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Vom Bürgerprotest zum Bürgerhaus
11.04.2019 - 00:00 Uhr
Bühl (jo) - Der Bühler Kultursommer erlebt in diesem Jahr gewissermaßen ein Vorspiel. So ist Livemusik bereits Ende Juni auf dem Europaplatz aus besonderem Anlass angesagt: Das Bürgerhaus Neuer Markt besteht seit 30 Jahren. Der runde "Geburtstag" wird zwei Tage lang zusammen mit der Bevölkerung bei freiem Eintritt gefeiert. Auf der Bühne stehen vor allem Künstler aus der Stadt und Region.

Zwischen 70 000 und 80 000 Besucher pro Jahr weist die Statistik der Kultureinrichtung aus. Das macht rund zwei Millionen Gäste in der Zeit seit der feierlichen Einweihung am 23. Juni 1989, als die Schar geladener Gäste in nur 30 Minuten das kalte Büffet restlos abräumte. Danach gab es zwei Tage der offenen Tür für die Bevölkerung und ein Gala-Programm mit der damals angesagten Sängerin Ireen Sheer.

Ausgesprochen ambitioniert gestaltete sich das Programm vor allem in den Anfangsjahren. Prominente Größen der deutschen Theaterszene wie Heidi Mahler oder Willy Millowitsch spielten in Bühl. Auch in Sachen Rock und Pop geizte die Stadt nicht: Selbst Udo Lindenberg hatte einen Auftritt. Freunde des Kabaretts erinnern sich an Dieter Hildebrandt. Ob Liedermacher Reinhard Mey, Soul-Weltstar Percy Sledge, Jazz-Legende Paul Kuhn oder Mary mit ihrer Travestie-Show, sie alle weilten schon in Bühls "guter Stube".

Doch dann waren die fetten Jahre vorbei; die Gewerbesteuermillionen flossen weniger reichlich. Gespart wurde wie immer zuerst bei der Kultur. Heute liegt die Prämisse auf Wirtschaftlichkeit bei den hauseigenen Abonnementsreihen. Im naturgemäß defizitären Klassikbereich beispielsweise werden vermehrt Kammermusikensembles engagiert, Auftritte großer Orchester sind eher selten. Was im Bürgerhaus auf der Bühne läuft, bestimmen zum Großteil Fremdveranstalter, die sich einmieten. Vor allem Schlager und volkstümliche Musik boomen.

Wo das Bürgerhaus steht, da befand sich einst die Obstgroßmarkthalle. Um diese entbrannte in den 70er und 80er Jahren kommunalpolitisch ein heftiger Streit. Bürgerprotest verhinderte zunächst, dass das Gelände an die Geschäftswelt veräußert wurde. Danach wurde um die Frage gestritten: Umbau der alten Halle zu einem Bürgerzentrum oder Neubau? Der Gemeinderat schloss sich der Argumentation eines Gutachters an und entschied sich für letztere Option.

Mehr als umgerechnet neun Millionen Euro durfte der Kulturtempel nicht kosten. Die Vorgabe führte zu einem Verzicht auf eine Klimaanlage, was sich sogleich zur Eröffnung als schwerer Fehler erwies. "Entschuldigen Sie, dass ich beim Schwitzen so transpiriere", nahm einer der Künstler die Sache mit Humor. Später musste die Kühlung teuer nachgerüstet werden.

Vier Oberbürgermeister (Ulrich Wendt, Gerhard Helbing, Hans Striebel und seit 2010 Hubert Schnurr) hat das Bürgerhaus-Team bereits erlebt. Die Leitung des Hauses wechselte in den 30 Jahren nur einmal. Ende 2015 sagte Gisela Gaibler nach 27 Jahren leise Servus und ging in Ruhestand.

Seit April 2016 ist Corinna Doba am Ruder. Sie stand zunächst vor technischen Problemen (leckende Heizung) und einem Sanierungsstau. In der Zwischenzeit wurden die verschlissenen Stühle durch neue ersetzt, das ramponierte Parkett aufgefrischt und auch der Online-Auftritt samt Programmbroschüre modernisiert. Es kann gefeiert werden!

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