahren erhielt Vettersliswirtschaft den Kulturpreis der Stadt Ettenheim. Bemerkenswert auch: Franz Schwörer baut seine "alten" Instrumente selbst - nach historischen Vorbildern.

Ein urig-heimeliger Auftrittsort wie der Heuboden des Lichtenauer Heimatmuseums scheint für diese Gruppe wie geschaffen. Der Auftritt beginnt um 20 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf in der Sparkasse Lichtenau und bei "Männer-Sache(n)" in Freistett.

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