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Angehende Erzieherinnen trainieren den Umgang mit der Axt
Angehende Erzieherinnen trainieren den Umgang mit der Axt
17.04.2019 - 00:00 Uhr
Bühl (wv) - Das Beil fährt ins grüne Holz, von zarter, aber entschlossener Hand geführt. Die angehende Erzieherin arbeitet in einem Zirkuszelt vor der Elly-Heuss-Knapp-Schule leicht nach vorn gebeugt, was ihre Beine von der Schlagbahn der Schneide weiter entfernt, als eine aufrechte Haltung es täte. So hat es ihr Michael Heuberger, der Leiter des Fortbildungskurses, gerade eben erklärt.

Zum Einsatz der kleinen Schnitzaxt hat er auch erläutert: "Sie muss im richtigen Winkel auf das Holz treffen, sodass ihr ,ziehender Schnitt' leicht Span um Span löst." Gesagt, getan: Die Elevin bringt nach und nach einen Abschnitt eines armdicken Astes auf die grobe Form der gewünschten Holzschale.

Michael Heuberger aus Tittmoning (Bayern) gastiert auf Einladung der Elly-Heuss-Knapp-Schule mit seinem Grünholzmobil in Bühl. Sein Workshop zur Bearbeitung von "grünem", also frischem Holz reiht sich in die acht bis zwölf Fortbildungsmaßnahmen ein, die angehende Erzieherinnen im Praktikumsjahr zu absolvieren haben, erläutert Abteilungsleiterin Ingrid Sies. Seitens der "Elly" hat Lehrerin Jutta Leppert diesen Kurs organisiert. Schulleiterin Gabriele Krämer merkt an: "In einer Zeit, in der immer mehr reglementiert und immer mehr als zu gefährlich eingestuft wird, ist solch ein Kurs, der auch den Umgang mit gefährlichem Werkzeug lehrt, wertvoll."

Schilder warnen: "Achtung, scharfe Werkzeuge". Ganz behutsame Prüfung mit dem Finger: Die Äxte, Spalteisen, Sägen, Stechbeitel, Bohrer, Zieh- und Schnitzmesser sind "sauscharf". Die Sammlung beeindruckt die Teilnehmer: Sie können sich etwa an Schnitzbänken nach Art der Schwarzwälder Vorfahren niederlassen oder Holzteile an Wippdrechselmaschinen rund drehen, die an Geräte der Steinzeitmenschen erinnern. Das grüne Holz stammt zum Beispiel aus der Freihaltung von Straßenrändern und würde anders kaum verwertet, so Heuberger.

Im Kurs sind alle Teilnehmer weiblich, bei der aktuellen Geschlechterverteilung in der Erzieherausbildung nicht allzu verwunderlich. Schlag um Schlag, Schnitt um Schnitt kommen die "Lehrlinge" ihrem gestalterischen Ziel näher: Bei vielen sind es Holzlöffel, die sie aus rohen Ästen herausschnitzen. "Das gemeinsame Herstellen von Gebrauchsgegenständen und Spielzeug ist Arbeit, ernsthaftes Spiel und sinnliches Vergnügen in einem. Es schult nicht nur das Formgefühl und die Fähigkeiten unserer Hände, sondern fördert auch das soziale und kulturelle Verständnis." Das gehört zur Philosophie Heubergers.

Übrigens: Er kehrt mit dem Kurs in Bühl zu einer seiner Wurzeln zurück: Vor rund 40 Jahren hat er selbst hier an der "Elly" den schulischen Teil seiner Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher absolviert.

Heuberger, Jahrgang 1959, stammt aus Schutterwald. Die Liebe hat ihn nach Wilgering geführt, einen Weiler der Stadt Tuttmoning. Nach 25 Jahren hauptamtlicher pädagogischer Arbeit bei der Stadt Lahr hatte Heuberger mit etwas über 50 Lebensjahren neue Herausforderungen gesucht: Er hat sich natur- und handwerkspädagogisch selbstständig gemacht und betreibt mit dem Grünholzmobil eine Lernwerkstatt. Er meint: "Das Arbeiten mit grünem Holz hat Vorteile, zum Beispiel lässt es sich mit weniger Kraftaufwand bearbeiten, und der Herstellungsprozess ist ganzheitlich." Und großen Spaß macht's auch, tun Teilnehmerinnen in der Reflektionsrunde kund.

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