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Stolpersteine aus dem Weg räumen
16.04.2019 - 00:00 Uhr
Bühl (gero) - Bei den Bemühungen, Bühl zu einer behindertengerechten Stadt voranzubringen, kann die Verwaltung auf weitere Fortschritte verweisen. Auch personell ist sie gut unterwegs und hat vor vier Jahren die Stelle eines Behindertenbeauftragten geschaffen und mit Thomas Kist besetzt. Beigeordneter Wolfgang Jokerst unterstrich in der jüngsten Ratssitzung die Bedeutung einer barrierefreien Stadtentwicklung.

Den rechtlichen Rahmen für einen Behindertenbeauftragten zeigte Kist mit der UN-Behindertenrechtskonvention auf. Sie verankere das Recht auf "uneingeschränkte und selbstverständliche Teilhabe von Behinderten am gesellschaftlichen Leben".

Inzwischen hat sich Kist auch zum Fachplaner für barrierefreies Bauen ausbilden lassen, um die Verwaltung bei Baumaßnahmen zu beraten. So war der Bühler Behindertenbeauftragte auch bei der Installierung eines Blindenleitsystems auf dem neu gestalteten Markt- und Kirchplatz eingebunden. Der "Ringschluss" vom Bahnhof bis in die Innenstadt soll im Zuge der Umgestaltung von Eisenbahnstraße und Gartenstraße erfolgen. Kist sprach von einem "Mosaik des Blindenleitsystems".

Aber auch mit Discountern steht er in engem Kontakt. So wurde auf einem ausgewiesenen Behindertenparkplatz ein Zusatzschild mit folgender Botschaft angebracht: "Wenn Sie meine Behinderung übernehmen, überlasse ich Ihnen meinen Parkplatz." Bei einem anderen Discounter handelte sich Kist hingegen eine "unfreundliche Absage" ein. An Kapitulation denkt er gleichwohl nicht: "So schnell gebe ich mich nicht geschlagen!"

Er berichtete vielmehr vo n weiteren Erfolgen. Bei der Ampelanlage in der Hauptstraße auf Höhe der Arbeitsagentur wurden ein Taktil (sensorische Information) für Sehbehinderte sowie Aufmerksamkeitsfelder im Boden eingelassen. Die Feinabstimmung bereite momentan zwar noch Probleme, "aber die Lösung ist in Sicht".

Ferner wusste Kist von barrierefreien Bushaltestellen in der Eisenbahnstraße (Kirchplatz) und Vimbuch (Ortsverwaltung) zu berichten. Bei der Bahnhofunterführung wurden Pflastersteine abgeschliffen, um Mitbürgern mit Handicap "Stolpersteine aus dem Weg zu räumen". Auch im Zuge des Umbaus des Rathauses in Neusatz werde ein barrierefreier Zugang geschaffen.

Zusammenfassend konnte Kist konstatieren: "In Bühl gibt es gute Ansätze, aber die Diskrepanz zwischen barrierefreiem Bauen und stadtplanerischen Aspekten bedeutet mitunter den Wunsch nach der Eier legenden Wollmilchsau. Wir müssen alle weiter daran arbeiten, Stück für Stück das Miteinander von Menschen mit und ohne Handicap zu gestalten, zu erleichtern und lebenswert zu machen."

Und die Erfolge wurden auch bereits gewürdigt. Für die barrierefreien Zugänge zu den Rathäusern I und II gab es eine Auszeichnung vom Landrat des Ortenaukreises, Frank Scherer. Und der Gemeindetag Baden-Württemberg stufte Bühl in den Rang einer "Modellkommune" ein. Bei der Landesregierung sind Förderanträge für weitere Vorhaben einer behindertengerechten Stadt hinterlegt.

Auf überörtlicher Ebene, informierte Kist weiter, liefen Kooperationen mit der Lebenshilfe, dem Landkreis Rastatt und den Städten Offenburg, Achern, Gaggenau und Rastatt. Dieser angestrebte "Inklusionsleitfaden" soll noch in diesem Jahr erstellt und präsentiert werden. Kist abschließend: "Barrierefreiheit ist nicht nur für behinderte Menschen, sondern steigert die Lebensqualität für alle!"

Die Sprecher aller Fraktionen zollten der Arbeit des Behindertenbeauftragten und dessen Rat bei öffentlichen Baumaßnahmen Respekt und Anerkennung. Walter Seifermann (GAL) bescheinigte Kist jede Menge Empathie. Er geht davon aus, dass in fünf Jahren das Aktionsprogramm umgesetzt sei.

Jörg Woytal (FW) und Lutz Jäckel (FDP) regten mehr behindertengerechte Toiletten in der Innenstadt sowie Gespräche mit Gastronomen und dem Bühler Einzelhandel an.

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